ADAC gegen Pflicht zu Sicherheitswesten

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In der Dunkelheit werden Fußgänger und Radfahrer leicht übersehen.

München - Immer wieder kommen Fußgänger und Radfahrer ums Leben, weil sie in der Dunkelheit nicht von Autofahrern gesehen werden. Warum der ADAC dennoch eine Pflicht zu Sicherheitskleidung ablehnt:

Der ADAC ist trotz zahlreicher Unfälle in der Dunkelheit gegen eine Pflicht zu Sicherheitskleidung für Fußgänger und Fahrradfahrer im Straßenverkehr. „Wir können nicht verlangen, dass alle Fußgänger sich kleiden wie ein beleuchteter Christbaum“, sagte ADAC-Verkehrssicherheitsexperte Christoph Hecht am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa in München. Seit Anfang Dezember wurden allein in Bayern mindestens fünf Fußgänger von Autos erfasst und getötet. Die meisten Unfälle geschahen in der Dunkelheit, weil die Autofahrer die Fußgänger nicht gesehen hatten.

Zur Sicherheit: Richtig Sitzen im Auto

Für die Sicherheit: Richtig Sitzen im Auto

Hecht warnte aber davor, die Verantwortung für tödliche Verkehrsunfälle mit Fußgängern auf die schwächsten Verkehrsteilnehmer abzuschieben. Auch die Autofahrer seien gefordert, in der Dunkelheit besonders aufmerksam zu fahren und die Geschwindigkeit anzupassen. Um besser gesehen zu werden, könnten sich Fußgänger und Radfahrer in der dunklen Jahreszeit aber durch Reflektoren schützen. Eltern sollten kleinen Kindern im Straßenverkehr nach Möglichkeit reflektierende Westen über der Kleidung anziehen. „Je besser die Fußgänger gesehen werden, desto größer ist die Sicherheit“, sagte Hecht. An die Erstklässler hatte der ADAC die Westen in diesem Jahr bereits verteilt.

Stark gefährdet sind aber auch Senioren. Fast die Hälfte der tödlich verunglückten Fußgänger im vergangenen Jahr war älter als 65 Jahre. Schon ein Sturz durch einen Unfall könne bei älteren Menschen verheerende Folgen haben, sagte Hecht. „Aber man kann auch nicht verlangen, dass ältere Fußgänger nur noch mit Fahrradhelm auf die Straße gehen.“

Hoffnungen setzt der ADAC in eine Verbesserung der Sicherheitstechnik in den Autos. Vor allem Außenairbags auf der Motorhaube könnten nach Ansicht von Hecht in Zukunft dazu beitragen, die Folgen eines Aufpralls zu verringern. Aber auch Nachtsichtgeräte in den Autos und automatische Notbremssysteme können Autofahrern helfen, einen Zusammenstoß mit einem Fußgänger oder Fahrradfahrer zu verhindern. „Wir haben ein großes Potenzial in solchen Assistenzsystemen“, sagte Hecht.

Einzelne Autohersteller bieten die Notbremssysteme bereits an, die das Fahrzeug automatisch abbremsen, sobald ein Mensch oder ein Hindernis in unmittelbarer Nähe ist und der Fahrer nicht reagiert. Für Lastwagen gibt es bereits Warnsysteme, die den toten Winkel erfassen.

dpa

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