Anwohnern stinkt’s: Wegen neuer Haftungsregelung meiden Müllfahrer enge Straßen

Volle Tonnen, weil das Müllauto nicht durchkommt

Müllautos dürfen nach neuer Regelung nicht mehr rückwärts fahren. Ist eine Straße zu schmal, fahren die Fahrer gar nicht erst in die Straße hinein. Foto: rf

Wenn die Müllabfuhr zugeparkte Straßen nicht anfahren kann, bleiben die Tonnen voll. Das nervt viele Anwohner. Der Ortsbeirat fordert die Frankfurter Entsorgungsbetriebe auf, schmalere Müllautos anzuschaffen. Doch das sei nicht wirtschaftlich. Von Rebekka Farnbacher

Frankfurt – Jeden Morgen Millimeterarbeit und ein großes Risiko: Das Müllauto der Frankfurter Entsorgungsbetriebe (FES) kämpft sich durch die engen Straßen in der Kuhwaldsiedlung in Bockenheim. Wie in fast allen Siedlungen in der Stadt sind die Straßen zugeparkt. Die Autos nicht zu beschädigen, ist für die Fahrer eine große Herausforderung. „Es kommt immer mal wieder zu Unfällen mit parkenden Autos“, sagt FES-Sprecher Stefan Röttele. „Frankfurt ist eine wachsende Stadt, auch beim Verkehr. Da wird es oft eng. Mit diesem Problem haben wir täglich zu tun.“

Das hat Folgen: Denn manchmal fährt die Müllabfuhr gar nicht erst in die Straßen hinein, wenn das Risiko eines Unfalls zu groß ist. Dann müssen die Tonnen nachträglich geleert werden. „Das kann am nächsten Tag sein. Im Extremfall kann das aber auch eine Woche dauern“, sagt Röttele.

Und das stinkt den Anwohnern. Laut Ortsbeirat 2, der für Bockenheim und das Westend zuständig ist, kommt es immer wieder zu Beschwerden. „Der Unmut der Anwohner steigt und die Stadt vermüllt“, heißt es in einem schriftlichen Appell an die Stadt, das Problem der Müllabfuhr endlich zu lösen. Denn dieses sei lange vorhersehbar gewesen. „Der Ortsbeirat hat bereits 2013 auf das Problem hingewiesen“, sagt Ortsbeiratsmitglied Peter Scheurich. Doch es seien bloß zwei schmale Müllfahrzeuge mit 2,30 Metern Breite statt der sonst üblichen 2,55 Meter angeschafft worden und diese reichten für die vielen Problemstraßen nicht aus. Die sogenannte Branchenregelung für die Abfallwirtschaft verbiete nämlich die Einfahrt, wenn ein Seitenabstand von 50 Zentimetern zu den Autos nicht eingehalten werden kann. Seit einer Neuerung Anfang 2017 müssen die Fahrer außerdem vermeiden, rückwärts zu fahren, da das ein größeres Unfallrisiko birgt. „Die Fahrer der Entsorgungsfahrzeuge weigern sich teilweise, die Straße zu befahren, da sie für Schäden, die dadurch entstehen, persönlich haften“, schreibt der Ortsbeirat. Dadurch komme es immer wieder vor, dass die Mülltonnen über Wochen nicht ordentlich geleert werden.

Der Ortsbeirat schlägt daher vor, dass die FES schmalere Müllautos mit einer Breite von zwei Metern anschafft. FES-Sprecher Röttele hält das jedoch nicht für wirtschaftlich umsetzbar. „Kleinere Fahrzeuge bedeuten weniger Volumen. Das bedeutet mehrere Fahrten und höhere Kosten.“ Dennoch müsse man sich auf die verschärften Regelungen einstellen. Das Entsorgungsunternehmen prüft zusammen mit der Stadt derzeit alle Straßen in Frankfurt. Um das Einfahren für die Müllabfuhr weiterhin zu ermöglichen, müssen womöglich Parkverbote verhängt oder Poller entfernt werden. „Wir betreiben einen hohen Aufwand, um Lösungen zu finden“, sagt Röttele. In bestimmten Straßen müssen eventuell Sammelstellen für die Müllabholung eingerichtet werden. Für die Bürger bedeute das aber keinen Mehraufwand. „Die FES-Mitarbeiter holen die Tonnen ab und bringen sie auch wieder zurück.“

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