Hans Schiemenz aus Oberursel über seine Zeit als Freestyle-Skiprofi vor 40 Jahren

„Wir sind im Geld fast erstickt“

Hans Schiemenz vor der Ski-Sammlung, die er verschenkt.

Eigentlich wollte der Oberurseler Hans Schiemenz im EXTRA TIPP nur seine Ski-Klassiker verschenken. Doch dahinter steckt eine tolle Geschichte. Sie spielt in den Anfängen des Freestyle-Skisports, in der der Hesse vor mehr als 40 Jahren eine Hauptrolle innehat. Von Oliver Haas

Region Rhein-Main – Mehr als 100 Ski-Klassiker hat der Oberurseler Hans Schiemenz in seiner Garage gehortet. Seit einem Radunfall kann er sie aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr nutzen. Deshalb will er sie verschenken. Der Grund, warum der pensionierte Sportlehrer so viele Skier besitzt, liegt 40 Jahre zurück. Der 67-Jährige ist Ex-Profi im Freestyle-Skispringen. Er erinnert sich an den Karrierestart: „Ich habe damals erfolgreich geturnt, aber aufgrund meiner Größe von 1,90 Meter das Leistungslimit schnell erreicht.“ Dann sei er ebenso erfolgreich im Jahn-Kampf gewesen, also dem Mix aus Turnen, Leichtathletik, Schwimmen, Wasserspringen und Tauchen. Auch hier wurde es für den damals ehrgeizigen Frankfurter schnell langweilig, weil er zu den Besten gehörte.

1972 trat Freestyle-Ski in sein Leben und es änderte sich alles. Als Hobbyskifahrer sah er den Willy-Bogner-Skifilm „Benjamin – Ein Meister fällt vom Himmel.“ Er war hin und weg von der verrückten neuen Sportart aus den USA. „Ich habe gesagt, gib mir ein Jahr Training am Kitzsteinhorn in Kaprun, dann kann ich da auch mitmachen.“ Schiemenz nahm den Mund voll, aber behielt recht. Seine Turnerfahrung kam ihm entgegen. Er sei einer der wenigen gewesen, der nicht nur rückwärts, sondern vorwärts die Trickski-Schanze gesprungen ist. „Das sah ziemlich spektakulär aus, wenn ich wie ein nordischer Skispringer mit angelegten Armen runter bin. Die Flugkurve war eine andere, weil man viel weiter rausfliegt.“ Schiemenz wurde immer besser und nahm an Wettkämpfen in ganz Europa teil. Und die Sponsoren rissen sich um die spektakulären Freestyle-Sportler. „Die ersten eineinhalb Jahre sind wir im Geld fast erstickt. Die Firmen sind uns nachgelaufen mit Verträgen. Uns wurden Flüge, Hotelzimmer und Mietwagen bezahlt. Das war toll.“ Bei den Langläufern, Skialpin- oder Slalomfahrern wuchs indes der Neid. „Die Alpiner waren stinksauer, dass die uns so viel Geld gaben“, erinnert sich Schiemenz.

Als hessischer Flachländer aus dem Rhein-Main-Gebiet gab‘s allerdings ein Problem. Wo sollte Schiemenz außerhalb der Wintersaison bloß trainieren? „Wir hatten uns im Sommer am Baggersee in Nieder-Roden eine Wasserschanze gebaut. Das Pikante war allerdings, dass sie am FKK-Strand lag. Wir hatten im hintersten Winkel vom Kieswerkbesitzer einen Steilhang zugewiesen bekommen. Es sah sehr lustig aus, wenn wird mit geschulterten Skiern und dicken Tauchanzügen schwitzend an all den Nackten vorbeimarschierten“, sagt er lachend.

Höhepunkt seiner Freestyle-Karriere war dann 1984, als er in Schweden Europameister wurde. Aus beruflichen Gründen beendete er dann seine sportlichen Karriere. Was übrig bleibt, sind tolle Erinnerungen und jede Menge gut erhaltene ältere Ski-Klassiker (Freestyle, Langlauf), die Schiemenz damals von seinen Sponsoren erhalten hatte. Wer Interesse daran hat, kann sich bei Hans Schiemenz via E-Mail melden unter hajotes@gmx.net.

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