Museum in Offenbach

Faszination Leder: Erotisch, exotisch und exquisit

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Die rote „Fliegende Untertasse“-Tasche mit Plexiglasboden hat die Offenbacher Firma Michaelis 1958 entworfen. Laut Kuratorin Rosita Nenno war die Firma bekannt für ihr extravagantes Design.

Offenbach - Das Deutsche Ledermuseum  in Offenbach bietet weit mehr als der Name vermuten lässt. Es zeigt Schuhe, Taschen und andere Gegenstände aus Leder aller Völker und aller Zeiten. Von Norman Körtge

„Roger Vivier: SchuhWERKE“ heißt die Sonderausstellung, die vom 22. März bis zum 2. November zu sehen sein wird.

Museumsdirektor Christian Rathke macht keinen Hehl daraus, dass er das „Deutsche“ im Titel für irreführend hält. Denn der Anspruch, den das Deutsche Ledermuseum in Offenbach hat, ist global. Nicht ohne Grund steht bereits in den Statuten des 1917 von Hugo Eberhardt eröffnete Instituts, dass es Gegenstände „aller Völker und aller Zeiten“ sammelt, wie Rathke zitiert. Deshalbnennt der Kunsthistoriker, der seit 2000 das Museum leitet und Ende 2014 in den Ruhestand gehen wird, das Museum bei seiner Abkürzung: DLM. Und reiht es damit in andere namhafte Einrichtungen wie das MMK (Museum für Moderne Kunst) in Frankfurt oder das MoMa (Museum of Modern Art) in New York ein.

Drei Leder-Museen in einem Gebäude

Zur Info:

Das Deutsche Ledermuseum in Offenbach befindet sich an der Frankfurter Straße 86. Geöffnet ist es dienstags bis sonntags jeweils von zehn bis 17 Uhr. Infos: www.ledermuseum.de. Die Internationale Lederwarenmesse mit den Trends bei Taschen und Lederaccessoires für den Winter 2014/2015 findet vom 8. bis 10. März in der Messe Offenbach statt.

Viel Wert legt Rathke darauf, dass in dem Gebäudekomplex an der Frankfurter Straße 86 gleich drei Leder-Museen untergebracht sind: Das Museum für angewandte Kunst, Handwerk und Industrie, das Ethnologische Museum und das europaweit größte Schuhmuseum mit internationaler Fußbekleidung aus vier Jahrtausenden – von Sandalen aus Ägypten, den Seidenstiefeln der Kaiserin Sissi über Haute-Couture-Pumps bis zu den weißen Turnschuhen von Joschka Fischer.

Faszination Leder ist erotisch, exotisch und exquisit

Mit den drei Attributen erotisch, exotisch und exquisit fasst Rathke die Faszination am Leder und seinem Museum zusammen. Erotisch, weil der Träger unbewusst die Haut eines Tieres trägt; das Leder weich und warm ist und man gerne darüber streichelt. Es ist exotisch, weil es ein Luxusprodukt ist, dass in Europa kaum noch produziert wird. Und es ist exquisit, weil man in Schatullen und Etuis etwas Kostbares, wie Schmuck, aufbewahrt und ein „in Leder gebundenes“ Buch ist etwas ganz Besonders.

Umhängetasche als Selbstverteidigungswaffe

Etwas Besonderes ist auch der Dr.-Marschner-Saal. Er ist den „Offenbacher Lederwaren“ gewidmet – ein Begriff, der zwei Jahrhunderte lang für elegante und extravagante Taschen mit höchsten Qualitätsansprüchen stand. Goldpfeil und Seeger, Comtesse, Picard, Weipert und Duttiné, Kummerant oder Michaelis waren die Namen, die den Ruhm der Stadt und der Region geprägt haben. Im DLM sind aber auch innovative Produkte von jungen Designern zu sehen: Zum Beispiel eine Umhängetasche, die als Selbstverteidigungswaffe genutzt werden kann.

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