Zu viel Arbeit: Stromversorger bearbeitet Kündigung nicht!

Jörg Drechsler hat seinen Vertrag mit der EnBW per Fax kündigt. Doch das Unternehmen behauptet, die Kündigung sei verloren gegangen. Foto: nh

Obwohl Jörg Drechsler rechtzeitig seinen Stromvertrag gekündigt hat, wird er von seinem Energieversorger immer wieder vertröstet. Mal soll die Kündigung verloren gegangen sein, mal sind die Mitarbeiter überlastet. Von Anna Scholze

Für Drechsler ein klarer Fall: „Die haben gehofft, dass ich aufgebe und Kunde bleibe. “.

Otzberg – Im November bekommt Jörg Drechsler die Nachricht, dass sein Stromanbieter den Beitrag erhöhen will. Für ihn steht fest: Er will von seinem Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen und zum 1. Januar aus seinem Vertrag raus. Er verschickt die Kündigung per Fax, inklusive Fax-Bestätigung. Doch die Energie Baden-Württemberg (EnBW) lässt ihn warten. Drei Wochen später hat der Otzberger immer noch keine Kündigungsbestätigung. Drechsler hakt nach. „Zunächst hieß es, das Fax sei angekommen und ich solle mich noch ein wenig gedulden“, sagt der 46-Jährige. Kurze Zeit später wird ihm plötzlich mitgeteilt, die Kündigung sei verloren gegangen und er solle sie noch einmal per E-Mail schicken. Drechsler erledigt das sofort. Doch eine Bestätigung von der EnBW erhält er wieder nicht. Als er nachfragt, wird er erneut vertröstet, man habe momentan keine Zeit und zu wenige Mitarbeiter, um sein Anliegen zu bearbeiten, schildert er das Gespräch. In der Zwischenzeit meldet sich sein neuer Versorger, die Mainova, bei Drechsler. „Sie haben mir gesagt, dass mein Vertrag nicht zustande kommen kann, da ich bei meinem alten Anbieter nicht gekündigt habe“, sagt Drechsler.

Wieder greift er zum Telefon. Nun lautet die Antwort der EnBW, er solle sich keine Sorgen machen, es ginge schon alles seinen Gang. Wirklich ernst genommen fühlt sich Drechsler aber nicht. „Die haben gehofft, dass ich irgendwann aufgebe und Kunde bleibe“, ist er sich sicher. Drechsler geht die Geduld aus. Während eines Anrufes zwischen den Jahren verlangt er einen Vorgesetzten. Kurz darauf lässt der Stromanbieter Drechsler aus dem Vertrag, jedoch nicht zum 1. Januar, wie von ihm gefordert, sondern zum 9. „Die Begründung war, ich hätte nicht fristgerecht gekündigt“, sagt er. Froh darüber, bald kein EnBW-Kunde mehr zu sein, nimmt er die neun zusätzlichen Tage widerstandslos in Kauf.

Peter Lassek von der Verbraucherzentrale Hessen kennt die Tricks der Stromversorger genau. „Verzögerungen beim Stromanbieterwechsel kommen regelmäßig vor.“ Allerdings seien ihm solche Fälle eher bei kleineren Unternehmen bekannt, die schnell mal ihren Nahmen wechseln, wenn sie in Verruf geraten. Beschwerden über die großen Anbieter, gebe es bisher nicht. Als der EXTRA TIPP bei der EnBW anruft, erklärt Pressesprecherin Dagmar Jordan die Verzögerung in Drechslers Fall mit der vielen Arbeit am Jahresende. „Es gab viele Kunden, die nach der Beitragserhöhung im November von ihrem Sonderkündigungsrecht Gebrauch gemacht haben“, sagt Jordan. Außerdem müsse sich das Unternehmen an die Netzabmeldungsfristen halten. Nun will die EnBW doch noch auf Jörg Drechsler zugehen. „Es tut uns leid und wir werden uns bei Herrn Drechsler wegen der Sache melden.“

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