Beim Ratenkauf schnappt oft die Schuldenfalle zu

Von Christian Reinartzbr /Offenbach - Jeder fünfte erwachsene Offenbacher sitzt in der Schuldenfalle - 20.000 an der Zahl. Die Stadt am Main trägt deshalb einen traurigen Titel: Hauptstadt der Schuldner!br /Nirgendwo sonst in Deutschland sind mehr Menschen verschuldet.

Das geht aus dem aktuellen Schuldneratlas hervor, den die Neusser Auskunftei Creditreform jüngst vorgestellt hat. Dabei geht es nicht mal eben um 100 Euro, sondern um Beträge, die in einigen Fällen an die 100.000 Euro heranreichen. "Schuld sind meist Ratenkäufe", warnt Barbara-Anne Podborny vor der Schuldenfalle Nummer Eins. Sie ist stellvertretende Geschäftsführerin des Diakonischen Werks samt Schuldnerberatung in Offenbach. Ihre Mitarbeiter werden täglich mit den unmöglichsten Schulden-Fällen konfrontiert. Ein Extremfall habe sogar knapp eine Million Euro angehäuft, bevor er in die Diakonie kam.br /Da kauften sich junge Familien ein neues Auto, dazu noch eine neue Espressomaschinen und einen Flachbild-Fernseher auf Raten, berichtet sie aus ihrem Alltag: "Nach Monaten merken sie dann, dass das Einkommen nicht ausreicht und machen Schulden."br /Schuldnerberater Michael Franke arbeitet an vorderster Front. Neben den Ratenkäufen sieht er eine plötzliche Veränderung der Lebensumstände durch Tod, Scheidung, Schwangerschaft oder Arbeitsplatzverlust als Auslöser. "Aber auch hier ziehen die Ratenkäufe die Leute dann noch weiter runter."br /Ruckzuck habe sich mit Mahngebühren ein riesiger Schuldenberg angehäuft, der immer schneller wachse, warnt er. Dem, der gar nicht erst hineintappen will, rät Barbara-Anne Podborny: "Ein genaues Haushaltsbuch führen. Dann kann so etwas nicht passieren."br /Vielen Offenbachern wird aber auch ihre Blauäugigkeit zum Verhängnis. "Manchmal eröffnen Leute einen Döner-Laden, ohne auch nur zu ahnen, welcher Rattenschwanz an Auflagen da dranhängt", erklärt Podborny.br /Erst wenn gar nichts mehr geht, der Strom abgestellt, die Wohnung gekündigt und der Gerichtsvollzieher vor der Türe steht, klickt es bei den Schuldnern. Dann suchen sie in größter Not Hilfe bei Podborny und ihren Kollegen. "Manchmal kommen Menschen mit einem ganzen Wäschekorb ungeöffneter Rechnungen und einem Inkassobüro im Nacken", erzählt sie aus dem Arbeitsalltag. Der sei nicht so wie bei TV-Schuldenberater Peter Zwegat: " Wir machen nicht die Arbeit für die Schuldner." Der Wäschekorb voll Post muss zu Hause abgearbeitet werden - vom Schuldner selbst. "Wir erklären aber wie´s geht und stehen mit Rat und Tat zur Seite.", sagt Podborny. Hilfe zur Selbsthilfe nennt sie das.br /Ist alles in Aktenordnern sortiert, wird je nach Schuldenhöhe ein Vergleich mit Gläubigern ausgehandelt oder die Privatinsolvenz beantragt. So weit muss es nicht immer kommen. "Unsere Leute können sehr überzeugend verhandeln", versichert sie.br /Ihr Appell an alle Schuldner: "Wer Probleme hat, soll sich an uns wenden. Nicht erst, wenn gar nichts mehr ge

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