Zu viele Bewerber: Rhein-Mains Schrebergärten sind ausgebucht

Keine freien Gärten: Thomas Langsdorf (links) und Vorsitzender Wolfgang Bauer von den Gartenfreunden Heylandsruhe müssen immer wieder Bewerber vertrösten. Foto: kb

Ein Haus mit Garten können sich in Rhein-Main die Wenigsten leisten. Immer mehr Städter wollen deshalb einen Kleingarten. Doch ob Frankfurt, Bad Homburg oder Offenbach: Die Vereine haben keine Gärten frei. Für die Bewerber heißt es warten – oft bis zu fünf Jahre. Von Kristina Bräutigam

Region Rhein-Main – Es gab Jahre, in denen auf dem Gelände der Gartenfreunde Heylandsruhe in Offenbach Gärten leer standen. Kleingartenvereine galten als Inbegriff deutscher Spießigkeit; die Jungen überließen den Alten die Lauben. Doch diese Zeiten sind vorbei. „Wir haben keinen einzigen Garten frei. Die Nachfrage ist sehr hoch“, sagt Wolfgang Bauer, Vorsitzender der Gartenfreunde Heylandsruhe. Vor allem Familien mit Kindern wollen plötzlich wieder säen, pflücken und abseits des Großstadtrubels im Grünen entspannen. Doch der Boom hat einen Haken: Es gibt keine freien Gärten! „Bei uns stehen zurzeit zwölf Bewerber auf der Warteliste. Bis zu zwei Jahre muss man schon rechnen“, sagt Wolfgang Bauer. Die meisten Vereinsmitglieder geben ihr eigenes Stückchen Erde nur ungern auf, weiß der Vereinschef. Höchstens aus Altersgründen oder wenn ein Umzug ansteht. „Und viele geben ihren Garten innerhalb der Familie weiter.“

Nicht nur in Offenbach werden die Vereine überrannt: „Verglichen mit ländlichen Regionen in Hessen ist die Lage im Ballungsraum Rhein-Main angespannt. Es gibt so gut wie keinen Verein, der freie Gärten im Angebot hat“, sagt Reinhold Six, Vorsitzender des Hessischen Landesverbands der Kleingärtner, der aktuell 313 Kleingartenvereine mit 33.731 Kleingärtnern betreut. Vor allem Eltern, die in der Stadt leben, wollen ihren Kindern die Natur wieder näherbringen; zeigen, wo die Tomate wächst oder wie sich der Kürbis zubereiten lässt. „Dieses Umdenken hat uns wirklich einen Boom beschert“, so Six.

Frankfurt ist mit 112 Vereinen und mehr als 15.000 Vereinen Hessens Kleingärtner-Hochburg. Leerstand? Fehlanzeige. Allein beim Kleingärtnerverein Taunusblick in Zeilsheim stehen aktuell 20 Bewerber auf der Warteliste. Ein paar freie Gärten gibt es zwar, allerdings haben die keinen Stromanschluss. „Alle anderen sind jedes Mal sofort weg“, sagt Vorsitzende Gertrud Ringelstetter. Selbst Geld wurde dem Verein schon geboten, um schneller an einen Garten zu kommen. Ohne Erfolg. „Es geht immer der Reihe nach. Wir sind nicht bestechlich“, sagt die Taunusblick-Chefin.

Der Kleingartenverein Bad Homburg kann sich vor Anfragen ebenfalls kaum retten. Besonders zu Beginn des Gartenjahres im März/April ist die Sprechstunde voll. „Dann stehen hier schon mal zehn bis zwölf Bewerber auf der Matte“, sagt Vorsitzende Helga Frank. Gleiches Bild auch im Main-Kinzig-Kreis: Laut Anita Herbert, Vorsitzende des Kreisverbands Hanau der Kleingärtner, führen alle 21 Vereine Wartelisten.

Besonders viel Geduld brauchen Bewerber, die im Kleingartenverein Schilflache in Dietzenbach einen der 72 Gärten pachten möchten. Aktuelle Wartezeit: Zwischen drei und fünf Jahren. Einige Bewerber hätten es bereits bei anderen Vereinen versucht und auch kein Glück gehabt gehabt, sagt Vorsitzende Heike Breuksch. „Einige sind schon sehr verzweifelt.“

Damit auch der Richtige einen der begehrten Gärten bekommt, prüfen die Vereine jeden Neu-Pächter auf Herz und Nieren: „Die Bewerber müssen begründen können, warum sie einen Garten wollen. Wer denkt, wir sind ein Freizeitpark zum Grillen und Feiern, ist fehl am Platz“, sagt Gertrud Ringelstetter. Jeder zukünftige Kleingartenbesitzer müsse – wie in allen Kleingartenvereinen – zunächst Mitglied im Verein werden, außerdem muss eine Abstandszahlung für die Laube gezahlt werden. Und noch etwas ist Grundvoraussetzung: Der Bewerber muss Deutsch sprechen. „Wir haben 14 Nationen im Verein. Aber für ein friedliches Miteinander ist die Sprache nun mal wichtig. Allein schon, um das Bundeskleingartengesetz zu verstehen“, sagt Ringelstetter. Auch Bewerber, die im KGV Bad Homburg ein Gartengrundstück pachten möchten, müssen Deutsch beherrschen. Eine Chinesin, die einen Garten suchte, schickte Helga Frank weg, weil sie kein Wort Deutsch konnte. Nach einem Jahr kam sie wieder, konnte die Sprache – und ist heute glückliche Kleingärtnerin.

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