Rennwagen für die Straße

Porsche 911 GT3: Fahrspaß ohne Filter

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Autor Uli Heichele testete den GT3 auf Feuer und Schärfe.

A bissl was geht immer. Und manchmal geht sogar viel … Porsches Flaggschiff, der 911, ist ja eh schon ein sehr sportliches Auto – aber man kann’s noch schärfer machen. Der Beweis dafür heißt 911 GT3.

Porsche stellte das neue Modell in dieser Woche auf der schwäbischen Alb vor.

Dass das kein normaler Elfer ist, zeigt sich auf den ersten Blick. Feststehender Heckflügel, zusätzlicher Luftauslass vorn am Kofferraum, das ganze Auto noch tiefer geduckt: Da ist alles auf den Sport hin entwickelt. Es stimmt zwar schon: Hier steht ein Wagen mit Straßenzulassung. Aber es stimmt genauso: Hier steht ein Gerät für die Rennstrecke. Andreas Preuninger, Leiter GT-Fahrzeuge bei Porsche, sagt: „Tatsächlich setzen acht von zehn GT3-Käufern dieses Auto auch auf der Rundstrecke ein.“

Porsche 911 GT3

Motor: Sechszylinder-Boxer, Saugmotor
Hubraum: 3,8 l
Leistung: 475 PS
Drehmoment: 440 Nm
Höchstgeschw.: 315 km/h
0 auf 100 km/h: 3,5 sek.
Leergewicht: 1430 Kilogramm
Verbrauch: 12,8 l/100 km Super Plus (Werksangabe)

Preis: ab 137.303 Euro

Egal, wo man ihn bewegt: Die Sportler-Gene, die in dem Wagen stecken, spürt man schon nach den ersten paar Metern im GT3. Es ist nicht die schiere Kraft, die uns bei den Testfahrten als erstes auffällt, sondern die Präzision. Jede noch so kleine Lenkbewegung, jedes Antippen von Gas oder Bremse, setzt dieser neue Elfer unverzögert, exakt und direkt um. Ein Auto wie ein Skalpell.
Die Ingenieure haben dafür umfassend Hand angelegt. Der Motor hat mit dem normalen 911 eigentlich nur die Zylinderzahl (sechs, Porsche-typisch) und das Gehäuse gemeinsam, ist ansonsten praktisch eine Neuentwicklung. Ziel: hohe Drehzahl. Erst bei 9000 Touren ist Schluss. Wer zurückhaltend fährt, lässt diesen Motor brabbeln. Und wer Gas gibt, der hört ihn richtig schreien.

Das Fahrwerk

Porsche 911 GT3

Ebenfalls grundlegend überarbeitet (oder eigentlich neu entwickelt): das Fahrwerk. Für die Rennstrecke gibt’s eine Reihe von Einstellmöglichkeiten. Und auf der normalen Straße? Da sind wir überrascht, wie viel die Hinterachslenkung bringt. Um bis zu 1,5 Grad schlägt dieses Auto die hinteren Räder ein. Bei niedrigen Geschwindigkeiten gegensinnig zu den vorderen – das macht den GT3 wendiger. Bei mehr als 80 km/h ist der Einschlag gleichsinnig, was mehr Stabilität beim Spurwechsel und beim Überholen bringt.

Vor allem das Automatikgetriebe überraschte.

Und noch mehr Technik: Zum ersten Mal baut Porsche in einen GT3 eine Automatikschaltung ein. Es ist ein extrem sportlich abgestimmtes Doppelkupplungs-Getriebe, mit dem man praktisch ohne Unterbrechung hochschalten kann. Beschleunigen wie vom Gummiband gezogen … Klingt nach viel Elektronik, ist viel Elektronik. Gleichzeitig fügt es sich aber in das puristische Konzept, das dem GT3 zugrunde liegt. Eingebaut wird nur, was schnell macht. Und keine Handschaltung kann schneller sein als diese Automatik.

Zu dieser Grundidee, zum Sport-Anspruch, passt auch alles andere – beispielsweise der klare Innenraum ohne jeden Schnickschnack, die leichte Karosserie mit viel Alu und die Keramikbremse, die ebenfalls Gewicht spart. Das ergibt in Summe ein völlig klares und völlig unmittelbares Fahrverhalten. Immer mit Vorfreude auf die nächste Kurve, immer mit Reserven und immer überraschend gutmütig – in der Stadt, auf der Landstraße, auf der Autobahn. Nein: Das, was man hier für viel Geld kaufen kann (ab 137 303 Euro), ist nicht der pure Luxus. Es ist der ungefilterte Fahrspaß.

Uli Heichele

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