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Schlagersänger Julian Reim im Interview über die Vor- und Nachteile Matthias Reim als Vater zu haben

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Von: Lisa Klugmayer

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Schlager in den Genen: Julian Reim hat auf alle Fälle das musikalische Talent von seinem Vater geerbt. Der ist nämlich niemand anderer als Schlagerstar Matthias Reim. Doch ist der Name „Reim" automatisch ein Erfolgsgarant?

Stockach am Bodensee - Schlagersänger Julian Reim (24) hat gerade seine zweite Single „Euphorie“ veröffentlicht. Reim? Etwa, der Reim? Der „Verdammt ich lieb‘ dich“-Reim? Ja, Julian ist nämlich der Sohn von Schlagerlegende Matthias Reim (62) und möchte sich nun selbst als Schlagersänger etablieren. Im Interview mit extratipp.com verrät der 24-Jährige, ob der Name „Reim“ Fluch oder Segen ist, warum er sein neustes Musikvideo in Wien gedreht hat und welche Musik er privat hört. Außerdem hat der „Euphorie“-Sänger uns sein geheimes Talent verraten.

Schlagersänger Julian Reim: Interview mit extratipp.com

„Euphorie“ deine neue Single ist ein krasses Gegenteil zu deinem letzten Lied „Grau“. Was hat dich zu diesem Song inspiriert?

Interessant, dass es immer so viele sagen. Also klar ist es mir bewusst, dass es die beiden Songs thematisch schon anders sind, aber für mich sind „Grau“ und „Euphorie“ so unendlich ähnlich. Für mich sind das beide Geschwister. Ich hatte in der Produktion so viele Parallelen, weil es auch in derselben Tonart geschrieben ist - „Grau“ ist nur in Moll, „Euphorie“ ist in Dur. Dann hat es sich im Prozess so angefühlt, als würde ich das Geschwisterchen komponieren.

Beide sind auch in einer ähnlichen Situation entstanden. Bei „Grau“ war ich in einer leider unglücklichen Fernbeziehung und bei „Euphorie“ kam ich gerade aus einem Loch wieder heraus. 

 Ich finde ja auch dein Musikvideo zu „Euphorie“ sehr cool. Das hast du ja in Wien gedreht und mir als Wienerin ging da natürlich das Herz auf.

Wir wollten unbedingt das Musikvideo zu „Euphorie“ drehen und man hatte mir dann diese coole Idee gepitched, wo ich auch gemerkt habe, dass die den Song echt verstanden haben. Das visuell rüber zu bringen, ist dann nochmal ein anderes Thema. Deswegen bin ich froh, dass ich so ein tolles Team an meiner Seite zu haben. Die haben dann gefragt, wo ich gerne drehen würde, ob sie Köln kommen sollen. Wir haben alle gelacht darüber, weil keiner nach Köln kommen konnte - nicht in Corona-Zeiten. Dann hab‘ ich gesagt, wenn das Team in Österreich ist, dann suchen wir uns dort eine coole Location. Ein paar Wochen vorher haben zwei meiner besten Freunde Sightseeing in Wien gemacht. Und als dann der Städtename Wien fiel, meinte ich: „Ja, cool. Machen wir.“ Ich wollte eigentlich nur mal selber Sightseeing in Wien machen und haben das dann kombiniert. 

Warum Schlager? Und könntest du dir auch ein anderes Genre vorstellen - das krasse Gegenteil zum Beispiel Hip-Hop. 

Auch sehr witzig. Wenn es einmal zu einem Album kommt, werdet ihr darauf auch Hip-Hop inspirierte Schlager Songs finden. Ich mach‘ einfach gerne Musik. Das ist alles, was ich jemals machen wollte und alles was ich jemals machen möchte. Und ich hoffe, dass ich das noch lange machen darf. Aber privat hör‘ ich einfach so unterschiedliche Genres. Es ist ja interessant festzustellen: Die Musik, die man macht und die Musik, die man privat hört, ist nicht immer dieselbe. Ich liebe zum Beispiel auch Deep House, wo überhaupt keine Worte fallen. Aber, wenn ich Texte schreibe, wird es Schlager. Das ist einfach die Art und Weise, wie ich spreche und wie ich als Texter schreibe. Ich versuche so ein bisschen eine Fusionsküche zu machen, auszuprobieren, wie weit ich das Genre brechen kann, bis es die Seele vom Schlager verliert. Das macht dann auch tierischen Spaß im Studio. 

