Das war wieder mal nicht witzig

Von Axel Grysczyk

Keine Witze über Minderheiten, keine Verkleidungen mehr als Indianer, um nicht zu diskriminieren – Deutschland diskutiert darüber, wie korrekt man in der Narrenzeit sein muss. Die einen behaupten, Deutschland verkrampft.

Die anderen sind sich sicher, dass Herabwürdigung schon mit der Sprache und dem Witz beginnt.

Über allem steht, dass Witze von Kabarettist Bernd Stelter über Doppelnamen oder Witze über das dritte Geschlecht von Annegret Kramp-Karrenbauer einfach schlecht sind. Das ist das Problem. Und natürlich spielt es eine entscheidende Rolle, wer einen Witz erzählt.

Kalauert jemand über die eigene Community oder ist es jemand von außen, der diese Gemeinschaft womöglich verhöhnen will. Je nachdem, wie die Antwort ausfällt, erhält der Witz eine andere Färbung. Und deswegen macht’s natürlich einen Unterschied, ob sich Kramp-Karrenbauer über das dritte Geschlecht lustig macht oder beispielsweise Travestiekünstler Olivia Jones.

Die schlechte Qualität der Stelter- und Kramp-Karrenbauer-Witze ergibt sich auch daraus, dass sie versuchen, Gruppen dauerhaft lächerlich zu machen, obwohl die gesellschaftliche Entwicklung schon viel weiter ist. Zudem ist es ein Unterschied, ob ich beispielsweise über Trump oder über das dritte Geschlecht Witze mache. Denn Trump hat alles, was viele Minderheiten nicht haben: Er gehört der weißen, Hetero-Mehrheit in den USA an, hat Macht und Geld.

Jede Minderheit hat ein Recht auf Diskriminierung, hat einmal der Kabarettist Serdar Somuncu gesagt. Nur wenn eine Minderheit bewusst nicht diskriminiert wird, grenzt man sie wirklich aus. Daher: Macht über alle Witze, aber macht sie gut.

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