Nachdem Zeil Kitchen auf tierfreie Speisen umsattelte, zieht Hummus Küch’ nach

Vegan ist zurück! Frankfurter Gastronomie wird wieder pflanzlicher

Hummus Küch´-Geschäftsführer Miki Lev-Ari zeigt seinen veganen Kebab-Teller. Er will ab 1. März ganz auf tierfreie Speisen umstellen – als zweiter Restaurantchef in Frankfurt. Foto: oh

Frankfurt – Als vor eineinhalb Jahren das letzte rein vegane Restaurant in Frankfurt geschlossen wurde, wurden Stimmen laut, dass dieser Trend bald zu Ende ist. Doch jetzt bieten ganz aktuell wieder gleich zwei Restaurants ihre ganze Speisekarte nur mit pflanzlichen Zutaten an. Weitere sollen folgen. Von Oliver Haas

„Das letzte reine vegane Restaurant in Frankfurt schließt!“ So hatte der EXTRA TIPP in seiner Ausgabe Mitte Juli 2017 getitelt. Nacheinander mussten alle fünf seit 2012 eröffneten rein veganen Restaurants ihre Pforten schließen. Fans tierleidfreier Gastronomie bekamen in Frankfurt einen herben Dämpfer. Online nachzulesen ist der Artikel auf

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. Doch jetzt scheint sich wieder etwas zu bewegen. Nachdem das Restaurant Zeil Kitchen vor vier Wochen auf rein vegan umstellte, zieht nun auch die bislang vegetarische Gaststätte Hummus Küch´ in Sachsenhauen nach. Ab 1. März sind dort Kuhmilch, Eier und Käse tabu. Geschäftsführer Miki Lev-Ari zählte eines Tages die Eier, die er für seine Gerichte pro Jahr verwendet und sei entsetzt gewesen. „Ich dachte: Mein Gott. So viele Eier. Mir wurde klar, dass ich auch als vegetarisches Restaurant die Tierleidindustrie genau so unterstütze, wie jedes andere Lokal.“ Deshalb habe er sich dazu entschlossen, Eier und Tiermilchprodukte komplett zu streichen.

Nir Rosenfeld, Inhaber des Restaurants Zeil Kitchen in der Frankfurter Innenstadt, habe Lev-Ari dazu ermuntert. Der Gastronom lebt seit anderthalb Jahren aus ethischen und moralischen Gründen vegan. In seinem Laden mitten auf der Zeil gab´s seit 2010 ganz „normal“ auch Fleischgerichte und Speisen aus Kuh-Milch. Doch damit ist seit vier Wochen Schluss. Der 48-Jährige hat seine komplette Speisekarte sozusagen veganisiert. „Ich konnte es mit meinem Gewissen nicht mehr vereinbaren, dass ich Tierprodukte anbiete“, sagt Rosenfeld. Umsatzgründe hätten dabei keinerlei Rolle gespielt. Sein Geschäft sei gut gelaufen. „Ich wollte natürlich nicht, dass der Umsatz weniger wird, aber das Ziel nach der Umstellung war nicht zwingend, mehr Geld zu verdienen.“ Doch schon nach wenigen Wochen passiert offenbar genau das. „Das Geschäft läuft bombig. Es ist viel besser, als ich gedacht habe“, sagt der dreifache Familienvater erleichtert. Denn er habe sich Sorgen gemacht, wenn er Tiergerichte von der Speisekarte nimmt, dass er Nicht-Veganer vielleicht vergraulen könnte, der Umsatz einbricht. Trotzdem kam für ihn nichts anderes mehr in Frage.

Nur 1,6 Prozent der deutschen Bevölkerung sind Veganer

Der Gedanke scheint berechtigt. Laut aktueller Studie ernähren sich 1,3 Millionen Menschen in Deutschland rein pflanzlich. Das sind magere 1,6 Prozent der Bevölkerung. Vor drei Jahren waren es noch 900.000 Veganer. Die Tendenz ist also leicht steigend. Trotzdem sind Veganer immer noch eine Mini-Gruppe unter potenziellen Kunden. „Aber auch die Nicht-Veganer besuchen nach wie vor mein Restaurant. Es gab bislang null Beschwerden. Entweder sagen sie nichts oder sie merken es gar nicht.“ Der Latte Macchiato schmecke offenbar mit Hafermilch genau so gut. Auch seine Fleischersatzprodukte, wie der „Beyond Burger“, seien beliebt. Er will zeigen, dass vegan essen nicht nur bedeutet, Kompromisse einzugehen, um Tierleid zu verringern. „Es ist kein Genussverzicht. Im Gegenteil. Meine ganze Familie isst vegan und wir essen sogar noch genussvoller als vorher.“ Der Gastronom will zwei weitere vegane Restaurants in Frankfurt eröffnen. Eines davon soll demnächst im Stadtteil Dornbusch erfolgen. Bereits jetzt schlemmen können Fans pflanzlicher Gastronomie in Rödelheim, wo der rein vegane Burgerladen Savory ebenfalls komplett auf Tierprodukte verzichtet. Und auch die Rohkosteria in der Berger Straße bietet nichts vom Tier an.

Eine Veganerin will Hasen retten - als ein irrer Farmer seine Waffe zückt, beginnt für die Aktivistin ein schlimmer Albtraum. Über den Vorfall berichtet extratipp.com*.

Lesen Sie auch den Kommentar von EXTRA TIPP-Redaktionsleiter Axel Grysczyk zu diesem Thema: Markt regelt die Gastro-Angebote  

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