Instagrambild von Schlagersänger Julian Reim
Schlagersänger Julian Reim im extratipp.com-Interview über seine Musikkarriere © Instagram/Julian Reim

Dann gibt es wahrscheinlich auch nicht nur einen Musiker, der dich inspiriert oder geprägt hat?

So viele. Wenn ich DJ auf einer Party bin oder wenn ich einmal das Aux-Kabel kriege, dann geht das von Deep House Elektro in Andrea Berg über direkt zu Post Malone. ich mag einfach gute Musik. Und wenn der Song gut ist, dann ist das Genre eigentlich auch egal. 

Hast du vor Auftritten Lampenfieber? Gibt es irgendwelche Rituale, die die machst bevor du auf die Bühne gehst?

Klar, bin ich aufgeregt. Aber ich hatte nie diese typische Form von Lampenfieber. Dass, den Leuten zu erklären ist super schwer. Matthias zum Beispiel hat Lampenfieber. Den kannst du eine halbe Stunde vor dem Auftritt nicht ansprechen. Sobald er dann draußen ist, explodiert er. Dann macht er ja absolut sein Ding.

Du sammelst ja diese Anspannung, diese Konzentration, denn du hast drei Minuten. Ich hab‘ drei Minuten auf der Bühne und diese drei Minuten sind – wenn es im TV läuft - vor einem Millionen-Publikum oder wenn es Live ist, vor Menschen, die eine Karte gekauft haben, um mich zu sehen. Du musst also etwas beweisen, du musst rechtfertigen, dass du diesen Job machen darfst.

Aber Angst vor einem Auftritt hab‘ ich nicht, ich bin nur so unfassbar angespannt, wie so ein Bogen der kurz davor ist loszuschießen. Dass sieht man dann glaub‘ ich auch auf der Bühne: absolut choreographielos hüpf‘ ich da auf der Bühne von einem Punkt zum anderen, wie ich gerade halt meinen Song fühle. 

Ich hab‘ letztens gelesen, dass ein Duett mit deinen Vater oder deiner Schwester erstmal nicht in Frage kommen. Wer wäre denn sonst dein Traum-Duett-Partner?

Also natürlich kommt so etwas gerade nicht in Frage. Wir sind alle ehrgeizige Solo-Künstler. Ein Duett ist etwas, dass du nur machen kannst, wenn du schon etabliert bist. Für mich wär‘s im Moment nur mich an den Rockzipfel von jemanden zu hängen, der das schon deutlich, deutlich länger macht. Das möchte ich persönlich nicht. Wenn ein Duett, dann mit jemanden der auf meiner Ebene ist. Wo es Sinn macht und wo man sich auch gegenseitig antreibt und am selben Ziel arbeiten. Am Ende des Tages muss es auch der richtige Song sein und man muss die richtige Person im Kopf haben, wo man sagt: „Dieser Song könnte nicht ohne dich funktionieren.“

Momentan schreib‘ ich eigentlich nur Songs für ein eventuelles Album. Ich hab‘ noch nicht allzu lange daran gedacht mit wem ich noch singen könnte. Ich hab‘ erst zwei Songs draußen, ich glaub‘ ich muss noch ein bisschen alleine singen bis ich überhaupt in Erwägung ziehen darf mit jemand anderen zu singen. 

Schlagerstar Matthias Reim mit seinem Sohn Julian Reim im Jänner 2020
Ein Duett mit Vater Matthias Reim? Im extratipp.com-Interview erzählt Julian warum das erstmal nicht infrage kommt © Facebook/Julian Reim

 Ist der Name „Reim“ ein Segen oder ein Fluch? Hast du das Gefühl, dass dir der Name viele Türen öffnet oder musst du doppelt so hart arbeiten und dich beweisen?

