Wanderung beginnt: Unsere Kröten tragen Drogen auf dem Rücken!

Eine Erdkröte wird von Helfern begutachtet. Auf ihrem Rücken befindet sich ein Schleim, der Hautgifte der Gattung Bufadienolide enthält, die dem Fingerhutgift ähneln. Foto: Péter Gudella/panthermedia.net

Kaum steigen die Temperaturen in den Abendstunden über fünf Grad, setzen sich die Erdkröten auf der Suche nach ihrem Laichgewässer in Bewegung – auf dem Rücken tragen sie eine gefährliche Fracht!. Von Christian Reinartz

Region Rhein-Main – Bufotenine und Bufadienolide sind Substanzen, die es in sich haben. Sie steigern den Blutdruck, lähmen die motorischen Zentren von Gehirn und Rückenmark oder hemmen die Herztätigkeit. Hört sich nach exotischem Froschgift an? Von wegen! Beide Substanzen sind auf dem Rücken der heimischen Erdkröten zu finden, die gerade ihre Wanderungen in Rhein-Main begonnen haben.

Während die Hautgifte vor allem Fressfeinde in die Flucht schlagen sollen, können die Kröten auch für Menschen gefährlich werden. Biologe Berthold Langenhorst vom Naturschutzbund Hessen weiß: „Vor allem empfindliche Menschen reagieren auf das Krötengift mit Hautreizungen an den Händen.“ Eine echte Gefahr gehe davon jedoch nicht aus. Langenhorst rät trotzdem, erstmal Handschuhe anzuziehen, bevor man eine Kröte berührt.

Währenddessen gibt es aber offenbar auch Krötenliebhaber, die das Gift der warzigen Tiere anderweitig nutzen: Als Droge! In einschlägigen Internetforen tauschen sich Liebhaber über den Konsum des Erdkrötengiftes aus. Demnach wird die Droge durch Abmelken des Krötensekrets gewonnen. Die Tiere sollen dabei angeblich keinen bleibenden Schaden zurückbehalten und können einmal pro Monat gemolken werden. Danach wird das Sekret getrocknet und geraucht, heißt es etwa auf der Seite „Drogen Wikia“. Wie gefährlich diese Praxis ist, kann niemand verlässlich einschätzen. Nur eines ist gewiss: Am Fingerhutgift Digitalis kann man schnell den Herztod sterben. Und das Erdkrötengift soll eine ähnliche Wirkungsweise haben.

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