Skandal weitet sich aus

ADAC manipulierte auch bei Pannenhilfe 

Sieht so eine erfolgreiche Pannenbehebung auf der Straße aus? Der ADAC zumindest sieht das in vielen Fällen so, schildert ein Insider.

Uelzen - Der ADAC hat offenbar nicht nur bei der Wahl des Lieblingsautos der Deutschen, sondern auch bei der Pannenhilfe-Bilanz die Zahlen manipuliert.

Nach Recherchen unseres Partnerportals AZ-online.de wurden keineswegs wie behauptet 85 Prozent der Autos wieder fahrbereit gemacht. Vielmehr hat der ADAC offenbar auch Fälle zur Erfolgsquote hinzugezählt, bei der das betroffene Fahrzeug nicht wieder in Gang gebracht werden konnte, sondern in eine Werkstatt geschleppt werden musste.

„Rekordjahr für die Gelben Engel: 85 Prozent der rund 4,2 Millionen Pannen wurden direkt auf der Straße behoben“ – so wirbt der ADAC auf seiner Homepage. „Ganz klar: Das rechnen die sich schön“, sagt ein Pannenhelfer gegenüber der AZ. Seinen Namen will er nicht in der Zeitung lesen, schließlich hat der Automobilclub seinen Mitarbeitern einen Maulkorb verpasst.

Wenn ein Autofahrer die Hilfe des ADAC anfordert, komme entweder ein „Straßenwachtfahrer“, der direkt beim Club angestellt ist, oder ein sogenannter „Straßendienstpartner“ einer unabhängigen Werkstatt, der nur im Auftrag des ADAC fährt. Und da fangen die Unterschiede an, sagt ein „Straßendienstpartner“, der selbst je nach Bedarf vom ADAC angefordert wird: „Wenn ich eine Panne nicht beheben kann und den liegengebliebenen Wagen abschleppen muss, fällt mein Fall unter die 15 Prozent der nicht behobenen Pannen“. Wenn dagegen ein ADAC-Straßenwachtfahrer den „Liegenbleiber“ ans Abschleppseil nehme und in die Werkstatt ziehe, „dann gilt die Panne als auf der Straße behoben“. Tatsächlich, so schätzt der Insider, „beläuft sich die Erfolgsquote des ADAC bei der Pannenbehebung auf allerhöchstens 75 Prozent“.

Vom ADAC war am Montag mit Hinweis auf zahlreiche Medienanfragen keine endgültige Stellungnahme zu bekommen. „Eine Panne ist erfolgreich behoben, wenn das Auto soweit wieder instand gesetzt werden kann, dass der Fahrer mit ihm zumindest bis zur nächsten Werkstatt fahren kann“, hieß es zunächst. Ob auch ein Abschleppen als erfolgreicher Panneneinsatz gewertet wird, müsse man erst in den Fachabteilungen hinterfragen. „Wir sind aber auch in dieser Sache transparent“,versicherte der Sprecher.

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