Hunderte Trauungen abgesagt oder verschoben – Werden Termine für 2021 eng?

Zwischen Freude und Frust: Heiraten in der Corona-Krise

Viele Hochzeiten wurden wegen der Corona-Krise verschoben oder abgesagt.Foto: WavebreakmediaMicro/panthermedia.net
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Viele Hochzeiten wurden wegen der Corona-Krise verschoben oder abgesagt.
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Lange haben sich die Paare auf den schönsten Tag im Leben vorbereitet – dann kam Corona. In Rhein-Main wurden seitdem hunderte Trauungen verschoben oder abgesagt. Viele wollen deshalb nächstes Jahr einen neuen Versuch starten. Doch da können die Termine knapp werden.

Region Rhein-Main – Zwischen Wut, Trauer, Angst, Hoffnung und Resignation: Die Gefühle von hunderten Brautpaaren in Rhein-Main stehen seit Wochen Kopf. „Eine Hochzeit war schon vor Corona emotional und stressig. Aber wenn so etwas Unvorhergesehenes passiert, was eine große Unsicherheit bedeutet, ist das schlimm“, sagt Friederike Mauritz. Sie leitet die Frankfurter Hochzeitsagentur „Celebrations Weddings“ und ist Gründungsmitglied des Bunds deutscher Hochzeitsplaner. Zwei von ihr organisierte Hochzeiten wurden bereits abgesagt, zehn weitere hängen in der Schwebe. „Es bleibt unsicher. Und selbst wenn man jetzt feiert, macht das mit den Sicherheitsauflagen ja keinen Spaß.“

Diese Erfahrungen haben auch die Standesämter in der Region gemacht. So wurden in Hanau bislang 107 Trauungen für die Monate März bis Oktober abgesagt oder verschoben, in Bad Homburg betraf das etwa die Hälfte der anfallenden Eheschließungen und in Heusenstamm haben sechs Paare den Termin in den Herbst oder ins nächstes Jahr gelegt.

Aber auch in Frankfurt haben viele Paare bereits einen späteren Termin vereinbart oder die Trauung ganz abgesagt, unter anderem weil sich einer der Partner noch im Ausland aufhält und aufgrund der Reisebeschränkungen keine Einreiseerlaubnis erhalten hat.

Ansonsten sind die Gründe meist gleich: „Die Paare durften jetzt länger keine Gäste mitbringen. Und im Anschluss mit Familie und Freunden feiern ging auch nicht“, sagt Ilka Haucke, Standesbeamtin in Seligenstadt, wo acht Trauungen abgesagt und elf bis in den Dezember hinein verschoben wurden.

Weiterhin gelten strenge Auflagen auf den Standesämtern. Mundschutz und Abstand halten sind Pflicht, trotz Lockerungen sind nur wenige Gäste erlaubt. „Das Paar muss bei uns auch seinen eigenen Kugelschreiber mitbringen“, sagt Marc Kolbe, Sprecher der Stadt Bad Homburg. „Standesbeamte sind zudem durch eine Plexiglasscheibe getrennt.“ Eine ungewohnte Situation, auch für Ilka Haucke: „Den Paaren nicht die Hand zu geben, ist schon seltsam. Da fällt es schwer, eine Verbindung aufzubauen. Sonst kam es schonmal vor, dass die Braut dem Standesbeamten um den Hals fällt vor Freude. Sowas gibt’s jetzt alles nicht mehr.“

Keine Umarmungen, Abstand beim Sitzen und den Unterhaltungen, wodurch oft größere Räume nötig sind, Masken- sowie Desinfektionspflicht, nicht mehr als 100 Gäste: Wer jetzt Hochzeit feiert, muss viele Regeln einhalten. Profi Friederike Mauritz empfiehlt deshalb allen, ihre Pläne ins nächste Jahr zu verschieben, da aber schnell zu sein. „Es wird 2021 fürchterlich eng mit Terminen, beliebte sind schnell weg. Wenn man vielleicht erst im Herbst anfängt zu planen, ist das zu spät.“ Ansonsten lohne sich, flexibler beim Datum zu sein und über einen Mittwoch vor einem Feiertag oder einen Sonntag nachzudenken, so Mauritz. Das kann manchmal auch günstiger sein. Blickt man bei den Standesämtern auf das nächste Jahr, gibt es ähnliche Befürchtungen. „Termine anbieten können wir genug, die beliebten Samstagsterminen können durchaus knapp werden“, sagt Ute Wolf, Sprecherin der Stadt Hanau.

Die Absagen so vieler Hochzeitsfeiern hat aber nicht nur für das Paar Konsequenzen. „Wirtschaftlich ist das der Super-Gau“, sagt Friederike Mauritz. „Ich glaube, dass viele Locations durch Corona jetzt schon straucheln und dann schließen werden, vor allem die einen Restaurant- oder Hotelbetrieb haben. Das Gleiche gilt für die Künstler und Fotografen – die haben monatelang kein Einkommen.“

Aber Corona hat nicht alle Paare abgeschreckt, auch wenn Gäste auf dem Standesamt in den vergangenen Wochen verboten waren. „Manche wären eh alleine gekommen“, sagt die Seligenstädter Standesbeamtin Ilka Haucke. „Und gestrahlt vor Glück haben sie trotzdem alle. Eine Trauung ist ja immer noch was Schönes.“

Von Julia Oppenländer

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