Tragisches Unglück 

Tödlicher Unfall auf der B43: Familie fordert Gerechtigkeit

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„Der Schmerz ist immer da“: Gönül (links) und Ramazan Ölmez (rechts) und ihre Söhne Murat (Zweiter von links) und Talat trauern um Ferhat (kleines Bild). 

In den Morgenstunden des 1. November 2015 wird Ferhat Ölmez auf der B43 zwischen Mühlheim und Hanau von einem Auto erfasst. Er stirbt. Seine Familie kann bis heute nicht mit dem Unfall abschließen. Sie fordert Antworten – und einen Prozess. 

Hanau/Mühlheim – Es ist Sonntag, der 1. November 2015, gegen elf Uhr, als die Polizisten an der Tür klingeln und Gönül Ölmez mitteilen: Ihr Sohn Ferhat ist tot. Gestorben in den frühen Morgenstunden bei einem Verkehrsunfall auf der Bundesstraße 43. „Ich wollte es nicht glauben. Ich war wie in einer Schockstarre“, sagt Gönül Ölmez, während ihr die Tränen übers Gesicht laufen.

Mühlheim/Hanau: Tödlicher Unfall auf der B43: Familie fordert Gerechtigkeit

Ferhat kam bei einem Unfall auf der B43 ums Leben.

Vier Jahre sind seitdem vergangen. Doch die Familie leidet bis heute, besonders jetzt, kurz vor dem Todestag. „Es gibt so viele offene Fragen. Solange wir keine Antworten bekommen, können wir nicht abschließen“, sagt Murat Ölmez, der älteste der drei Söhne. Fest steht: Ferhat Ölmez feiert in der Nacht auf den 1. November 2015 auf einer Halloween-Party am Grünen See in Mühlheim.

 Er trinkt Alkohol. 1,97 Promille wird die Obduktion später ergeben. In Begleitung eines Kumpels macht er sich gegen 4.30 Uhr zu Fuß auf den knapp fünf Kilometer langen Heimweg nach Hanau. Hier wohnt der 33-Jährige gemeinsam mit seinen beiden kleinen Söhnen. Am Vormittag hat er sie bei den Eltern abgeben. So wie jedes Wochenende. Doch er wird nicht kommen. Gegen fünf Uhr wird Ferhat Ölmez auf der B43 zwischen Mühlheim und Hanau, in Höhe des Kleingartenvereins, von einem Auto erfasst. Fast 70 Meter wird der Familienvater durch die Luft geschleudert, sein Körper prallt auf den Asphalt und bleibt im Grünstreifen liegen. Er ist auf der Stelle tot. „Er hatte keine Chance“, sagt sein Bruder Murat und zeigt die Bilder des Unfallwagens: Die Windschutzscheibe auf der Beifahrerseite ist zersplittert, das Dach eingedellt, die linke Front samt Scheinwerfer völlig zerstört. „Es ist grauenvoll“, sagt Vater Ramazan.

Mühlheim: „Sie war unaufmerksam und zu schnell“

Die Gedenkstätte an der B43 zwischen Hanau und Mühlheim.

Für die Ermittler ist der Unfallhergang schnell geklärt: Ferhat Ölmez ist betrunken auf die Fahrbahn getreten, möglicherweise wollte er die Straßenseite wechseln. Die Autofahrerin, eine damals 28-Jährige, habe in der Dunkelheit keine Chance gehabt auszuweichen und den Familienvater erfasst. Zwar ermittelt die Staatsanwaltschaft Darmstadt/Zweigstelle Offenbach zunächst wegen fahrlässiger Tötung, das Verfahren wird jedoch eingestellt. Die Familie will das bis heute nicht akzeptieren. „Mein Bruder wurde von Anfang an als alleiniger Schuldiger hingestellt. Er war alkoholisiert, ja. Aber es gibt jede Menge Hinweise darauf, dass die Fahrerin eine Mitschuld trägt“, sagt Murat Ölmez. So habe ein von der Staatsanwaltschaft beauftragtes Gutachten ergeben, dass die Fahrerin statt der erlaubten 70 mindestens 96 Stundenkilometer schnell gefahren sei. Die polizeiliche Auswertung ihres Handy hat zudem zweifelsfrei ergeben, dass die 28-Jährige bis kurz vor dem Zusammenstoß Whats-App-Nachrichten schrieb. „Sie war unaufmerksam und zu schnell. Aber diese Indizien und viele Ungereimtheiten wurden einfach unten den Tisch gekehrt.“ Warum, liegt für die Familie auf der Hand: Die Fahrerin ist Angehörige der hessischen Bereitschaftpolizei in Mühlheim. „Es ist offensichtlich, dass sie von Anfang an von ihren Kollegen und der Justiz geschützt wurde“, sagt Murat Ölmez.

Anwaltskosten von mehr als 20.000 Euro 

Mehr als 20.000 Euro hat die Familie für Anwaltskosten ausgegeben, auf eigene Faust Nachforschungen angestellt. Ohne Erfolg. Ihre große Hoffnung: Ein fairer Prozess. „Es ist ein Mensch gestorben. Wir kämpfen weiter, bis wirklich geklärt wurde, wieso“, sagt Vater Ramazan. Jeden Morgen geht er zu Ferhats Grab, alle zwei, drei Wochen zündet er eine Kerze an der Gedenkstätte an, die die Familie auf dem Grünstreifen an der B43 errichtet hat. Genau an der Stelle, wo Ferhats lebloser Körper gefunden wurde.

Von Kristina Bräutigam

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