Immer weniger Bewerber

Der Tourismus in Hessen boomt - doch in einer Branche gibt es Personalnot

In der Gastro-Branche fehlt Personal - dabei boomt der Tourismus gerade wie selten zuvor.

Die Touristenzahlen in Hessen steigen, doch es wollen immer weniger junge Menschen Restaurantfachmann oder Koch werden. Ein Trend, auf den die Branche kaum Antworten hat.

Region Rhein-Main – Hessen boomt. Der hessische Hotel- und Gaststättenverband meldet die höchsten jemals erzielten Ergebnisse bei Touristenzahlen. 2017 empfingen die hessischen Beherbergungsbetriebe rund 15,3 Millionen Gäste. Die Zahl der Gästeankünfte lag um 5,1 Prozent über dem Niveau des Jahres 2016. Zum achten Mal in Folge sind auch die Übernachtungszahlen gestiegen. Mit einem Anstieg von 4,6 Prozent auf 34,1 Millionen toppt Hessen sogar den bundesweiten Zuwachs. Doch während immer mehr Menschen Hessen und das Rhein-Main-Gebiet für sich entdecken, hat die Branche intern hart zu kämpfen. Vor allem um den Nachwuchs. Seit Jahren bleiben die Zahlen bei den Ausbildungsverträgen zwar stabil, doch sie steigen nicht. „Irgendwann gehen die Zahlen nicht mehr viel tiefer. Auf lange Sicht werden diese beiden Entwicklungen nicht mehr funktionieren“, sagt Hendrik Hallier von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten. Das Problem seien nicht nur die Azubis, sondern auch Berufserfahrene, die der Branche den Rücken kehren. Alleine in fachbezogenen Stellenportalen weist Frankfurt derzeit über 1300 offene Stellen aus. Im gleichen Zeitraum vor drei Jahren waren es rund 800. „Und das schlägt sich auch auf die Situation der Auszubildenden nieder“, sagt Hallier. Das Problem sind niedrige Löhne, lange Arbeitszeiten am Abend und an den Wochenenden und falsche Erwartungen an den Job.

Zahl der Servicekräfte gehen zurück 

Vor allem im Service fehlt es an Fachkräften, zudem werden Hotel-, Restaurantfachleute sowie Köche händeringend gesucht. Das bestätigt Brigitte Scheuerle, Geschäftsführerin der Aus- und Weiterbildung bei der Industrie- und Handelskammer in Frankfurt. Gab es 2012 noch 192 Berufseinsteiger bei den Köchen, waren es 2017 nur noch 140, bei den Restaurantfachleuten hat sich die Zahl im gleichen Zeitraum von 62 auf 31 sogar halbiert.

„Nicht nur in unserer Branche sind die Zahlen der Auszubildenden zurückgegangen. Immer mehr junge Menschen interessieren sich für ein Studium. So herrscht insgesamt auf dem Arbeitsmarkt ein höherer Fachkraftbedarf“, sagt Kerstin Junghans, Geschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gastronomieverbands Frankfurt/ Rhein-Main. „Wir würden uns auch wünschen, dass die Branche durch den Zuwachs an Touristen im Hinblick auf neue Auszubildende profitieren. Aber dem ist leider nicht so.“ Stattdessen müssten die Betriebe viel stärker auf die guten Aufstiegsmöglichkeiten im Hotel- und Gaststättengewerbe aufmerksam machen. Junghans: „Außerdem habe man mit der Erhöhung des Azubi-Tariflohnes auf 1000 Euro im dritten Lehrjahr seit September 2017 ebenfalls ein Zeichen gesetzt, um die Attraktivität der Ausbildungsberufe zu steigern.“

Zu wenig Bewerber - Kompromisse müssen gemacht werden 

Dennoch: Die aktuelle Situation zwingt die Betriebe im Gastgewerbe zu Kompromissen. Und zwar so weit, dass man gar nicht mehr großen Wert auf die Noten der Bewerber legen würde. „Es kommt auf soziale Kompetenzen an, ob man ein kommunikativer und freundlicher Typ ist. Introvertierte Persönlichkeiten haben es im Hotel- und Gaststättengewerbe eher schwer“, sagt Scheuerle. Wie in der Pflege auch sei es denkbar, dass Betriebe mit Sonderzulagen locken. „Zurzeit ist das allerdings noch eine Ausnahme. Die Betriebe gehen immer noch davon aus, dass sie für das, was sie bieten, guten Nachwuchs bekommen“, sagt Hallier.

Dirk Beutel

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare