Zeshan (14) erst ausgebremst, dann bedroht

Zeshan Ahsan brach sich bei dem Sturz im Naturschutzgebiet (hinten im Bild) den linken Arm. Foto: kb

Die Begegnung mit einem Rennradfahrer endet für Zeshan Ahsan im Krankenhaus: Der Unbekannte bremst den 14-Jährigen aus, der Schüler stürzt und bricht sich den linken Arm. Doch statt zu helfen, bedroht der Mann den Jungen und flüchtet. Jetzt sucht die Polizei nach dem Rowdy. Von Kristina Bräutigam

Rodgau – Auf die Sommerferien hat sich Zeshan Ahsan aus Rodgau lange gefreut. Doch aus Freibadbesuchen und Fußballspielen wird nichts. Der 14-Jährige hat sich den linken Arm gebrochen – weil ihn ein anderer Radfahrer ausgebremst hat. Das Unglück passiert am Freitag vor zwei Wochen. Der 14-Jährige ist mit dem Fahrrad auf dem Heimweg von der Schule. Wie immer fährt er durch das Naturschutzgebiet zwischen Jügesheim und Hainhausen, wo die Familie lebt. Vor Zeshan Ahsan fährt ein Rennradfahrer. An einer Abbiegung passiert es. „Der Mann hat ganz plötzlich ohne Grund gebremst“, sagt der Schüler. Er habe noch versucht, eine Vollbremsung zu machen und auszuweichen. Doch es ist zu spät: „Mein Vorderrad hat sein Hinterrad berührt und ich bin gestürzt.“ Der Junge schlägt auf dem Boden auf, sein linker Arm blutet und ist merkwürdig verdreht. „Ich hatte starke Schmerzen, mir war kurz schwarz vor Augen“, erinnert er sich. Doch dann das Unfassbare: Statt dem schwer verletzten Jungen zu helfen, habe der Radfahrer ihn bedroht und beschimpft. Zeshan Ahsan ist völlig verängstigt, entschuldigt sich sogar bei dem Mann. „Ich wollte nur, dass er aufhört.“ Erst als eine Fußgängerin vorbeikommt und den aggressiven Mann zur Rede stellt, nimmt dieser sein Rad und fährt davon. „Ich hatte wirklich Angst, dass er mir etwas antut“, sagt Zeshan. Nachdem sich die Frau um ihn gekümmert hat, ruft der Junge mit dem Handy seinen Vater an. Der eilt sofort ins Naturschutzgebiet. Noch heute steht dem Familienvater der Schock ins Gesicht geschrieben. „Warum hat dieser Mann meinen Sohn bedroht und ihm nicht geholfen? Er hat doch gesehen, dass er verletzt ist“, fragt Taimoor Ashan.

Nach der Untersuchung im Krankenhaus in Seligenstadt steht fest: Zeshans linker Arm ist gebrochen, in einer dreistündigen Operation müssen die Ärzte eine Metallplatte einsetzen. Erst in vier Monaten wird sie entfernt. Die Schmerzen und Einschränkungen sind das eine, sagt der 14-Jährige. „Aber, dass dieser Mann mich anschreit. Dabei ist sein Rad nicht mal beschädigt worden.“ Für Vater und Sohn ist klar: Der Rowdy-Rennfahrer soll nicht einfach so davonkommen. Taimoor Ashan geht zur Polizei und erstattet Anzeige. „Wir wollen, dass sich der Mann entschuldigt. Und vor allem wollen wir verhindern, dass so etwas noch einmal passiert“, sagt der Familienvater. Es sei sogar möglich, dass der Mann, der am Unfalltag mit einem Rennrad und Radbekleidung unterwegs war, ganz in der Nähe wohne. Zeshan habe ihn bereits einige Male auf dem Schulweg gesehen. „Das ist ein komisches Gefühl“, sagt der Schüler.

Auf Nachfrage erklärt Alexander Schlüter, Sprecher des Polizeipräsidiums Südosthessen, dass es bislang keine Hinweise auf den Fahrer gibt. Umso wichtiger sei es, dass sich die Frau meldet, die sich unmittelbar nach dem Unfall um den Jungen gekümmert und den Mann angesprochen hat. „Sie ist eine wichtige Zeugin“, sagt Schlüter. Wegen des unerlaubten Entfernens vom Unfallort drohen dem Rennradfahrer eine Geld- oder sogar Freiheitsstrafe. „Darüber entscheidet jedoch ein Richter“, sagt Schlüter.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare