Bloß keine Langeweile:

Müssen Kinder ständig beschäftigt werden?

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Kinder sind immer in Bewegung und scheinen schier unerschöpfliche Energiereserven zu haben. Aber wohin mit all diesem Tatendrang?

Eltern sehen sich zunehmend in der Pflicht, ihren Nachwuchs permanent zu bespaßen und geraten dabei nicht selten an ihre Grenzen. Aber muss ein Kind tatsächlich immer beschäftigt werden? Ein kleines Plädoyer für die Langeweile im Kinderzimmer.

Kinder sind wahre Weltmeister darin, aus dem Nichts ein fantasievolles Spiel zu erschaffen. Schon Babys können einen verblüffend langen Zeitraum damit verbringen, ihre Fingerchen und Zehen zu erkunden. Eigentlich brauchen Kinder in jedem Alter sehr wenig, um sich zu beschäftigen.

Warum scheinen Eltern dann trotzdem das Gefühl zu haben, dass sie ihrem Nachwuchs ein Highlight nach dem anderen bieten müssen? Vor allem in der Elternzeit, in der der Alltag sich noch stark auf das Kind konzentriert, mutieren viele moderne Mamas und Papas zum Alleinunterhalter und zaubern eine kreative Beschäftigungsidee nach der anderen aus dem Hut. Das kann ganz schön anstrengend werden, und ist im Grunde auch gar nicht nötig. Kinder sind sich nämlich grundsätzlich selbst genug. Ihre kindliche Kreativität und ihre Begeisterungsfähigkeit sind für sie von weitaus größerem Wert als ausgeklügelte Spielsachen oder das Bespaßungsprogramm durch Mama und Papa. Eltern dürfen sich also ruhig ein wenig zurücklehnen und den Nachwuchs einfach mal machen lassen.

Langeweile als Chance zur Kreativität sehen

Und wenn doch einmal Langeweile aufkommt? Stundenlang spielende Kinder sind oft ein Wunschtraum, wie die meisten Eltern wissen. Das ist auch kein Wunder, denn die Fähigkeit kleiner Kinder, sich über einen gewissen Zeitraum auf ein Spiel zu konzentrieren, entwickelt sich erst nach und nach. Von Kindern unter drei Jahren sollten Eltern nicht mehr als zehn Minuten konzentrierten Spielens erwarten. Bis ins Grundschulalter können es schon 15 bis 20 Minuten sein. Pünktlich zum Schulanfang können sich die meisten Kinder dann bis zu einer halben Stunde, selten auch länger konzentrieren.

Das bedeutet aber nicht, dass danach gar nichts mehr geht. Ein neues Spielangebot kann das kindliche Interesse erneut entfachen. Das muss nicht immer ein von den Eltern gesteuerter Programmpunkt sein. Es kann auch reichen, einen neuen Spielaspekt anzuregen. Eines ist dabei aber sicher: Kinder spielen am liebsten in der Nähe ihrer Eltern, denn sie wissen schon als ganz kleine Babys, dass bei den Erwachsenen die aufregendsten Dinge passieren. Deshalb sollten Eltern ihre Kinder zwar in ihrem unmittelbaren Umfeld aber ruhig einmal allein spielen lassen.

Doch ganz gleich, wie gut sich das vorhandene Spielangebot und die kindliche Fantasie auch ergänzen, hin und wieder kommt unweigerlich Langeweile auf, und das kann für alle Beteiligten ganz schön anstrengend werden. Gelangweilte Kinder lassen sich nämlich gerne allerhand Blödsinn einfallen oder buhlen verzweifelt um die Aufmerksamkeit ihrer Eltern. Genau dieser Gefahr versuchen Eltern meist aus dem Weg zu gehen, wenn sie ihre Kinder dauerbeschäftigt halten. Dabei ist Langeweile für die kindliche Entwicklung etwas ungemein Wertvolles. Sie gibt nämlich Raum zur Entwicklung eigener kreativer Ideen. Deshalb sollten Eltern die unvermeidlichen Phasen der Langeweile als Chance für ihre Kinder sehen, über sich hinauszuwachsen und neue Ideen aus sich selbst zu schöpfen. Eine wertvolle Fähigkeit für das spätere Leben.

