Eine Fahrerin aus Frankfurt über den Schock und Erste Hilfe 

Tödliche Bahnunfälle in Rhein-Main: So leiden die Fahrer

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Sieben Menschen sind seit Anfang Mai bei Bahnunfällen im Rhein-Main-Gebiet ums Leben gekommen. 

Region Rhein-Main - Sieben Menschen sind in den vergangenen Wochen bei Bahnunfällen in Rhein-Main ums Leben gekommen. Nicht nur die Getöteten sind Opfer. Auch die Lokführer leiden. Alice Schmitt saß 27 Jahre am Steuer. Heute arbeitet sie für das Kriseninterventionsteam der Frankfurter Verkehrsgesellschaft. Von Kristina Bräutigam

Es ist eine Mutprobe, die tödlich endet. Am Freitag, den 16. Juni, klettert ein 14-Jähriger an der S-Bahn-Station Nieder-Roden mit zwei Freunden auf eine Bahn. Als sich die tonnenschweren Waggons in Bewegung setzen, will er abspringen. Doch der Junge rutscht ab, gerät zwischen die beiden S-Bahn-Triebzüge und wird überrollt. Es ist der traurige Höhepunkt einer Serie, die Anfang Mai begonnen hat: Sieben Menschen sterben binnen sieben Wochen bei Bahnunfällen im Rhein-Main-Gebiet. 

„Personenschaden“ lautet der offizielle Begriff. Dahinter verbirgt sich eine Katastrophe. Nicht nur für die Hinterbliebenen, sondern auch für die Fahrer der Bahn. „Es gibt Kollegen, die sacken einfach in sich zusammen. Und es gibt die, die weinen und zusammenbrechen“, erzählt Alice Schmitt. Die 53-Jährige ist eine von 21 Mitarbeitern des Kriseninterventionsteams (KIT) der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF). Nach schweren Unfällen mit U-Bahnen oder Straßenbahnen, zu denen Sachschäden genauso gehören wie Personenschäden, kümmern sich die KIT-Mitarbeiter vor Ort um den betroffenen Fahrer. „Insbesondere wenn ein Mensch tödlich verletzt wurde, ist es das Wichtigste, den Fahrer so schnell wie möglich vom Unfallort wegzubringen“, erzählt Alice Schmitt. 

Alice Schmitt hat 27 Jahre Straßen- und U-Bahnen durch Frankfurt gesteuert. Heute arbeitet sie für das Kriseninterventionsteam der VGF.

Eine Vorschrift, nach einem Personenschaden auszusteigen, gibt es nicht. „Kein Fahrer muss sich den verletzten Körper ansehen. Auch wenn es viele Kollegen trotzdem tun, in der Hoffnung, noch ein Leben retten zu können.“ Manchmal reiche es, den Betroffenen zum Betriebshof oder nach Hause zu begleiten. Wurde der Fahrer verletzt, fahren die KIT-Mitarbeiter mit dem Rettungswagen in die Notaufnahme. Sitzt der Schock tief, vermitteln sie einen Termin beim Psychologen oder Traumatherapeuten. Im ersten Moment wahrten die meisten Fahrer die Fassade, sagt Schmitt. Der Zusammenbruch komme erst später. „Dann realisieren die Fahrer, dass durch ihre Bahn ein Mensch gestorben ist.“ 

Einmal steht ein Mann vor ihr auf den Gleisen

Alice Schmitt saß, wie fast alle KIT-Mitarbeiter, früher selbst in der Führerkabine. Wer die Abläufe kennt, kann besser begleiten, sagt sie. 27 Jahre ist sie U- und Straßenbahnen durch Frankfurt gefahren. Einen Menschen totgefahren hat sie bisher nicht. Einmal, während einer Kurvenfahrt, steht plötzlich ein Mann auf den Gleisen. Im letzten Moment springt er zur Seite. „30 Minuten später haben meine Knie angefangen zu zittern. Man denkt sich, was hätte passieren können“, sagt Alice Schmitt, die seit zwei Jahren nur noch gelegentlich fährt.

