Online-Straftaten nehmen zu - Mit einem Klick sollen Nutzer künftig Verstöße im Internet melden können

Eine Notrufsäule für das Netz

Mobbing, Hacker und Trojaner: Die Liste der Online-Verstöße und Straftaten ist lang. Bislang gibt es für Internet-Nutzer kaum Möglichkeiten, sich dagegen zu wehren. Durch „Web-Patrol" soll sich das nun ändern.

Wer weiß schon, an wen er sich wenden soll, wenn er glaubt, sein Facebook-Account sei geknackt worden? Und wem meldet man zum Beispiel rechtsextreme Internetseiten?

Das soll in Zukunft anders werden. Das Deutsche Forum für Kriminalprävention hat zusammen mit dem Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) das Projekt „Web-Patrol“ auf den Weg gebracht. Im Polizeipräsidium Nordhessen stellte Ronald Schulze, Referent der BDK-Geschäftsleitung, das Projekt kürzlich vor.

Ratgeber: So schützen Sie sich im Internet

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Neben einer Medienkampagne und einem Internetportal, über das bereits bestehende Seiten mit Hilfen und Tipps gefunden werden können, ist der Kernpunkt des Projekts ein Browser-Button – eine Art Notfallknopf fürs Internet. Wer sich das kostenlose Plug-In herunterlädt und auf seinem Computer installiert, hat somit die Möglichkeit, Verstöße jeglicher Art an eine zentrale Stelle zu melden. Diese soll rund um die Uhr, an sieben Tagen die Woche besetzt sein.

Egal, ob man in sozialen Netzwerken gemobbt wird, ein ungutes Gefühl bezüglich eines unbekannten Chatpartners hat oder auf Internetseiten mit rechtsextremem Gedankengut trifft: Ein Klick auf den Button genügt, und IP-Adresse und ein Screenshot der betreffenden Seite sowie die eigene IP-Adresse werden automatisch an die zentrale Stelle übermittelt.

Anschließend öffnet sich ein Formular, in dem der Nutzer, wenn er das möchte, Namen und E-Mail-Adresse angeben und eine Nachricht hinterlassen kann. „Das ist aber freiwillig. Wer das nicht will, klickt das Formular einfach weg“, sagt Schulze. Die übermittelten Daten werden dann von der zentralen Stelle – der BDK nennt sie Clearing-Stelle – an entsprechende Experten weitergeleitet: an die Polizei oder an Juristen, Sozialarbeiter, Psychologen, Seelsorger oder Provider.

Das ganze soll in den nächsten Wochen mit einem Pilotprojekt in einer größeren Stadt getestet werden. Genaueres wollte Schulze dazu allerdings noch nicht sagen. „Der Notfallknopf soll aber noch in diesem Jahr starten.“

So schützen Sie Ihre Daten in sozialen Netzwerken

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Finanziert und unterstützt wird das Projekt von fünf beteiligten Unternehmen und der Universität Kassel. Laut Schulze ist das Projekt Web-Patrol mit seinem Notrufknopf europaweit das erste dieser Art. „Es gibt zwar bereits Online-Wachen und Internet-Beschwerdestellen, doch diese sind bei Notfällen nicht geeignet.“ Meist dauere es schlicht zu lange, bis sie reagierten. „Außerdem sind sie den meisten Menschen einfach nicht bekannt.“

Von Maren Schultz

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