Blinde Raserei

Illegale Autorennen: Diese Strafen drohen und so reagieren Sie richtig

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2017 hat die Bundesregierung die Strafen für illegale Autorennen drastisch erhöht. (Symbolbild)

Immer wieder sterben bei illegalen Rennen Fahrer und Unbeteiligte. Seit 2017 gelten solche Rennen als Straftat. Welche Strafen drohen und wann spricht man von illegalen Rennen?

In Berlin müssen sich zwei junge Männer wegen eines illegalen Autorennens vor Gericht verantworten. Sie wurden im Jahr 2017 wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt – ein Novum. Allerdings wurde das Urteil im März 2018 aufgehoben und der Prozess muss neu verhandelt werden.

Aber was bedeutet "illegales Autorennen" eigentlich und welche Strafen sehen die Gesetze bislang vor?

Das bedeutet "illegales Autorennen"

Was macht ein illegales Autorennen eigentlich aus? Diese Frage stellen sich wahrscheinlich viele. In der Regel spricht man von illegalen Autorennen, wenn ohne Erlaubnis gegeneinander auf einer längeren, öffentlichen Strecke gefahren wird. Aber auch Beschleunigungsrennen von Ampel zu Ampel sowie Rennen alleine gegen die Uhr zählen dazu.

Letzteres Vergehen definiert sich aus dem Strafgesetzbuch. Dort heißt es in Paragraf 315d Absatz 1 Punkt 3: "[...] sich als Kraftfahrzeugführer mit nicht angepasster Geschwindigkeit und grob verkehrswidrig und rücksichtslos fortbewegt, um eine höchstmögliche Geschwindigkeit zu erreichen."

Aber auch wenn nicht die absolute Höchstgeschwindigkeit erzielt wird, handelt es sich um ein Rennen. Der Richter des Kammergerichts Berlin entschieden 2017 (KG Berlin, Beschluss vom 7.6.2017, Az.: 3 Ws (B) 117-118/17-122 SS 64/17), dass es ausreiche, dass Fahrer das Beschleunigungspotenzial, also die Leistungskraft ihrer Fahrzeuge, direkt vergleichen. Die Länge der Strecke spiele dabei keine Rolle.

Verdacht auf illegales Autorennen: Audi-Fahrer rast mit Tempo 160 durch die Bielefelder Innenstadt.

Diese Strafen drohen für illegale Autorennen

Wer an einem illegalen Autorennen teilnimmt oder eines veranstaltet, muss mit harten Strafen rechnen. Denn seit 2017 gilt dies nicht mehr als Ordnungswidrigkeit, sondern als Straftat. Entsprechend fällt die Bestrafung aus.

Bis zu zwei Jahre Gefängnis oder eine Geldstrafe droht jedem, der ein illegales Autorennen ausrichtet, durchführt, daran teilnimmt oder mit nicht angepasster Geschwindigkeit grob verkehrswidrig und rücksichtslos fährt, um eine möglichst hohe Geschwindigkeit zu erreichen.

Zudem wird in der Regel die Fahrerlaubnis entzogen und es besteht die Möglichkeit, dass das Tatfahrzeug beschlagnahmt wird.

Lebenslanger Führerscheinentzug? Motorrad-Raser mit 168 km/h erwischt - statt erlaubten 80.

Die Freiheitsstrafe erhöht sich auf bis zu drei Jahre, wenn andere Menschen oder Gegenstände von bedeutendem Wert fahrlässig gefährdet werden. Wer dabei vorsätzlich handelt, muss mit einer Gefängnisstrafe von bis zu fünf Jahren rechnen.

Werden dabei Menschen getötet oder schwer verletzt, beträgt die Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahre.

Video: Illegale Straßenrennen

So erkennen Sie ein illegales Autorennen

In einer Kampagne gegen illegale Autorennen erklärt das Ministerium für Verkehr in Baden-Württemberg, wie Sie solche Rennen erkennen können und wie Sie richtig reagieren.

Demnach lässt sich die Entstehung eines illegalen Autorennens wie folgt erkennen:

  • Meist mehr als zwei Fahrzeuge, ein sogenannter "Fahrzeugpulk"
  • Fahrzeuge verteilen sich auf alle verfügbaren Fahrstreifen / auch Pannenstreifen
  • Vor Geschwindigkeitsverringerung wird meist noch mittels Warnblinkanlage "gewarnt"
  • Grundlose Bremsungen / Bremsleuchten (länger als eine Sekunde) des vorausfahrenden Verkehrs sind an allen Fahrzeugen erkennbar
  • Geschwindigkeit wird merkbar verlangsamt; teilweise bis Stillstand
  • Vor den Fahrzeugen, die den rückwärtigen Verkehr "ausbremsen", sind zwei bis drei Fahrzeuge erkennbar, die sich positionieren
  • Ist nach vorn hin freie Bahn geschaffen, erfolgt das Hochgeschwindigkeitsrennen
  • Die zuvor Ausbremsenden beschleunigen ebenfalls bis zur Höchstgeschwindigkeit

Auch interessant: Oma rast mit 155 Sachen durch 80er-Zone - ihre Begründung pikiert.

