Großbetriebe schwächen kleine Läden

Letztes veganes Restaurant in Frankfurt schließt!

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Momo Brückmann und David Schröder vom letzten verbliebenen veganen Restaurant Frankfurts, dem Chimichurri. Doch das schließt. 

Frankfurt – Vor vier Jahren gab es in Bornheim einen veganen Boom: Innerhalb kürzester Zeit eröffneten fünf vegane Läden. Jetzt sind alle zu: Gestern hat auch das letzte verbliebene Restaurant geschlossen. Von Janine Drusche

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Sich Gedanken um Ernährung zu machen, ist in: Die einen wollen gesünder leben, andere das Leben anderer respektieren. Veganer wollen beides und verzichten deshalb komplett auf tierische Produkte. In den vergangenen Jahren wird diese Einstellung immer präsenter. Besonders in Bornheim steigt die Nachfrage nach einem veganen Angebot. Die Folge: Zwischen 2012 und 2015 eröffnen um die Bergerstraße fünf Läden mit rein veganem Angebot.

Die Restaurants Wondergood und Chimichurri werden von Anfang an gut besucht. Der vegane Supermarkt Veganz findet schnell Stammkunden und das Café Extravegant wird bekannt durch Snacks, Kaffee und Gebäck. Auch Bio-Metzger-Spahn eröffnet einen Laden nur mit veganen Produkten. Doch die Geschäfte, die so schnell aus dem Boden geschossen waren, sind jetzt schon wieder Geschichte. Das Extravegant schließt 2015, Bio-Spahn integriert das vegane Angebot wieder in den Metzgerladen, das Wondergood macht vergangenen November zu, der Supermarkt Veganz folgt im Januar 2017. 

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Ein halbes Jahr bleibt Veganern noch das Restaurant Chimichurri erhalten. Doch damit ist jetzt Schluss: Am Samstag wurde das Lokal zum letzten Mal geöffnet. Ab heute ist es vorbei mit veganen Restaurants in Bornheim. Die Gründe der Betreiber reichen von Um-Konzeptionierung über zu teure Bauarbeiten oder private Probleme. Aber was steckt dahinter? Waren die veganen Läden doch immer gut besucht und wird das Chimichurri in sozialen Netzwerken bereits Wochen vor dem Ende betrauert.

Statt Veggie-Laden Burger braten

Betreiberin Inge Marseiler schließe aus gesundheitlichen Gründen, wolle sich jedoch einem anderen Konzept – einem Burgerladen – zuwenden, verrät Mitarbeiter David Schröder. Vom veganen Angebot zum Fleisch: Dafür hagelt es nicht nur im Netz Entsetzen. „Wir Mitarbeiter sind traurig, wir haben hinter dem Konzept gestanden“, sagt auch Schröder. Aber warum der Wandel: Ist vegan sein out?

„Nein, das ist der Fluch der guten Tat“, sagt Wolfgang Adlwarth, Experte der Gesellschaft für Konsumforschung: „Erst waren vegane Läden wichtig, um das Angebot zu schaffen. Jetzt trägt sich ein rein veganes Geschäft nicht mehr. Die Produkte sind ja nun überall zu bekommen – im Restaurant wie im Discounter.“ Außerdem sei der vegane Trend abgeebbt, eher zur Norm geworden: „Es gibt nicht mehr den Zuwachs an Veganern wie zuvor.“ Die Zahl habe stagniert, sei seit Anfang 2017 rückläufig. „Das bedeutet nicht das Ende des Veganismus’, aber die Zahl der Anwender, rund zwei Prozent der Bevölkerung, wächst gerade nicht weiter.“

„Kundenwandel schwächt vegane Geschäfte“

Deshalb hat Metzger Michael Spahn die Notbremse für sein veganes Zweit-Geschäft gezogen: „Die Nachfrage nach veganen Produkten ist da, aber man kann nicht davon leben. Die Kunden wandeln sich. Manche sind Kurzzeit-Veganer, landen wieder beim Fleisch. Sie haben das Problem verstanden, fallen aber in ihre Sucht zurück“, sagt der 56-Jährige, der durch vegane Ernährung Zucker- und Cholesterin-Werte in den Griff bekommen hat: „Es ist schwer, bei diesem Umbruch Geschäfte zu machen, die einen nachhaltig am Leben halten.“ Auch machen Großfirmen kleinen Läden Konkurrenz: „Betriebe wie Rügenwalder reißen mit ihren alles abdeckenden Angeboten kleine in den Abgrund!“

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Das sieht Fabian Steinecke, Sprecher der Supermarktkette Veganz, ähnlich: „Supermärkte und Drogerien bieten mittlerweile eine so große Palette an veganen Produkten an, dass sich rein vegane Läden kaum mehr halten können. Die Kaufgruppe ist zu gering.“ Andererseits wolle man weg vom Hype, hin zur veganen Normalität: „Das ist eigentliche eine wünschenswerte Entwicklung“, sagt Steinecke.

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