Ich bin mit dem Namen Reim aufgewachsen und kenn es nicht anders. Ich find's auch immer lustig, wenn mich Leute fragen, wie es eigentlich ist Matthias Reim als Vater zu haben. Ich hatte nie einen anderen Vergleich. Ich hab‘ auch ein paar Geschwister, die nicht Musik machen wollen. Ich wollte immer Musik machen und hab‘ soviel Zeit mit komponieren und produzieren verbracht, mehr als ich eigentlich mit der Schule verbracht habe. Ich hab‘ mein Leben lang daran gearbeitet, nur um überhaupt gut genug zu sein, um das machen zu dürfen, was ich jetzt mache.

Wenn man mich fragt, ob der Name Reim Türen öffnet: Ja, klar. „Dem Sohn von (...)“ wird die Plattenfirma eher einen Vertrag geben, weil's einfacher ist da ich die Kontakte schon kenne. Man darf aber nicht vergessen, wie viel ich kämpfen musste bis ich meine eigene Musik machen durfte. Bei mir ist es jetzt so, dass ich komplette kreative Freiheit habe - bis zu einem gewissen Punkt natürlich. Bei Schimpfwörtern wird schon gesagt, ob ich nicht was Schöneres finden könnte. Aber um erstmal dorthin zu kommen, musste ich kämpfen. Denn es ist einfach die Kinder von berühmten Eltern irgendwohin zu stellen und für 10 Minuten das Rampenlicht genießen lassen zu können. Aber die Menschen da draußen schalten einmal aus Neugier ein und wenn das, was sie sehen, nicht gut ist, schalten sie weg. Man kann soviel Vitamin B spielen lassen, das macht keinen Unterschied. Am Ende des Tages sind es die Menschen, die entscheiden, ob du deinen Job weiter machen darfst. Du kannst niemanden dafür bezahlen, dass dein Song zum Hit wird.  

Wann dürfen sich Fans auf ein Album freuen? Kannst du schon etwas Konkretes verraten?

Ich arbeite an einem Album. Es gibt da keinen Zeitplan und momentan fahren wir eine ziemlich coole Schiene, die ich eigentlich auch bevorzuge. Und zwar: Erstmal Single. Wir schauen erstmal wie die Leute auf einzelne Songs von mir reagieren. Das war ja mit „Grau“ erstmal total aufregend. Wie die Leute auf meinen eigenen Style reagieren. So entwickle ich mich und auch das Album auch weiter. Die Songs wären schon da, aber meine Ansprüche werden immer größer und das Album verändert sich permanent. Wir sehen einfach was passiert. Ich bin gerade einfach nur happy, dass ich das machen darf. 

Was ist dein „Guilty Pleasure“?

Trash-TV. Manchmal liebe ich auch Trash-TV. Netflix macht das ja gerade auch. Du hast doch auch bestimmt „Too hot to handle“ gesehen. Es ist einfach was anderes und man kann einfach nicht wegschauen. Man schaut sich das an und denkt einfach nur: „Oh mein Gott“. Aber ich schäme mich ja eigentlich nicht dafür. Wenn ich‘s mag, mag ich‘s. Letzte Woche ist ja auch Avatar auf Netflix rausgekommen u

Abschlussfrage: Was kannst du, was man von dir nicht erwarten würde. Hast du ein geheimes Talent?

Nein. Ich würde jetzt gerne sagen, dass ich einen einzigen Jo-Jo-Trick kann oder einen Ollie auf dem Skateboard. Aber ich hab‘ so viele Sachen ausprobiert. Aber das einzige, in dem ich wirklich gut bin, ist halt Musik.

Oder warte: Ich kann mit meiner Faust, wenn ich da im richtigen Winkel durchblase, klingt das wie eine Ente. Zählt das? Ich hatte aber nicht geplant damit zum Supertalent zu gehen, ich glaub‘ dafür reicht es dann noch nicht ganz aus. Nicht nach dem Hund vor einigen Jahren. Als ich den gesehen hab‘, hab‘ ich meine Faust wieder eingepackt. Die Welt ist noch nicht bereit für meine Ente. 

Infos zur Autorin

Lisa Klugmayer, Redakteurin bei extratipp.com: Lisa schreibt über Themen aus den Bereichen TV, Stars, Schlager und die Welt der Musik. Egal ob GNTM, Let’s Dance, Promis unter Palmen, Dschungelcamp, die Lombardis oder Billie Eilish – Lisa kennt und liebt die Welt der Unterhaltung. Mehr Infos zur Redaktion und dem Team von extratipp.com gibt es hier.

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