Der Frankfurter Jürgen Engel über den wachsenden Trend, sich persönlich weiterzubilden

Experte für Gewaltfreie Kommunikation: „Aufhören, anderen die Schuld zu geben!" 

Selbst vermeintlich harmlose Sätze können einen großen Streit entfachen. Das ist auch eine Form von Gewalt. F: panthermedia.net/ Wavebreakmedia Ltd

Region Rhein-Main - Seit mehr als zehn Jahren gibt Kommunikationstrainer Jürgen Engel aus Frankfurt Seminare zum Thema „Gewaltfreie Kommunikation“. Für ihn steht fest: Die Gruppe der Menschen, die sich persönlich weiterentwickeln wollen, wächst stetig.

Sätze wie: „Was glaubst du eigentlich, wer du bist?!“, „Musst du deine Socken überall liegen lassen?!“ oder auch „Du bist wie deine Mutter!“ sind der Killer für jedes vernünftige Gespräch. „Wer als Ziel einen Streit entfachen will, ist damit auf dem besten Weg“, sagt Jürgen Engel, Experte für „Gewaltfreie Kommunikation“. Seit zehn Jahren gibt der Frankfurter Seminare zu diesem Thema. Der Knackpunkt der Methode sei: Jeder solle sich bewusst sein, dass er selbst für sein Leben verantwortlich ist.

Kommunikationstrainer Jürgen Engel

 „Wir müssen aufhören, anderen die Schuld für unser Unglück zu geben“, bringt er es auf den Punkt. Leider sei der Istzustand der überwiegenden Meinung der Menschen: „Die anderen sind schuld!“ Aber das sei auch völlig normal, sagt Engel. „Diese Menschen sind nicht doof. Sie haben es von den Eltern nicht anders gelernt. Und auch die ganze Umwelt suggeriert uns nach wie vor, es sei eine gute Idee, sein Glück im Außen zu suchen.“ Der falsche Gedanke sei: Wenn sich alle so verhalten, wie ich es gerne hätte, dann geht´s mir endlich gut. „Aber das ist großer Quatsch, denn niemals werden sich alle so verhalten, wie ich es möchte. Also brauche ich eine andere innere Haltung in mir.“

Persönlichkeitsentwicklung boomt

Immer mehr Menschen werde das bewusst. Deshalb sehe er eine extrem wachsende Gruppe an Leuten, die neue Erkenntnisse in der Persönlichkeitsentwicklung haben wollen. „Warum werden sonst Seminare an jeder Ecke angeboten? Es gibt einen großen Markt. Und wie in jedem Markt ist natürlich nicht alles gut“, sagt er. Jeder sollte genau schauen, wem er sich anvertraut und welche Bücher er liest. Aber es sei definitiv ein großer Hunger für diese Themen zu beobachten. Zum kostenfreien Seminar, das Engel im Herbst 2018 in Bergen-Enkheim gab, kamen mehr als 60 Menschen.

Hinter jeder Handlung steht ein Bedürfnis

Als Parade-Beispiel für eine veränderte innere Haltung nennt er die rote Ampel. „Ich kann mich aufregen, wenn die Ampel rot ist. Andererseits kann ich die Zeit nutzen, um mir Gedanken über ein bevorstehendes Gespräch zu machen oder entspannt Musik hören. Die rote Ampel selbst hat keine Macht, etwas in mir auszulösen.“ Und das funktioniere mit dem Umgang von Menschen genauso. Auch wenn das gesamte Spektrum der „Gewaltfreien Kommunikation“ sehr umfangreich ist und stundenlange Seminarabende füllt, ist laut Engel das Entscheidende: „Hinter ausnahmslos jeder Handlung und Aussage steht ein gewisses Bedürfnis, das erfüllt werden will.“ Und in einem Gespräch gelte es, herauszufinden, welches Bedürfnis der andere hat. Das könne Liebe, Anerkennung oder, wie im Fall der herumliegenden Socken, das schlichte Bedürfnis nach einem schön aufgeräumten Zimmer sein.

Weitere Infos: www.seminargourmets.de

Oliver Haas

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