Zu viel Stress: So helfen Experten bei Zähneknirschen

Immer mehr Menschen knirschen mit den Zähnen. Häufigste Ursache ist zu viel Stress, sagen Experten. Im EXTRA TIPP spricht Prof. Olaf Winzen von der Landeszahnärztekammer Hessen über Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten.

Region Rhein-Main – Laute Geräusche, Lichtbelastung, Menschenmengen auf dem Weg von und zur oder während der Arbeit – das alles bedeutet Stress. „Um den zu kompensieren, knirschen viele Menschen dauerhaft mit den Zähnen, nachts und tagsüber“, sagt Prof. Olaf Winzen von der Landeszahnärztekammer Hessen. Das schade nicht nur den Zähnen, weil Zahnsubstanz auf der Oberfläche abplatzt – Betroffene klagen oft auch über Kopfschmerzen und Muskelverspannungen. „Dabei handelt es sich aber erst mal um Symptome, die genaue Ursache fürs Zähneknirschen muss dann der Zahnarzt finden.“

Auf dem Weg zur Diagnose

Der Zahnarzt diagnostiziert das Zähneknirschen anhand eines Fragebogens. Erste Hinweise liefert der Blick in den Mund. Dabei werden Kaumuskulatur und Biss geprüft. „Dann braucht der Patient einen Befund und eine Diagnose“, sagt Olaf Winzen. Von den Krankenkassen übernommen werden diese allerdings nicht.

Die Behandlung des Knirschens erfolgt dann entsprechend der Diagnose. „Das Zähneknirschen selbst ist nicht spontan heilbar. Linderung bringt allerdings eine Kauschiene“, sagt Winzen. Außerdem arbeiten fachübergreifend Zahnärzte, Orthopäden, Physiotherapeuten sowie Yoga- und Pilates-Lehrer eng zusammen. Erst bei andauernden Symptomen sollten weitere Fachtherapeuten, wie Psychotherapeuten aufgesucht werden.

Behandlungsmöglichkeiten

Entspannungsübungen/Sport

„Sobald ein Patient merkt, dass er Stress hat, empfehlen wir oftmals einfache Dinge wie Fahrradfahren, Schwimmen oder Wandern, auf die Ernährung zu achten und sich einfach mehr zu bewegen, um so den Stress abzubauen“, sagt Prof. Winzen. „Und auch wenn’s entspannt: Rauchen und Alkoholtrinken sind nicht gut für die Gesundheit.“ Außerdem gibt es einfache Entspannungsübungen, die von Zahnärzten empfohlen werden: Betroffene können zum Beispiel den Kiefer hin- und herschieben, öffnen und schließen oder einen kleinen Gegenstand längs zwischen die Vorderzähne stecken, um ihn geöffnet zu halten.

Psychotherapie

Diese Behandlungsart kann hilfreich sein, wenn das Zähneknirschen psychische Ursachen hat. Darunter fallen zum Beispiel Angststörungen oder Depressionen. „Ein Großteil der Patienten braucht aber keine Psychotherapie“, sagt Winzen. „Vor allem nicht, wenn die Ursache des Knirschens Stress ist. Dann sind andere, einfachere Behandlungsmethoden oft sinnvoller.“

Yoga und Pilates

„Yoga und Pilates empfehlen wir Stresspatienten ganz oft“, sagt der Experte. „Manchmal brauchen sie dann nämlich gar keine weitere Behandlung.“ Beides kann Stressabbau fördern – eine Diagnose vorab schließt das aber nicht aus.

Botox

Botox als Nervengift ist bei einem Großteil der Patienten nicht nötig, wird aber oft angewendet. Kurzzeitig hilft Botox zwar, die eigentlich Ursache der Schmerzen wird aber nicht bekämpft. „Nach etwa drei, vier Wochen kommen die Schmerzen wieder zurück“, sagt der Experte.

Biofeedback-Verfahren

Dabei tragen Patienten nachts ein Gerät mit Elektroden auf der Haut. Dieses misst die Muskelanspannung des Kiefers und gibt beim Zähneknirschen ein akustisches Signal ab. Das soll vom Knirschen abhalten. „Dieses Verfahren wird oft von denjenigen empfohlen, die sich mit Naturheilkunde beschäftigen. Es ist aber nur hilfreich, wenn die Ursache des Zähneknirschens eine Störung zwischen Muskeln und Nerven ist“, sagt Olaf Winzen.

Von Julia Oppenländer

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