Diese Spielangebote fördern die kindliche Kreativität

Ganz ohne Spielzeug geht es nicht, und das muss auch nicht sein. Auf die richtige Auswahl kommt es allerdings an. Auch wenn die meisten Kinder mit verzückten Augen vor Spielzeugen mit Ton- und Lichteffekten und sonstigen technischen Highlights stehen, sind diese ausgeklügelten Artikel nicht unbedingt die besten Begleiter durch den kindlichen Alltag. Sie lassen nämlich oft nur wenig Raum zur freien Entfaltung und zur Entwicklung eigener Ideen.

Es gibt aber ein paar tolle und ganz einfache Spielhilfen, die das kindliche Spiel optimal anregen, und das meist ganz ohne dass Mama und Papa mitspielen müssen:

  • Puppen und Stofftiere - Kinder lieben Rollenspiele. Mit Puppen und Stofftieren können sie ihrer Fantasie dabei freien Lauf lassen. Ob Mutter-Vater-Kind, Besuch im Zoo oder Abenteuersafari, Puppen und Stofftiere machen viel Freude und bieten viel Raum für Kreativität
  • Stoffreste und Verkleidungsutensilien - Sich zu verkleiden ist für Kinder immer reizvoll. Sie schlüpfen in andere Rollen und können sich so richtig nach Herzenslust entfalten. Dabei muss es gar keine große Auswahl an schicken Karnevalskostümen sein. Oft reicht es schon aus, wenn die Kinder ausgiebig in ihrem eigenen Kleiderschrank wühlen und unzählige schicke Outfits ausprobieren können. Wenn Mama dann noch ein paar Stücke aus der eigenen Kleiderkiste beisteuert oder vielleicht sogar ein paar Raritäten von Oma oder ein paar bunte Tücher im Angebot hat, ist das Spiel schon geritzt.
  • Einfaches Kochgeschirr, Schüsseln oder Sandspielzeug - Mit Wasser matschen und dabei köstliche Speisen und magische Zaubertränke kreieren. Mit ein paar einfachen Kochutensilien, Schüsseln und Zubehör aus dem Sandkasten ist das kein Problem. Noch ein paar Grashalme und Blätter dazu und fertig ist die Hexensuppe.
  • Einfache Bauklötze in unterschiedlichen Größen und Farben - Bauklötze gehören zu den vielseitigsten Spielhilfen für Kinder. Sie können zu absolut allem werden und kleine Bauherren schulen nicht nur ihre Vorstellungskraft, sondern ganz nebenbei auch die Hand-Auge-Koordination und die Feinmotorik. Bauklötze sollten deshalb in keinem Kinderzimmer fehlen.
  • Papier, Stifte und einfache Bastelutensilien - Malen und basteln sind besonders kreative Tätigkeiten und Kindern bereits in die Wiege gelegt. Sie lieben Farben und Materialien, aus denen sie selbst etwas gestalten können. Dabei muss es gar keine komplizierte Bastelanleitung sein. Die schönsten Kunstwerke sind doch die, die der eigenen Fantasie entsprungen sind.
  • Naturmaterialien wie Holz, Blätter, Kastanien, Nüsse und Steine - Die perfekte Ergänzung für Bastelfreunde sind Naturmaterialien. Aus Holz, Blättern, Kastanien, Nüssen und Steinen lassen sich tolle Kunstwerke erschaffen. Damit auch Eltern mit den gesammelten Schätzen etwas anfangen können, gibt es wunderschöne Bücher mit Bastelanregungen speziell für Naturmaterialien. Am meisten Spaß macht es, wenn die kleinen Künstler auf einem ausgiebigen Spaziergang die Schätze selbst sammeln und nach Hause tragen können. Anschließend wird alles auf dem Tisch ausgekippt und schon kann es losgehen.
Mit diesen Utensilien lässt sich immer und überall ein spannendes Spiel entwickeln. Und bei schönem Wetter gilt sowieso: nichts wie raus in die Natur und am besten mit vielen anderen Kindern austoben.

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