Ordnungsamt will Fall prüfen

Strafe für unleserliches Kennzeichen: Offenbacher soll 55 Euro für ungültige Umweltplakette zahlen

Weil das Kennzeichen auf seiner grünen Umweltplakette verblasst ist, kassiert Bernhard Nikolai ein Bußgeld von 55 Euro.

Weil das Kennzeichen auf seiner grünen Umweltplakette verblasst ist, kassiert Bernhard Nikolai ein Bußgeld von 55 Euro. Der 59-Jährige fühlt sich ungerecht behandelt und legt Widerspruch ein. 

Region Rhein-Main – Der blaue Strafzettel am Scheibenwischer seines roten Audi 80 hatte Bernhard Nikolai schon stutzig gemacht. Schließlich hatte er seinen Wagen korrekt auf einem öffentlichen Parkplatz in Offenbach-Bürgel abgestellt. Ein paar Tage später erfährt der 59-Jährige den Grund per Brief: Das auf seiner grünen Umweltplakette angegebene Kennzeichen stimme nicht mit dem tatsächlichen überein. Weil es sich hierbei um ein Umweltvergehen handele, verlangt das Ordnungsamt ein Bußgeld in Höhe von 55 Euro. Nikolai fühlt sich ungerecht behandelt: „Ich stand wie der Ochs’ vorm Berg. Das Auto ist seit 2002 mit diesem Nummernschild zugelassen. Wie soll denn da ein anderes Kennzeichen auf die Plakette kommen?“

Fakt ist, dass die Kennzeichen-Angabe auf der Plakette deutlich verblast ist. Nur bei genauerem Hinsehen kann man die Umrisse des korrekt notierten Kennzeichens erkennen. Noch unbegreiflicher für den Offenbacher: „Ich habe also kein Umweltvergehen begangen. An meinem Auto ist alles ordnungsgemäß“, sagt er. „Wer achtet denn auf so etwas? Da wird doch in den Krümeln nach irgendwelchen Gründen für Bußgeldstrafen gesucht“, sagt Nikolai, der nur wenig später Widerspruch gegen die vorgeworfene Ordnungswidrigkeit einlegt.

Neue Plakette muss her

Auf EXTRA-TIPP-Nachfrage klärt Ordnungsamtsleiter Peter Weigand zunächst ein Missverständnis auf: „Früher wurden von den Zulassungsstellen die Kennzeichen mit einem Filzstift aufgeschrieben, die nach einer gewissen Sonneneinstrahlung allmählich verblasen. Und was nicht sichtbar ist, stimmt nicht mit dem tatsächlichen Nummernschild überein.“ Und für die Leserlichkeit ist im Grunde der Fahrzeughalter verantwortlich, wie der ADAC erklärt. „Wenn die Schrift durch Sonneneinstrahlung verblasst ist, muss eine neue Plakette erworben werden“, sagt Verkehrs-Experte Thomas Kramer. Aber könne nachgewiesen werden, dass dies auf die fehlende Verwendung eines lichtechten Stifts zurückzuführen ist, bestehe ein Anspruch auf kostenfreien Ersatz bei der zuständigen Ausgabestelle, wenn der Anspruch nicht bereits verjährt ist. 

Eine Verjährung tritt nach zwei Jahren ein. Kramer: „Auch uns wird berichtet, dass in einigen Gemeinden mit Umweltzonen Bußgelder verhängt werden, wenn das Kennzeichen in der Plakette nicht mehr lesbar ist. Wer mit einer Plakette mit ausgeblichenem Kennzeichen in eine Verbotszone einfährt, muss mit einem Bußgeld von 80 Euro rechnen.“ Dennoch plädiert der ADAC auf Bußgelder verzichten und erst einmal eine mündliche Verwarnung zu erteilen. Peter Weigand räumt zumindest ein, den Fall noch einmal zu überprüfen, sobald ihm der schriftliche Widerspruch Nikolais vorliegt.

Dirk Beutel

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