Bio-Betrieb beschäftigt auch Behinderte / Hoffnungen ruhen jetzt auf der Stadt

Zu wenig Umsatz: Gärtnerei Bärengarten muss schließen

Praktikantin Ewelina Forys (rechts) und Mitarbeiterin Barbara Kuhnke sind traurig, dass die Gärtnerei Bärengarten zum 31. Dezember schließt. „So einen tollen Job finde ich nie wieder“, sagt Barbara Kuhnke, die seit 2012 in dem Betrieb gearbeitet hat. Foto: Bräutigam

Die Gärtnerei Bärengarten, das Vorzeigeprojekt des Frankfurter Beschäftigungsbetriebs, steht vor dem Aus: Zu wenige Kunden kauften in dem Hofladen, der abgelegen an den Feldern von Oberrad liegt. Besonders die behinderten Mitarbeiter trifft die Schließung. Von Kristina Bräutigam

Frankfurt – Der kleine Hofladen der Gärtnerei Bärengarten ist gut gefüllt: Äpfel, Paprika, Brokkoli und Kohlköpfe liegen in den Kisten, alles frisch, direkt vom Feld in Oberrad. Wie lange Kunden hier noch einkaufen können ist unklar: Denn der Bärengarten, das Vorzeigeprojekt des Frankfurter Beschäftigungsbetriebs (FBB), in dem auch behinderte Menschen eine Arbeitsstelle gefunden hatten, steht vor dem Aus. „Leider müssen wir den Bärengarten zum 31. Dezember schließen“, sagt Herbert Fitterer, Geschäftsführer des FBB, auf EXTRA TIPP-Anfrage.

Erst Mitte September hatte er die Geschäftsführung des Integrationsbetriebs übernommen, nachdem Vorgänger Karl Wieß krankheitsbedingt ausgeschieden war. Beim Blick auf die Zahlen sei schnell klar geworden: Die Gärtnerei, in der behinderte und nicht behinderte Menschen zusammenarbeiten, ist nicht zu halten. „Das Konzept eines Inklusionsbetriebs war und ist toll. Aber die Einnahmen waren einfach zu gering“, sagt Fitterer.

Vor sechs Jahren hatte der FBB die Gemüsegärtnerei benommen. Damals ist der Bärengarten der erste Bioland-zertifizierte Betrieb im Frankfurter Raum. Doch die Umsätze sind von Anfang an schlecht, sagt der neue Geschäftsführer. „Das Ziel hätte sein müssen, nach zwei Jahren zumindest auf null zu kommen. Aber der Bärengarten hatte immer ein dickes Minus.“ Weil immer mehr Geld zugeschossen werden muss, um den Betrieb am Laufen zu halten, zieht der Geschäftsführer Ende Oktober die Reißleine. „Wir mussten uns schweren Herzens vom Bärengarten trennen. Andernfalls hätten wir den gesamten Betrieb gefährdet.“ Die Gründe für die fehlenden Umsätze sieht Fitterer vor allem in der Lage des Hofladens, der versteckt an den Feldern am Rande Oberrads liegt. „Wenn man ehrlich ist, war das ein totgeborenes Kind.“ Auch habe der Betrieb zu wenig getan, um den Bärengarten zu vermarkten. Nicht mal ein Schild gebe es, das auf den Hofladen hinweist, die Inklusionsidee sei nicht öffentlichkeitswirksam verbreitet worden.

Laut Geschäftsführer habe der FBB zumindest alle behinderten Angestellten neu unterbringen können. Die Trauer ist trotzdem groß: „Das war ein Traumjob für mich. So was finde ich nicht noch mal“, sagt Barbara Kuhnke, die seit 2012 im Bärengarten gearbeitet hat. Statt auf den Feldern zu säen, müsse sie nun wahrscheinlich zurück in die Reha-Werkstatt. „Wir sind alle sehr traurig“, sagt sie.

Wie es mit dem Bärengarten ab Januar weitergeht, ist ungewiss. Der FBB war lediglich Pächter der Gärtnerei und der dazugehörigen Felder, Eigentümerin ist die Stadt Frankfurt. Ob sie den Bärengarten mit neuem Pächter weiterbetreiben will, ist unklar. „Wir hoffen natürlich, dass die Gärtnerei am Leben erhalten wird. Aber das werden die Gespräche mit der Stadt zeigen“, sagt Fitterer.

Der Hofladen soll bis Dezember offen bleiben, Bestellungen mit Lieferungen werden voraussichtlich bis Ende November ausgeführt. „Alles andere liegt nicht in unserer Hand“, sagt der FBB-Geschäftsführer.

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