Apfelwein-Akademie zertifiziert Kelterer und Gastwirte aus der Region

Wie der Schobbe schmecken muss

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Lars Fin Wiessner auf seinem Apfelweinhof mit dem Zertifikat. Noch betreibt der Dieburger einen reinen Online-Handel. Demnächst will er aber auch als Wirt in Erscheinung treten.

Region Rhein-Main - Beim Apfelwein  kommt es nicht nur auf den Geschmack an: Das lernen die Teilnehmer in der Apfelwein-Akademie. Von Norman Körtge 

Naturtrüb soll er sein, fruchtig schmecken und ein bisschen Säure haben – das sind für Lars Fin Wiessner  die wichtigsten Aspekte, die einen Apfelwein ausmachen. „Eben ein richtiger Schoppe“, sagt der Dieburger, der in seiner Freizeit selbst keltert und den Online-Handel Apfelweinhof betreibt. Und seit dieser Woche darf er sich Zertifizierter Apfelweinwirt nennen, da der 40-Jährige das zweitägige Seminar der Apfelwein-Akademie abgeschlossen hat.

Beim Seminar geht's nicht nur um den Geschmack

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Selbstverständlich ging es bei dem Seminar um den Geschmack – zwar nicht nur (siehe Infokasten), aber für den Genießer wohl der spannendste Teil. Das Metier von Christof Heil, geschäftsführender Gesellschafter der Kelterei Heil und zugleich Prüfer bei der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft, die die DLG-Qualitäts-Prämierung für Lebensmittel in Bronze, Silber und Gold vergibt. Da wird der Apfelwein mal nicht aus dem authentischen Gerippten, sondern aus einem Weinglasgenippt. „Darin kann der Apfelwein sein Aroma besser entfalten, steigt nach oben und in die Nase“, sagt Heil. Denn der Geruch ist in der Regel das erste, was man wahrnimmt. Erst später gleite der Apfelwein über die Rezeptoren der Zunge und gäbe seinen Geschmack preis. Und zum großen Teil kommt es bei der Bewertung eines Apfelweins auf das Zusammenspiel zwischen Geruch und Geschmack an – die sogenannte Harmonie.

Geschmäcker sind verschieden

Letztendlich, so muss Heil aber zugeben, sind die Geschmäcker der Menschen oft verschieden und kann ein Beispiel aus seiner eigenen Kelterei nennen. Dort war eine ganze Tankfüllung nicht so ganz nach den Geschmack der Kelterer und damit nicht für den hessischen Gaumen geworden. Aber spanischen Geschäftskunden, die extra zur Verkostung angereist waren, gefiel genau dieser Geschmack. So ging ein ganzer Tankzug nach Asturien.

Manche sind eigentlich ungenießbar, finden aber trotzdem Liebhaber

Dass aber auch die Geschmäcker in Hessen weit auseinander gehen können, hat Apfelweinhof-Besitzer und Schobbe-Spezialist Wiessner auch schon bemerkt. Er war schon auf mehr als einer der traditionellen Verkostung von selbst gekelterten Apfelweinen in den Dorfgemeinschaftshäusern im Taunus, der Wetterau oder im Odenwald. „Da waren ganz schöne Klopper dabei“, erzählt er und meint damit, dass sie eigentlich ungenießbar waren – die Erzeuger waren da aber ganz anderer Meinung. Ganz nach seinem Geschmack ist hingegen das Engagement aller Apfelweinhersteller und -liebhaber. Sie seien nämlich alle regionale Naturschützer.

 Zur Info:

Das Fachseminar „Zertifizierter Apfelweinwirt“ gibt den Teilnehmern fundiertes Wissen über das hessische Nationalgetränk und eine gewinnbringende Vermarktung in der Gastronomie an die Hand. Die Seminarinhalte decken ein breites Themenspektrum ab. Die Teilnehmer lernen die Vielfalt des Qualitätsproduktes Apfelwein kennen, erleben anhand von Sensorik-Übungen und Verkostungen die verschiedenen Geschmacksrichtungen. Behandelt werden auch betriebswirtschaftliche Aspekte sowie Grundlagen des Marketing und der PR in der Gastronomie. Infos unter www.apfelwein-akademie.com.

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