Kleinere Bestände sind schon ausgestorben / Zahl der Vögel geht insgesamt zurück

Zerzaustes Gefieder, torkelndes Gehüpfe: Usutu tötet unsere Amseln!

Zum Gezwitscher der Amseln am Morgen in den Tag starten – das gehört für viele dazu. Doch in Rhein-Main ist es still geworden. Teilweise sind gar keine Amseln mehr zu finden. Schuld ist der tödliche Usutu-Virus. Von Julia Oppenländer

Region Rhein-Main – Das Gefieder am Kopf der Amsel wirkt zerzaust, sie scheint zu torkeln und wirkt unkoordiniert. Vor Menschen flüchtet sie auch nicht mehr. „Dieser Vogel leidet am Usutu-Virus“, sagt Maik Sommerhage, Vogelschutz-Experte beim Nabu Hessen. „Betroffene Tiere weisen diese Anzeichen auf und sterben meist innerhalb weniger Tage.“

So wie dieser Amsel geht es inzwischen immer mehr gefiederten Artgenossen. 1500 Meldungen über verendete Amseln hat der Nabu deutschlandweit dieses Jahr bereits halten – Tendenz steigend. Vor allem in den Sommermonaten häufen sich die Fälle. „Meistens bestätigt sich, dass die Tiere am Usutu-Virus verendet sind“, sagt Sommerhage.

2011 wurde der Tropenvirus erstmals in Deutschland nachgewiesen. Seitdem verbreitet er sich. Übertragen wird er von Stechmücken. Betroffen sind eigentlich alle Vogelarten, vom Mäusebussard bis zur Kohlmeise, am häufigsten allerdings die Amsel.

Vor allem im Rhein-Main-Gebiet wütet der tödliche Virus. „Bei uns melden sich immer wieder Menschen aus Frankfurt und Umgebung, die sagen, dass sie schon lange keine Amseln mehr gesehen hätten“, sagt der Vogelschutz-Experte und bestätigt: „Kleinere Bestände sind mancherorts schon ausgestorben.“

Das besonders in Rhein-Main betroffen sind, liegt auch an der Lage. „Hier handelt es sich um eine warme Region, da kann sich der Virus besser verbreiten – er mag es ja tropisch warm“, sagt Sommerhage. Nicht überraschend also, dass es im Rekordsommer 2018 auch so viele Virus-Erkrankungen wie nie gab. Er habe die Inkubationszeit des Virus’ in den Stechmücken verkürzt und eine Verbreitung beschleunigt.

Allerdings ist nicht nur der Usutu-Virus für ein Vogelsterben in dieser Jahreszeit verantwortlich. „Die Brutzeit liegt hinter uns, da sterben von Natur aus viele Jungtiere, auch durch Fressfeinde. Und bei Hitze sind die Böden trocken, da wird’s für Vögel schwer, Nahrung wie Würmer zu finden.“ Erst vergangene Woche hatte eine Studie von Wissenschaftlern der Ornithologischen Arbeitsgruppe Bodensee und des Max-Planck-Instituts für Verhaltensbiologie für Aufruhr gesorgt, weil sie bestätigt, was viele schon vermutet hatten: Die Zahl der Brutpaare ist seit 1980 um ein Viertel zurückgegangen. Um die Ausbreitung des Usutu-Virus’ im Blick zu behalten, sind nun auch die Bürger gefragt. „Verdachtsfälle sollten uns, dem Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg oder aber auch Veterinärämtern im Kreis gemeldet werden“, sagt Sommerhage vom Nabu Hessen.

Durch einen Mückenstich kann der Usutu-Virus auch auf den Menschen übertragen werden. Die Symptome sind Fieber, Kopfschmerzen und Hautausschläge. Das Risiko einer Erkrankung sei allerdings sehr gering, sagen Mediziner. Sommerhage: „Trotzdem sollte man tote Vögel sicherheitshalber nur mit Schutzhandschuhen oder einer Plastiktüte anfassen.“

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