EXTRA TIPP-Wetterexperte Martin Gudd erklärt das Wetterphänomen

Wenn es kracht und blitzt: So entsteht ein Gewitter

Ein Blitz erleuchtet den Himmel, Donnergrollen folgt, Regen prasselt auf die Erde. Und in Rhein-Main kracht es oft besonders heftig. Aber wie entstehen Gewitter eigentlich? EXTRA TIPP-Wetterexperte Martin Gudd klärt auf. Von Julia Oppenländer

Region Rhein-Main – Gerade noch brütende Hitze und Sonnenschein, doch schon wenige Minuten später kann es heftig krachen: Ein Gewitter entlädt sich. Blitze schießen auf die Erde, es donnert. Das Naturschauspiel ist gleichermaßen faszinierend wie unheimlich. „Und jedes Gewitter ist erstmal gefährlich, vor allem Blitze sind unberechenbar“, sagt EXTRA TIPP-Wetterexperte Martin Gudd.

So entsteht ein Gewitter

„Damit sich ein Gewitter bildet, müssen verschiedene Faktoren gegeben sein. Zum einen muss genügend Feuchtigkeit in der Luft vorhanden sein“, sagt Martin Gudd. Sie entsteht zum Beispiel, wenn die Sonne Wasser im Boden verdunsten lässt. „Zum anderen muss ein Temperaturunterschied zwischen unteren und oberen Luftschichten bestehen.“ Die feuchtwarme Luft der unteren Schichten rauscht dadurch nach oben – es entsteht eine Gewitterwolke (Cumulonimbus).

So entstehen Blitz und Donner

In der Wolke treffen die wärmeren Wassertröpfchen auf Eiskristalle im kälteren Bereich. „Hier entsteht dann soetwas wie ein elektrisches Spannungsfeld“, sagt der Wetterexperte. „Ist das groß genug, entlädt sich die Spannung. Das sind dann die Blitze, die wir sehen.“ Sie entladen sich entweder zwischen Wolken oder zwischen Wolken und Erde. Im zweiten Fall rast der Blitz Richtung Erde. „Dabei verdrängt er die Luft und es entsteht eine Art Kanal. Knallt die Luft dann wieder zusammen, ist das der Donner, den wir hören.“

Wie weit ist ein Gewitter weg?

„Liegen zwischen Blitz und Donner mehr als zehn Sekunden, ist das Gewitter weiter weg“, sagt Martin Gudd. „Bei weniger als zehn Sekunden, ist das Gewitter nur rund drei Kilometer entfernt. Dann sollte man sich lieber in Sicherheit bringen, weil das Gewitter dann sehr schnell da sein kann.“

Hier gilt eine einfache Faustregel. Die Sekunden zwischen Blitz und Donner durch drei teilen – das ergibt die Anzahl der Entfernungskilometer. Bei zwölf Sekunden ist das Gewitter also etwa vier Kilometer entfernt.

So gefährlich sind Gewitter

Vor allem die Blitze sind für den Menschen gefährlich. „Sie sind in 99 Prozent der Fälle so stark, dass der Mensch getötet wird“, so der Wetterexperte. Außerdem sind sie unberechenbar. „Nicht immer schlagen sie an der höchsten Stelle ein!“ Jährlich werden noch immer etwa zwei bis drei Menschen getötet – 85 Prozent sind Männer. „Während Menschen Anfang des 20. Jahrhunderts vor allem montags bis donnerstags von Blitzen getroffen wurden, betrifft es heute vor allem Leute in ihrer Freizeit am Wochenende“, sagt Martin Gudd. Draußen sind sie besonders gefährdet: „Während eines Gewitters sollte man freie Flächen, Baumgruppen und natürlich auch Gewässer meiden. Wirklich sicher ist man eigentlich nur in Häusern oder auch im Auto, da das Metall den Blitz ableitet.“

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