EXTRA TIPP-Redakteurin macht Selbstversuch

Angst vor Spinnen? Hypnose hilft!

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Hypnose ist kein Hexenwerk. Das Zusammenspiel zwischen Patient und Hypnotiseur muss stimmen, sonst funktioniert es nicht.

Region Rhein-Main - Sie haben acht Beine, mindestens sechs Augen und sind überall – Spinnen. Viele Menschen haben Angst vor ihnen. Hypnose kann helfen. Von Silke Gottaut

Angst vor Spinnen ist auch bei mir ein Thema. Ich bin ein sehr großer Tierliebhaber, aber Tiere ohne Fell – nein danke! Ich weiß nicht, warum, aber es ist so seitdem ich denken kann. Ich finde sie einfach eklig. Egal ob Vögel, Insekten oder Eidechsen. Ich kann sie nicht anfassen. Aber Spinnen sind noch einmal ein anderes Thema, davor habe ich wirklich Angst. Denn wenn sie einmal im Haus sind, weiß man nicht, wo sie hin krabbeln und man ihnen vielleicht wieder begegnet. Schlimm ist es, wenn sie einem über dem Kopf an der Decke entlang krabbeln. Sie könnte ja runter fallen. Je größer die Spinne, desto größer die Angst.

Hypnose ist kein Hexenwerk

Olaf Straesser

Mit meiner Angst gehe ich in die Hypnose-Praxis Straesser nach Kelkheim. In einem Vorgespräch erzähle ich Olaf Straesser von meiner Phobie und Ekel bei Spinnen, dass ich sie gefühlt schon immer habe und dass sie nicht durch einen besonderen Vorfall ausgelöst wurde. Er erklärt mir, dass Hypnose ein ruhiger Dämmerzustand und kein Hexenwerk ist, wie viele Menschen denken. „Mit dem Finger schnipsen und alles verändert sich ist eher Zauberei, aber keine Hypnose.“ Ich lege mich auf einen weißen, gemütlichen Liegesessel mit einer kuscheligen Decke. Ich weiß zwar, dass mir nichts passiert, trotzdem bin ich aufgeregt. Straesser erklärt mir

Zur Info:

Olaf Straesser behandelt jegliche Formen von Ängsten. Zudem hilft er Menschen, die mit dem Rauchen aufhören möchten oder unter Depressionen leiden. Infos zu seiner Hypnose-Praxis in Kelkheim unter (06195) 975345 oder unter www.hypnose-kelkheim.de

noch, dass Hypnose nur funktioniert, wenn das Zusammenspiel von Hypnotiseur und Patient passt. Als Beispiel nennt er, dass auch Regisseur und Kameramann zusammen arbeiten müssen. Beide müssen sich abstimmen, sonst wird es nichts mit dem Dreh. Sprich, wenn er zu mir sagt, ich solle mir einen Apfel vorstellen, dann soll ich nicht an eine Erdbeere denken.

Ich liege nun auf dem Sessel und warte gespannt auf seine Worte. Erst einmal die Augen schließen. Tief ein- und ausatmen. Versuchen an nichts zu denken. „Gedanken sind wie Wolken. Sie kommen und gehen“, sagt Straesser. Diesen Satz finde ich sehr gut, denn ich mache mir über alles viel zu viel Gedanken. Vielleicht schaffe ich es tatsächlich, jetzt einmal abzuschalten.

Spinne bekommt lilafarbenes Fell

Ich merke wie schwer zuerst meine Arme und Beine werden, danach mein ganzer Körper. Ich fühle mich in einem Dämmerzustand. Er fragt mich, wie ich für mich eine Spinne hübscher machen kann, damit ich sie mag, wie zum Beispiel Katzen oder Hasen. Durch verschiedene bildliche Vorstellungen entwickelt sich Erik – meine Spinne. Erik hat lilafarbenes Fell (meine Lieblingsfarbe), er fährt auf grünen Rollschuhen durch die Gegend und hat eine gelbe Kappe auf. Klingt verrückt, aber so habe ich keine Angst vor Erik. Ich muss über ihn lachen und schrecke bei dem Gedanken an eine Spinne nicht zurück. Mit diesem Gedanken „wache“ ich so langsam wieder auf. Die erste Hypnose-Sitzung, eine Dreiviertelstunde, ist rum. In der Zeit bis zur zweiten Sitzung begegne ich nur einer Spinne. Sie interessiert mich nicht. Ich laufe an ihr vorbei und denke an Erik. Ich muss schmunzeln.

Hypnotiseur muss man vertrauen

Zweite Sitzung. Nun weiß ich, dass ich nicht aufgeregt sein muss. Ich vertraue Straesser. Ich fühle mich in dem Liegesessel sicher und geborgen. Eine Voraussetzung, dass ich keine Angst vor etwas habe. Ich werde wieder ganz ruhig und falle in den Dämmerzustand. Verwunderlicherweise ist die zweite Sitzung ganz anders, als ich sie mir vorgestellt habe. Denn mein Erik tritt nur kurz auf. Es geht vielmehr darum, wo und wie ich mich wohl fühle und dass ich Geschichten erlebe. Ich stelle mir die schönsten Sachen vor, zu denen mich Straesser ein wenig hinleitet. Mit einem Schritt durchs Fenster bin ich am Strand. Dort steht mein Freund, der keine Angst vor Spinnen hat und allgemein ein sehr gelassener Mensch ist. Er soll mir seine Energie übergeben. Zurück in heimischen Gefilden liege ich in einem Whirlpool mit einer Apfelschorle, einem gelben Quietscheentchen und dem Blick auf den Taunus.

Freude auf Begegnung mit einer Spinne

Langsam soll ich wieder zu mir kommen und die Augen öffnen. Ich bin ein wenig irritiert und habe die Spinnen „vermisst“. Ich führe noch ein langes Gespräch mit Straesser und er macht mir deutlich, dass das Unterbewusste und der Glaube an eine Sache eine sehr wichtige Rolle spielen. Ich fühle mich jedenfalls gut. Und ich bin auf die nächste Begegnung mit einer Spinne gespannt. Ich freue mich sogar darauf.

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