Gratis-Eintritt für Kinder: Chef der Frankfurter Bäderbetriebe über Kosten und Nutzen

„Wir haben keinen Grund, in Panik zu geraten“

Kinder bis 14 Jahre schwimmen in Frankfurts Bädern kostenfrei: Anfang Februar gaben OB Peter Feldmann und Sportdezernent Markus Frank im Rebstockbad den Startschuss für das Projekt, das bundesweit für Aufsehen gesorgt hatte. Fotos: Stadt Frankfurt/ BäderBetriebe Frankfurt GmbH/ nh

Seit Februar dürfen Kinder bis 14 Jahre die Frankfurter Schwimmbäder gratis besuchen. Boris Zielinski, Geschäftsführer der Bäderbetriebe Frankfurt, zieht eine erste positive Bilanz und verrät, warum ihm vor dem Ansturm im Sommer nicht bange wird. Von Dirk Beutel

Herr Zielinski, für alle Kinder bis einschließlich 14 Jahren gilt seit Februar freier Eintritt in Frankfurter Schwimmbädern, auch wenn sie nicht in Frankfurt leben. Mit welchen Folgen rechnen Sie?

Das Projekt läuft seit 1. Februar in unseren Hallen- und Freizeitbädern, seitdem sammeln wir erste Erfahrungen. Es war auch gut, dass das Projekt schon so früh angelaufen ist, denn dadurch konnten wir frühzeitig entsprechende Besucherentwicklungen erkennen.

Wie sehen die aus?

Seit Februar haben rund 70.000 Kinder unsere Bäder besucht. Im gleichen Zeitraum hatten wir im vergangenen Jahr bei den gesamtermäßigten Besuchern lediglich 50.000. Das zeigt schon einen enormen Anstieg und wir sehen, dass dieses Angebot sehr gut angenommen wird. Aber nicht nur bei den Kindern, sondern insgesamt steigen unsere Besucherzahlen. Mit Blick auf die Freibadesaison erwarten wir natürlich im Sommer einen weiteren Anstieg. So soll es auch sein. Wir wollen ja, dass möglichst viele Gäste in die Freibäder kommen und das Angebot nutzen, wann sie und vor allem so oft sie wollen.

Welche Auswirkungen wird der wahrscheinlich weiter steigende Besucherandrang auf die Personalplanung und sonstige Kosten haben?

Wo mehr Besucher sind, ist auch immer mehr zu tun. Unser Personal ist da schon gefordert, wobei alle einen großartigen Job machen. Wenn man sieht, dass wir derzeit an einem Sonntag im Rebstockbad bis zu 3000 Besucher haben, ist dies durchaus eine Herausforderung für unser Team. Aber samstags und sonntags ist stets deutlich mehr Betrieb als unter der Woche, das ist für uns keine Überraschung und so können wir dies mit der nötigen Erfahrung und Routine abwickeln. Zudem fragen wir die Kinder aktuell schon an der Kasse, woher sie kommen, wie alt sie sind und ob sie schwimmen können. Wir sehen aber jetzt schon: Es gibt mehr zu tun und zwar in allen Bereichen, aber prinzipiell haben wir alles gut im Griff.

Aber im Sommer wird ein Vielfaches mehr an Besuchern in die Bäder stürmen.

Davon gehen wir aus. Jedoch haben unsere Mitarbeiter bereits im vergangenen Sommer mit extremen Temperaturen und Besucheraufkommen bewiesen, dass wir diesen Ansturm ebenfalls meistern werden. Unser Personal ist top geschult und verfügt über eine jahrelange Erfahrung. Also kein Grund, in Panik zu geraten. Wir sind gut aufgestellt. Was neu sein wird, ist eine Mitgliederkarte für Kinder, die wir derzeit entwickeln.

Was hat es damit auf sich?

Wir möchten dadurch den Kinder einen kontrollierten undunkomplizierten Zugang in unsere Bäder ermöglichen. Aus diesem Grund werden von uns einige Daten zu den Kindern abgefragt. Jedes Kind kann diesen Mitgliedsausweis bekommen. Er soll wie ein Schülerausweis funktionieren, bei dem die Eltern ein Formblatt für ihr Kind ausfüllen und bestätigen. So haben wir zukünftig eine bessere Übersicht, wie viel Kinder und vor allem wie oft diese unsere Bäder nutzen.

Können Sie denn schon den Anteil der Nichtschwimmer-Kinder absehen, der seit Februar in den Bädern war?

Nein, leider können wir dies nur grob schätzen. Aber bei der Ermittlung hierbei soll uns zukünftig die Mitgliedskarte helfen.

Das bedeutet, die Personalstärke wird nicht erhöht?

Wir haben derzeit eine seriöse und professionelle Personaleinsatzplanung, die auf einem externen Gutachten beruht. Dass wir an der einen oder anderen Stelle zu gewissen Starklastzeiten unser Personal aus Gründen der Sicherheit aufstocken werden, ist nicht auszuschließen. Wie gesagt, die Sicherheit unserer Gäste hat immer Vorrang.

Und die dadurch verbundenen Mehrkosten?

Bei solchen Fragen bin ich stets zurückhaltend. Sollten Mehrkosten in diesem Bereich durch mehr Besucher entstehen, so können diese in der Regel natürlich auch durch die dem entsprechenden Mehreinnahmen ausgeglichen werden.

Wird sich dadurch an den Eintrittspreisen für andere Badbesucher etwas ändern?

Eine Preiserhöhung in den anderen Sektoren ist derzeit nicht geplant.

Wie geht man aber mit nichtschwimmenden Kindern zwischen zehn und 14 Jahren um, die ohne Eltern Ihre Bäder besuchen?

Hier gibt es keine Veränderung. Dieses Thema gab es schon vorher. Es kann natürlich sein, dass nun mehr Kinder kommen werden und natürlich dadurch auch mehr Kinder, die nicht schwimmen können. Deshalb müssen wir uns vielmehr daran machen, diesen Kindern das Schwimmen näherzubringen. Dafür arbeiten wir sowohl mit der DLRG als auch mit den Schulen und Vereinen eng zusammen, um die Angebote für Nichtschwimmer zu erweitern, zu verbessern und um neue Kurse anzubieten.

Alles in allem also eine Win-Win-Situation?

Für die Kinder und Familien sicherlich. Wir können sagen, dass wir der Herausforderung gewachsen sind, auch wenn wir uns in der Zukunft wahrscheinlich noch mit Themen beschäftigen müssen, die wir jetzt noch nicht absehen können.

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