Ein laufendes illegales Autorennen erkennen Sie an diesen Punkten:

  • Mehrere Fahrzeuge nähern sich mit "Höchstgeschwindigkeit"
  • "Fernlicht" wird als "Räumer" eingesetzt (Lichthupe)
  • Mit "Lückenspringen" / Rechtsüberholen / dichtem Auffahren der Rennteilnehmer ist zu rechnen
  • Mit unvorhergesehenen Bremsmanövern / Ausweichmanövern beim vorausfahrenden Verkehr ist zu rechnen

So reagieren Sie bei illegalen Autorennen richtig

Wer Zeuge eines illegalen Rennes wird, sollte sofort die Polizei alarmieren. Außerdem sollten Sie ausreichend Abstand zu allen Beteiligten halten und jederzeit bremsbereit sein. Wenn Sie die Spur wechseln, seien Sie extrem vorsichtig. Es könnte sein, dass nachfolgende Rennteilnehmer kommen.

Notieren Sie sich Datum und Uhrzeit des Rennens. Wenn möglich schreiben Sie sich auch die Kennzeichen, Fahrzeugtyp und Farbe auf. Wenn Sie die Insassen der Fahrzeuge beschreiben können, können Sie der Polizei bei der Suche nach den Tätern helfen. Teilen Sie den Beamten auch mit, ob Sie behindert oder gefährdet wurden. Dies ist wichtig für einen möglichen Gerichtsprozess.

Dramatisch: Vor den Augen zweier Polizisten lieferten sich ein Mercedes C250 und ein 5er BMW in der Innenstadt von Bremen offenbar ein illegales Autorennen, das im Gleisbett endete, wie nordbuzz.de* berichtet.

