Spitze am Wochenende

Trauriger Kokain-Rekord für die Rhein-Main-Region

+
Eine Frau zieht Kokain durch einen gerollten Geldschein.

Region Rhein-Main – In Frankfurt und Umgebung wird mehr gekokst als irgendwo sonst in Deutschland. Zumindest von Freitag auf Samstag. Dann erreichen die Rückstände im Klärwasser Spitzenwerte. Der EXTRA TIPP hat nachgefragt, warum das Koks in Rhein-Main so eine große Rolle spielt. Von Christian Reinartz

Eigentlich ist Dortmund die deutsche Stadt mit dem höchsten Durchschnittswert an Kokain im Abwasser. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie des „European Monitoring Centers for Drugs and Drug Addiction“. Doch Frankfurt, Offenbach und Teile des Taunus’ knacken diesen traurigen Rekord immer am Wochenende spielend. In der Zeit von Freitag auf Samstag wurden im vergangenen Jahr im Durchschnitt 578,86 Milligramm Kokain pro tausend Einwohner gemessen. Der absolute deutsche Spitzenwert!

Und auch europaweit liegt Frankfurt damit in den Kokainranglisten ganz oben. So gut wie keine Rolle spielen in Frankfurt dagegen andere Drogen. Sowohl Amphetamine, Methamphetamine und Ecstasy sind im Abwasser in Rhein-Main nur in relativ geringen Mengen vorhanden. In Sachen Kokain scheinen die Frankfurter dagegen zu Wochenendbeginn völlig die Kontrolle zu verlieren. Die Gründe dafür sind vielfältig. Zum einen gilt Kokain als Durchhalte-Droge der Finanzwelt. Es ist kein Geheimnis, dass sich viele in der Finanzbranche gerne mal „das Näschen pudern“, um konzentriert durcharbeiten zu können. Doch sind es wirklich die Banker, die nach 24 Stunden Dauereinsatz noch mal vor der After-Work-Party am Freitag eine Nase ziehen?

Ingmar Bolle, Referent von Frankfurts Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) sagt: „An dem ein oder anderen Klischee ist sicherlich etwas dran.“ Allerdings stellt er auch klar: „Gerade bei Kokain haben wir ein sehr hohes Dunkelfeld, an das wir mit unserer Drogenberatung gar nicht herankommen.“ Das Problem: Der Kokainkonsum geht mittlerweile durch alle gesellschaftlichen Schichten. „Da gibt es viele Leute, die ein ganz normales Leben führen, gutes Geld verdienen und nebenbei eben Kokain nehmen“, sagt Bolle. „Diese Menschen landen nie bei unserer Drogenhilfe, werden also folglich auch nirgendwo statistisch erfasst. Deshalb haben wir dazu keine gesicherten Daten.“

Sieben europäische Städtereisen für Individualisten

Anlaufpunkt nicht nur im Kulturhauptstadtjahr: das Kunstmuseum von Aarhus. Foto: Visit Aarhus/dpa-tdm
Anlaufpunkt nicht nur im Kulturhauptstadtjahr: das Kunstmuseum von Aarhus. Foto: Visit Aarhus/dpa-tdm © Visit Aarhus
Innsbruck bietet urbanes Leben inmitten schönster Alpenkulisse - das zeichnet die "Hauptstadt der Alpen" aus. Foto: Christof Lackner/Innsbruck Tourismus/dpa-tmn
Innsbruck bietet urbanes Leben inmitten schönster Alpenkulisse - das zeichnet die "Hauptstadt der Alpen" aus. Foto: Christof Lackner/Innsbruck Tourismus/dpa-tmn © Christof Lackner
Das trockengelegte Flussbett des Rio Turia führt Valencia-Besucher zur futuristischen Stadt der Künste und Wissenschaften. Die Metropole ist eine interessante Alternative zu Barcelona. Foto: Valencia Tourism Foundation/dpa-tmn
Das trockengelegte Flussbett des Rio Turia führt Valencia-Besucher zur futuristischen Stadt der Künste und Wissenschaften. Die Metropole ist eine interessante Alternative zu Barcelona. Foto: Valencia Tourism Foundation/dpa-tmn © Valencia Tourism Foundation
Talliin ist ein hübsches Städtchen mit einem mittelalterlichen Altstadtkern - und es gibt viele gute Restaurants. Foto: Philipp Laage/dpa-tmn
Talliin ist ein hübsches Städtchen mit einem mittelalterlichen Altstadtkern - und es gibt viele gute Restaurants. Foto: Philipp Laage/dpa-tmn © Philipp Laage
Rund um das Rathaus auf dem Marktplatz von Breslau ist immer viel Betrieb - es ist einer der schönsten Orte der polnischen Stadt. Foto:Andreas Heimann/dpa-tmn
Rund um das Rathaus auf dem Marktplatz von Breslau ist immer viel Betrieb - es ist einer der schönsten Orte der polnischen Stadt. Foto:Andreas Heimann/dpa-tmn © Andreas Heimann
Das Museum La Boverie ist das neueste kulturelle Aushängeschild Lüttichs - die Stadt an der Maas lockt Städtereisende mit einer Leidenschaft für Kunst. Foto:Patrice Fagnoul/Wallonie-Bruxelles Tourisme/dpa-tmn
Das Museum La Boverie ist das neueste kulturelle Aushängeschild Lüttichs - die Stadt an der Maas lockt Städtereisende mit einer Leidenschaft für Kunst. Foto:Patrice Fagnoul/Wallonie-Bruxelles Tourisme/dpa-tmn © Patrice Fagnoul
Belgrad ist die Hauptstadt Serbiens und beliebt bei jungen Leuten - man sieht dort fast so viele Hipster wie in Berlin, sagen manche. Foto: Dragan Obric/Tourist Organization of Belgrade/dpa-tmn
Belgrad ist die Hauptstadt Serbiens und beliebt bei jungen Leuten - man sieht dort fast so viele Hipster wie in Berlin, sagen manche. Foto: Dragan Obric/Tourist Organization of Belgrade/dpa-tmn © Dragan Obric
Zum Glück gibt es in Europa viele interessante Metropolen: Sieben Städtereiseziele, die der Massentourismus noch verschont hat. Foto: dpa-infografik
Zum Glück gibt es in Europa viele interessante Metropolen: Sieben Städtereiseziele, die der Massentourismus noch verschont hat. Foto: dpa-infografik © dpa-infografik GmbH

Bei der Frankfurter Polizei hat Sprecher Andrew McCormack noch eine andere Erklärung für die Kokainspitze im Abwasser. „Frankfurt gilt als Crack-Hochburg“, sagt McCormack. „Dazu muss man wissen, dass Crack aus Kokain hergestellt wird.“ Dazu kommt: Das Crack wird in Form von Kokain ins Rhein-Main-Gebiet geschmuggelt. „Erst hier kochen die Dealer daraus das Crack“, sagt McCormack. In geheimen Crack-Küchen wird dann aus Kokain und Natronlauge die Droge nach einem speziellen Verfahren hergestellt. Nachdem das kristallisierte Crack aus den Töpfen entfernt wird, müssen diese gespült werden. McCormack: „Diese Überreste landen dann natürlich direkt im Abwasser.“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare