Unvergleichlich

Nissan GT-R: Brachiale Renngewalt

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Grrrr! Schön ist er nicht, aber schnell. Der Nissan GT-R schafft es in 2,8 Sekunden von null auf 100 km/h. Da müssen sich selbst Ferraris warm anziehen

Eine Schönheit ist er nicht gerade. Sein Charakter ist eigenwillig und das Innenleben typisch langweilig für einen fernöstlichen Hersteller.

Vom roten Startknopf einmal abgesehen, der so aussieht, als ob man sich in Gefahrensituationen samt Sitz hinaus sprengen könnte. Und praktisch ist er auch nur da, wo man es nicht braucht. Wer bitte muss vier Kästen Bier (so groß ist der Kofferraum nämlich) in so einem Auto unterbringen? Und die zwei Notsitze hinten? Geeignet für Pygmäen!

Mit anderen Worten: Dieses Fahrzeug ist unvergleichlich! Und unvergleichlich brachial! Der Nissan GT mit dem R in der Typenbezeichnung ist kein Auto mehr, es ist ein Pfeil, der wie von einer Armbrust geschleudert in 2,8 Sekunden Tempo 100 erreicht.

So jetzt ist es raus! GT-R ist Power pur, japanische Kult-Fahrmaschine, die wie das schwarze Schaf pünktlich zu jeder Familienfeier erscheint und sie durch bloße Anwesenheit brüskiert. Denn der GT-R hat sich ganz unstandesgemäß in die Liga der Ferraris und Lamborghinis dieser Welt eingeschlichen und sich jetzt schon in der dritten Generation behauptet.

Das Cockpit des Supersportlers Schnickschnack gibt’s hier nicht.

Unstandesgemäß, weil er edles Flair und Luxus verweigert und seine Leistung von 550 PS (632 Nm Drehmoment) zu einem Preis anbietet, wie es die Is aus Italien und GTS der Welt nicht einmal ansatzweise zur Verfügung stellen würden. 92.000 Euro sind mit Sicherheit viel Geld, aber hier zahlt man pro Pferdestärke umgerechnet 167 Euro, während bei einem vergleichbar mit Power ausgestatteten Ferrari 458 Italia (570 PS) 345 Euro fällig werden. Nicht, dass wir uns das leisten könnten oder würden, trotzdem ist der Vergleich zumindest überdenkenswert.

Nissan GT-R: Brachiale Renngewalt

Was den unscheinbaren GT-R im Vergleich zur edlen Verwandtschaft ebenfalls auszeichnet: Man ist fast inkognito unterwegs und deshalb den Anfeindungen der Neidgesellschaft nicht ausgesetzt. Und die Heckpartie mit den zwei riesigen und pubertär wirkenden Auspuffkanonen lässt bei der Umwelt schon fast Mitleid aufkommen, wenn der Fahrer weit über das Alter hinaus ist, in dem man noch Schweller, Spoiler und dickere Auspuffrohre zur Hebung des Selbstbewusstseins eingesetzt hat.

Lässt man jetzt all das beiseite (und auch den wenig zeitgemäßen Spritverbrauch von rund 15 Litern Super-Benzin), dann bleibt beim GT-R einfach nur die pure Freude am Fahren. Vor allem, wenn man die drei Kippschalter im Plastik-Cockpit auf R regelt. Die brettharte Fahrwerksfederung, das giftige Ansprechverhalten des Motors und die in enge Schranken gewiesene Stabilitätskontrolle lassen Gefühle aufkommen, wie sie weiland Schumi und Vettel beim ersten WM-Titel gehabt haben dürften. Und seien wir mal ehrlich: So ein wenig Rennfahrer wollen wir doch alle mal sein?!

RDF

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