Verkehrsgesellschaft Frankfurt spricht von unglücklichem Fall

Vom Bus übersehen: Frankfurter an Haltestelle stehengelassen

Der Fahrer des Schienen-Ersatzbusses hat offenbar Herbert Seewald an der Haltestelle in der Rheinlandstraße in Schwanheim übersehen.
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Der Fahrer des Schienen-Ersatzbusses hat offenbar Herbert Seewald an der Haltestelle in der Rheinlandstraße in Schwanheim übersehen.
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Frankfurt – Herbert Seewald wurde an einer Haltestelle offenbar von einem Busfahrer glatt übersehen. Weil er noch versuchte, pünktlich auf der Arbeit zu erscheinen, nahm er sich ein Taxi. Die Kosten dafür will die Verkehrsgesellschaft jedoch nicht erstatten. Von Dirk Beutel

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Er muss unverschuldete Kosten übernehmen und kam obendrein zu spät zum Arbeitsplatz: Herbert Seewald ist sauer auf die lokale Nahverkehrsgesellschaft Frankfurt Traffiq. Was war passiert: In der Regel nimmt Seewald für seinen Weg zur Arbeit die Linie 12 Richtung Niederrad Bahnhof, um vor dort mit der S-Bahn zur Konstablerwache zu kommen. Da es aber Ende Oktober zu Bauarbeiten im Schienenverkehr kam, wurde ein Ersatzschienenverkehr an der nur wenige Meter entfernten Rheinlandstraße eingerichtet.

Seewald wollte den Bus um 20.59 Uhr nehmen. Der kam auch. Und donnerte ungebremst an dem Frankfurter vorbei. Der meldete den Vorfall prompt beim RMV-Servicetelefon und dass er sich nun ein Taxi nehmen müsse. Der Mitarbeiter nimmt die Einzelheiten auf und bittet Seewald sein Anliegen noch einmal in der Mobilitätszentrale an der Hauptwache vorzutragen. Das erledigt der Frankfurter und bittet um die Erstattung seiner Unkosten in Höhe von 24 Euro. In einem Schreiben räumt die Traffiq-Nahverkehrsgesellschaft ein, dass beim eingesetzten Schienenersatzverkehr unter Umständen auch Busunternehmen und Fahrer seien, die „nicht vor Ort ansässig sind“. Eine genauere Prüfung sowie eine Erstattung sei jedoch nicht möglich. Als kleine Entschuldigung erhielt Seewald eine Eintrittskarte für die Frankfurter Bäder.

Auf EXTRA TIPP-Nachfrage erklärt Traffiq-Sprecher Klaus Linek das Problem. Weil Seewald sich im Bus ein Ticket kaufen wollte, der aber an ihm vorbeirauschte, fällt er aus der sogenannten Zehn-Minuten-Garantie. „Das sind Regeln des Rhein-Main-Verkehrsverbundes, da können wir nicht ausbrechen“, sagt Linek. Hätte Seewald ein Ticket besessen und wäre mit einer Verspätung von mehr als zehn Minuten an seinem Fahrtziel angekommen, so hat er als Kunde, nach der freiwilligen Garantieerklärung des RMV, Anspruch auf Erstattung des Fahrpreises. Auch wenn er sich ab 21 Uhr ein Taxi nimmt, erstattet der RMV die Kosten bis maximal 25 Euro.

„Auch die Busfahrer sind Menschen. Und die machen manchmal Fehler.“

Selbst wenn die Fahrer von einer auswärtigen Firma zum Einsatz gekommen sind, werden alle Mitarbeiter für ihre jeweiligen Fahrtstrecken eingewiesen: „Die Fahrer kennen ihre Tour und die Haltestrecken. Wenn sie jemanden dort stehen sehen, halten sie an und nehmen die Person mit. Das ist ihr Job“, sagt Linek. Aber: „Auch die Busfahrer sind Menschen. Und die machen manchmal Fehler. Das kann vorkommen.“

Etwa 150 Fälle bei rund 230 Millionen Fahrgästen im Jahr hat die Frankfurter Nahverkehrsgesellschaft in diesem Jahr registriert, die sich um Vorfällen an der Haltestelle drehen. Ob und wie viele Fälle von Vorbeifahren aus Versehen darunter sind, konnte der Traffiq-Sprecher nicht sagen. „Das Ganze ist unglücklich gelaufen. Deshalb haben wir schnell reagiert und im Rahmen der Kulanz eine Eintrittskarte für die Frankfurter Bäder unserem Schreiben beigelegt“, sagt Linek. Für Horst Seewald ist das Bäder-Ticket dennoch ein Hohn: „Wäre ich gelaufen oder hätte auf den nächsten Bus gewartet, wäre ich noch später auf der Arbeit angekommen. Das ist im Schichtdienst fatal. Ich war also gezwungen, ein Taxi zu nehmen und jetzt bleibe ich auf meinen Kosten sitzen.“

Auch Christa Hees, ihr Mann Helmut und ihre Nachbarn sind schockiert. Die Buslinie 661, die von Langen nach Dreieich über Neu-Isenburg bis nach Offenbach fährt, wird gestrichen. Das stellt die Anwohner des Dreieicher Neubaugebietes vor eine Herausforderung.

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