Präsident des Deutschen Betriebssportverbandes zufrieden

Schwitzen mit Kollegen: Betriebssport wieder Trend

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Region Rhein-Main - Betriebssport soll Spaß machen und den Zusammenhalt unter Kollegen fördern. Uwe Tronnier, Präsident des Deutschen Betriebssportverbandes, über die Gründung eines Weltverbandes, aktuelle Trends und ob Unternehmen den Betriebssport noch ernst nehmen. Von Dirk Beutel 

Ein bekanntes Beispiel was aus dem Betriebssport erwachsen kann, ist Bayer Leverkusen. So eine Entwicklung wird es aber wohl nicht mehr geben, oder?

Das fürchte ich, ist heutzutage schwierig. Nehmen wir Schering in Berlin: Die hatten eine Philosophie. Dort hat die Firmenleitung gesagt, dass man nicht Alba Berlin, die Eisbären, oder die Hertha unterstützt, sondern man hat auf die eigenen Mitarbeiter gesetzt. Andere Firmen neigen dazu, sich auf dem Profimarkt umzusehen und auszuloten, welcher Club der Firma etwas bringt.

Vor kurzem wurde in Wiesbaden der Weltbetriebssportverband gegründet. Welchen Effekt versprechen Sie sich davon?

Also für den Betriebssport in Deutschland wird sich unmittelbar nichts verändern. Wir müssen den Weltbetriebssportverband mit Leben erfüllen. Das heißt, es muss erstmal eine Vollversammlung und ein Präsidium geben, die Aktivitäten verstärkt werden. Das einzige, was gleich bei der Gründung bekannt gegeben wurde, sind die Weltbetriebssportspiele 2016 in Athen. Dabei handelt es sich um eine Weiterführung der europäischen Betriebssportspiele, die bereits seit 40 Jahren quer durch Europa stattfinden.

Die Spiele sollen also ausgedehnt werden.

Immer in den Jahren zwischen den europäischen Spielen sollen künftig die Weltbetriebssportspiele stattfinden. Die Idee ist dadurch entstanden, dass es gute Kontakte zu verschiedenen Ländern außerhalb Europas gibt, wie etwa Indien, Brasilien oder Isreal.

Geht es dann auch um Punkte, Erfolge, Trophäen oder zählt der Gedanke: Dabei sein ist alles?

Jeder will gewinnen, das ist ganz normal. Die Betriebssportspiele sind ganz normale Wettbewerbe, allerdings auf etwas gemindertem Leistungsniveau. Aber hier kommt es darauf an, dass eine Firma, wie etwa die Allianz bei den letzten europäischen Spiel in Prag mit 300 Mitarbeitern antritt. Das ist dann natürlich mehr als nur ein sportlicher Höhepunkt, sondern auch ein Höhepunkt in der Firma.

Was bringt aber der gemeinsame Sport in einer Zeit, die immer hektischer wird, in der jeder öfter und länger für die Arbeit erreichbar sein muss und in der die Arbeitszeiten immer flexibler werden?

Es ist viel schwieriger geworden, insbesondere für Mannschaftssportarten. Früher war es relativ einfach, sich einmal in der Woche um 18 Uhr zu treffen und ein Spiel zu machen. Das ist heute aufgrund verlängerter und flexiblerer Arbeitsszeiten nur noch unter erschwerten Bedingungen möglich. Dennoch, der Betriebssport geht ja dahin, dass auch in den Firmen – wenn ich jetzt mal den sportlichen Aspekt beiseite lasse – eine Zusammenarbeit gegeben ist. Völlig unabhängig davon, ob nun der Chef mitläuft oder jemand aus einer anderen Abteilung – beim Fußball oder jeder anderen Sportart ist das dann egal. Das ist ja die eigentliche Grundidee des Betriebssportes.

Betriebssport als Bestandteil betrieblicher Sozialpolitik – wie ist ihr Eindruck: Welchen Stellenwert messen die Unternehmen heute dem Firmensport zu?

Wir hatten vor 20 Jahren mal eine Delle in der Entwicklung drin, wo man sich schon fragen konnte, ob das Ganze von den Firmen nicht mehr so ernst genommen wird. Aber der Betriebssport gewinnt wieder zunehmend an Bedeutung. Was im Moment groß geschrieben wird, ist betriebliche Gesundheitsfürsorge. Also: Gesundheitssport, Angebote für Rückenschule und vieles mehr. Nicht nur vom Verband, sondern auch von den Firmen angeboten, weil sie erkannt haben und wissen, dass sie etwas tun müssen.

Gibt es Betriebe, die den Betriebssport für sich neu entdeckt haben oder sinkt sogar die Zahl der Unternehmen die dieses Angebot anbieten?

Bis vor zwei Jahren war die Zahl abnehmend. Mittlerweile geht der Trend wieder nach oben, so dass ich sagen kann, dass die Zahl der Unternehmen relativ konstant ist. Bei uns im Deutschen Betriebssportverband sind etwa 4700 verschiedene Unternehmen organisiert. Darüber hinaus gibt es aber unzählige Betriebssportler, die nebenher Sport in der Firma ausüben. Die Dunkelziffer von Betriebssportlern ist also weitaus höher, als die die bei uns angemeldet sind. Zum Hintergrund: Eine Anmeldung ist nur dann nötig, wenn man auch an Wettbewerben teilnehmen möchte.

Welche Mitarbeiter sind es denn, die auch mit ihren Kollegen die Sportschuhe schnüren?

Es ist kein Geheimnis, dass es uns so geht, wie manchem Sportverein. Die Zahlen der älteren Mitglieder ab 50 Jahren nehmen zu, Defizite haben wir dagegen in der Altersgruppe 25 bis 40, was sich fast genau mit dem Vereinssport deckt. Ist auch nachzuvollziehen: Ausbildung beendet, Beruf beginnt, Familie wird gegründet aber wenn sich das eingependelt hat, kommen sie wieder zum Sport zurück.

Welche Sportarten erleben zurzeit den meisten Zulauf?

Auf alle Fälle Golf. Wir haben bei null angefangen und liegen mittlerweile bei etwa 10.000 Mitgliedern bundesweit. Aber auch Trendsportarten gehören dazu. Beachvolleyball kennt jeder, aber es gibt auch Beachhandball, Beachtennis oder Beachfußball. Oder eine ganz verrückte Geschichte kommt aus dem Saarland: Das sogenannte Bettenrennen. Im Bett sitzt einer drin und dann wird damit quer über einen Parkour gespurtet. Das ist dort längst ein echtes Volksfest geworden.

Die meisten Unternehmen sind wegen des Kostendrucks gezwungen beim Personal zu sparen, entsprechend dünn sind manche Ressorts besetzt. Wie lässt sich das mit Betriebssport und der damit verbundenen Verletzungsgefahr verbinden?

Naja, die Verletzungsgefahr bezieht sich vor allem auf die klassischen Sportarten Fußball und Handball. Ich weiß, dass viele Firmenchefs das gar nicht gerne sehen. Auf der anderen Seite, wenn sich eine Fußballmannschaft gebildet hat, dann wird das gefördert. Bis jetzt habe ich aber noch nichts davon gehört, dass jemandem verboten wurde, eine Sportart auszuüben. Aber die Begeisterung bei den Chefs wird sich in Grenzen halten. Auf der anderen Seite sind ja nicht die Firmen unsere Mitglieder, sondern die Vereine, die bei den Firmen gegründet werden. Und der große Teil davon sind eigenständige Betriebssportgemeinschaften. Da kann der Chef also nicht sagen, dass nicht mehr gespielt wird. Da muss er schon gute Argumente bringen.

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