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Taube verhindert Bußgeld: Die Kreispolizeibehörde Viersen kann einem Autofahrer wegen einer Taube die Geschwindigkeitsübertretung nicht nachweisen. Weder Fahrer noch Taube müssen das Bußgeld in Höhe von 105 Euro bezahlen.
Taube verhindert Bußgeld: Die Kreispolizeibehörde Viersen kann einem Autofahrer wegen einer Taube die Geschwindigkeitsübertretung nicht nachweisen. Weder Fahrer noch Taube müssen das Bußgeld in Höhe von 105 Euro bezahlen. © Kreispolizeibehörde Viersen
Die Raser-Taube hat in der Stadt Bocholt die Radarfalle ausgelöst. Die 25 Euro Verwarnungsgeld wird sie für die Geschwindigkeitsüberschreitung von 15 km/h jedoch nicht bezahlen können.
Die "Raser-Taube" hat in der Stadt Bocholt die Radarfalle ausgelöst. Die 25 Euro Verwarnungsgeld wird sie für die Geschwindigkeitsüberschreitung von 15 km/h jedoch nicht bezahlen können. © Stadt Bocholt
Hat die Polizei Essen hier einen "Geister-Lkw" erwischt? Leider nicht. Es war nur ein Fahrer, der sich vor dem Blitzer versteckt hat. Ohne Erfolg. Ein Bußgeld musste er trotzdem zahlen.
Hat die Polizei Essen hier einen "Geister-Lkw" erwischt? Leider nicht. Es war nur ein Fahrer, der sich vor dem Blitzer versteckt hat. Ohne Erfolg. Ein Bußgeld musste er trotzdem zahlen. © Polizei Essen
Morgens keine Lust die Scheiben freizukratzen? Keine gute Idee. Und dann auch noch zu schnell in einer 30er Zone. Wer so viel falsch macht, muss sich nicht wundern, bestraft zu werden.
Morgens keine Lust die Scheiben freizukratzen? Keine gute Idee. Und dann auch noch zu schnell in einer 30er Zone. Wer so viel falsch macht, muss sich nicht wundern, bestraft zu werden. © Polizei Dortmund
Gleiche Stelle, gleicher Blitzer, gleiches Vergehen. Auch dieser Fahrer war zu faul, um für genug Durchblick zu sorgen.
Gleiche Stelle, gleicher Blitzer, gleiches Vergehen. Auch dieser Fahrer war zu faul, um für genug Durchblick zu sorgen. © Polizei Dortmund
Absichtlich ist dieser Twingofahrer mit Stinkefinger in die Radarfalle gerast. Trotz abgeklebten Nummernschild und heruntergeklappter Sonnenblende kam die Dortmunder Polizei dem frechen Temposünder auf die Spur.
Absichtlich ist dieser Twingofahrer mit Stinkefinger in die Radarfalle gerast. Trotz abgeklebten Nummernschild und heruntergeklappter Sonnenblende kam die Dortmunder Polizei dem frechen Temposünder auf die Spur. © Polizei Dortmund
Kurioses Blitzer-Bild: Pferd von Radarfalle geblitzt.
Nach Toleranzabzug ist das Pferd mit einer Geschwindigkeit von 59 Stundenkilometern in die Messanlage galoppiert. Erlaubt sind an der Bundesstraße 455 in Eppstein allerdings nur 50 Stundenkilometer. Doch zu schnell war das Tier keinesfalls unterwegs. Ein vorbeifahrendes Auto hatte den Blitzer ausgelöst. © Stadt Eppstein
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Der Polizei entgeht nichts: Auch zu schnelle Vögel werden kontrolliert. © Polizei
Teenies auf Spritztour: Mit Muttis Auto geblitzt. Mit Sturmhauben, geklauten Nummernschildern und Muttis Auto waren drei Jugendliche bei Aachen unterwegs und haben sich einen Riesen-Ärger mit der Polizei eingehandelt.
Teenies auf Spritztour: Mit Muttis Auto geblitzt. Mit Sturmhauben, geklauten Nummernschildern und Muttis Auto waren drei Jugendliche bei Aachen unterwegs und haben sich einen Riesen-Ärger mit der Polizei eingehandelt. © Polizei Aachen
Das Radarfoto, herausgegeben vom Landkreis Emsland, zeigt ein weißes Pferd auf dem Schullendamm in Meppen.
Das Radarfoto, herausgegeben vom Landkreis Emsland, zeigt ein weißes Pferd auf dem Schullendamm in Meppen. © dpa
Zu schnell zum Einsatz: Ein Feuerwehrfahrzeug in Bad Mergentheim an der Blitzampel Schlossgartenstraße.
Zu schnell zum Einsatz: Ein Feuerwehrfahrzeug in Bad Mergentheim an der Blitzampel Schlossgartenstraße. © 
Hundemann oder Alien? © mm
Mit Absicht: Kaum zufällig dürfte dieses Bild entstanden sein. Der Fahrer kam wohl ungeschoren davon. Motorräder haben halt vorne kein Nummernschild.
Mit Absicht: Kaum zufällig dürfte dieses Bild entstanden sein. Der Fahrer kam wohl ungeschoren davon. Motorräder haben halt vorne kein Nummernschild. © Polizei
Erhobener Mittelfinger: Die Insassen zeigen kaum verholen ihren Ärger.
Erhobener Mittelfinger: Die Insassen zeigen kaum verholen ihren Ärger. © mm
Auch Fluggeräte im Visier: Ein Rettungshubschrauber ist womöglich zu schnell gelandet.
Auch Fluggeräte im Visier: Ein Rettungshubschrauber ist womöglich zu schnell gelandet. © mm
Schneller als die Polizei erlaubt: Zwei Fahrradfahrer beim Rasen.
Schneller als die Polizei erlaubt: Zwei Fahrradfahrer beim Rasen. © mm
Prozession der Biker
Prozession der Biker: Das "Führungsfahrzeug" kam wohl um ein Bußgeld nicht herum. © mm
Bäh, Bäh, mich schnappt ihr nicht! Beim Radarfoto streckt ein Rollerfahrer seine Zunge raus (2014)
Bäh, Bäh, mich schnappt ihr nicht! Beim Radarfoto streckt ein Rollerfahrer seine Zunge raus. © Polizei
Raser auf Schienen.
Raser auf Schienen. © mm
Rückenansicht: Ein Trio bekundet wortlos seine Meinung über Geschwindigkeitskontrollen.
Rückenansicht: Ein Trio bekundet wortlos seine Meinung über Geschwindigkeitskontrollen. © mm
Schlechte Aussicht: Wäre der Teppich geschickter aufgeladen worden, hätte der Fahrer die Blitz-Gefahr wohl erkannt. © mm
Ist der Weihnachtsmann am 28. Dezember wirklich noch im Stress? Und woher hat er den diesen neuen Schlitten? Fragen über Fragen - doch auf alle Fälle war hier ein hier ein Strafzettel für zu schnelles Fahren fällig.  © Auto-Medienportal.Net/Volkswagen
Auch der Weihnachtsmann ist mit seiner Kutsche schon in einen Blitzer gerauscht (Archivfoto 2006). Allerdings hatte sich das Pferdegespann vorbildlich an das vorgeschriebene Tempolimit gehalten. Ein anderes Fahrzeug auf der Überholspur hatte die Radarfalle ausgelöst. Auf dem Foto ist der Raser vom Gespann jedoch vollkommen verdeckt.    © dpa
Mit Sturmhauben, geklauten Nummernschildern und Muttis Auto waren drei Jugendliche bei Aachen unterwegs und haben sich einen Riesen-Ärger mit der Polizei eingehandelt. © Polizei

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