Region ist deutschlandweit Spitzenreiter bei heißen Sommernächten

Tropennächte: Hitze bringt Rhein-Main um den Schlaf

Ein Mann kann bei der Hitze kaum schlafen – so geht es aktuell vielen Menschen in Rhein-Main. Foto: agapanthus/panthermedia.net

Rhein-Main ächzt unter der Hitze. Selbst in der Nacht sinken die Temperaturen vielerorts kaum. Und auch in den nächsten Monaten stehen wohl wieder einige Tropennächte bevor. Schuld daran ist auch der Bau-Boom in der Region. Von Julia Oppenländer

Region Rhein-Main – In dieser Woche hatte die erste Hitzewelle des Jahres Rhein-Main fest im Griff. Tagsüber kratzte die Temperaturanzeige mancherorts an der 40-Grad-Marke. Doch auch in der Nacht wälzten sich viele Menschen hin und her, konnten kaum einschlafen. „Sinkt die Temperatur selbst in der Nacht nicht unter 20 Grad, dann spricht man von sogenannten Tropennächten“, sagt Lars Kirchhübel, Meteorologe vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach. Sein Kollege Jens Bonewitz bestätigt: „Diese Woche hatten wir die ersten Tropennächte. In manchen Teilen Rhein-Mains, vor allem in Ballungsgebieten wie rund um Frankfurt, sank die Temperatur teilweise sogar nicht unter 25 Grad.“ Und auch EXTRA TIPP-Wetterexperte Martin Gudd sagt: „20 Grad und mehr nachts im Rhein-Main-Gebiet, das ist schon ‘ne Hausnummer.“ Eine Ausnahme sind die heißen Nächte leider nicht: Denn die Region ist bei den Tropennächten bundesweit sogar Spitzenreiter. In keiner anderen deutschen Stadt gab es im vergangenen Jahr so viele dieser heißen Nächte wie in Frankfurt – 13 meldete der DWD. Auch 2003 und 2015 registrierte die Messstation Frankfurt-Westend jeweils zwölf Tropennächte. Zum Vergleich: An den meisten DWD-Stationen gibt es im Mittel weniger als eine Tropennacht pro Jahr. Klar ist: „Seit der Jahrtausendwende haben wir in Rhein-Main deutlich mehr Tropennächte“, sagt Martin Gudd.

Schuld daran ist zum einen die natürliche Lage der Region in Flussebenen, sagt Lars Kirchhübel. „Damit befinden wir uns hier natürlich tiefer, sodass sich die Hitze gut stauen kann.“ Betroffen von den Tropennächten ist dann auch immer die Umgebung: Im Fall von Frankfurt die Hänge zum Taunus. „Im Tal sammelt sich nachts die Luft und kühlt sich noch etwas ab. Oben drüber ist sie aber meist noch etwas wärmer. Hat Frankfurt also 22 Grad in einer Tropennacht, haben Kronberg oder Königstein dann schnell 25 Grad“, sagt Wetterexperte Martin Gudd.

Doch das andere Problem ist auch von Menschen gemacht: Rhein-Main ist ein Ballungsraum mit einer extrem hohen Bebauungsdichte, dadurch bleibt die Hitze hier lange erhalten. Und die Städte wachsen weiter. Frankfurt plant zum Beispiel ein neues Wohngebiet im Nordwesten. Wie der BUND – Kreisverband Frankfurt auf seiner Webseite schreibt, befindet sich die Baufläche auf einem Kaltluftentstehungsgebiet, das versiegelt werden würde. Dadurch gebe es keine nächtlichen Winde mehr, die normalerweise für Abkühlung sorgen. Das bestätigt auch Lars Kirchhübel: „Wenn die Frischluftschneise aus dem Taunus zugebaut wird, dann werden wir künftig wohl noch mehr heiße Nächte in Frankfurt und Umgebung haben.“ Und diese Tropennächte sind gar nicht so ungefährlich. „Unser Körper braucht Ruhepausen. Bei tagsüber 40 Grad Außentemperatur arbeitet er mit Hochdruck daran, uns zu kühlen. Nachts sollte er sich eigentlich von dieser Arbeit erholen. Doch schlafen wir wegen der Hitze schlecht, hat das Auswirkungen auf die Konzentration, das Wohlbefinden und die Fitness – wir fühlen uns schlapp. Tropennächte verschärfen diese Situation dann sogar noch,“ sagt Lars Kirchhübel. Bis in den September hinein stehen Rhein-Main also auf jeden Fall noch ein paar heiße Nächte bevor, sagt auch Martin Gudd: „Die gesamte südeuropäische Region hat sich schon ziemlich aufgeheizt – da ist es nur noch ein Katzensprung für die heiße Luft, zu uns zu schwappen. Ich gehe stark davon aus, dass es im Juli und August noch einige Tropennächte gibt.“

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