Straßen- und U-Bahn-Fahrer, die mitten durch Innenstädte fahren, haben ein hohes Risiko, einen Personenschaden zu erleben, sagt die 53-Jährige. Die Strecken führen durch belebte Gegenden, außerdem sind viele Menschen durch Handy oder Kopfhörer abgelenkt. „Aber man darf keine Angst haben. Sonst kann man seinen Job nicht machen.“ Genaue Zahlen, wie viele Menschen im Jahr durch Unfälle oder Suizid ums Leben kommen, hat die VGF nicht. Auch weil sich nicht immer klar sagen lässt, ob der Getötete sterben wollte oder nur unachtsam war. Für Schmitt und ihre Kollegen vom KIT-Team macht das ohnehin keinen Unterschied. „Unser Ziel ist, dass die Fahrer möglichst unbeschadet aus dieser Situation herauskommen. Kein Fahrer soll in dieser dieser schlimmen Situation alleine sein.“

Sieben tödliche Bahnunfälle in sieben Wochen in Rhein-Main

- Am 6. Mai wird ein 34-Jähriger an der S-Bahnstation Eschborn-Süd von einem Zug erfasst und tödlich verletzt. Der Wixhausener wollte eine Abkürzung über die Gleise nehmen. 

– Am 13. Mai stirbt eine Frau, als sie an der U-Bahn-Haltestelle Dornbusch in Frankfurt die Gleise überqueren will. Offenbar hatte die 36-Jährige versucht, bei einer stehenden Bahn über die Kupplung zwischen zwei Waggons zu steigen, als sich der Zug in Bewegung setzt und sie überrollt

– Ein 16-jähriges Mädchen wird am 17. Mai von einem Zug erfasst und stirbt. Die Schülerin war mit dem Rad auf der Verbindungsstraße zwischen Babenhausen und Langstadt unterwegs. Offenbar hatte sie beim Überqueren des unbeschrankten Bahnübergangs Kopfhörer getragen. 

– Ein 46 Jahre alter Mann wird am 18. Mai in der Frankfurter Station Taunusanlage von einer S-Bahn erfasst und getötet. Warum der Obdachlose auf den Gleisen stand, ist unklar. 

– In der Nacht auf den 23. Mai wird eine 54-jährige Autofahrerin im Bad Homburger Stadtteil Ober-Eschbach von einer U-Bahn erfasst und getötet. Zunächst hatte die Polizei erklärt, die Frau habe die Bahngleise trotz Rotsignal und geschlossener Halbschranke überfahren. Mittlerweile gibt es Zweifel am Ablauf. Möglicherweise war das Rotlicht nicht an, die Staatsanwalt ermittelt.

– Am 26. Mai wird ein52-Jähriger in Frankfurt von einer Straßenbahn erfasst und getötet. Er hatte auf Höhe des FSV-Stadions versucht, die Gleise zu überqueren.

 – Am 16. Juni stirbt ein 14-Jähriger an der S-Bahn-Station in Nieder-Roden. Er hatte sich gemeinsam mit Freunden an einer S-Bahn festgehalten,rutschte beim Abspringen ab und wurde überrollt.

Grund zur Freude hatten die Fahrer der VGF Anfang Juni: Bei der EM der Straßenbahnfahrer landeten sie auf dem Treppchen.

Fotos: Autofahrerin umfährt Bahnschranke und stirbt

Eine 54-jährige Autofahrerin aus Bad Homburg ist in der Nacht auf Dienstag von einer Bahn erfasst worden. Die Frau starb noch an der Unfallstelle.
Eine 54-jährige Autofahrerin aus Bad Homburg ist in der Nacht auf Dienstag von einer Bahn erfasst worden. Die Frau starb noch an der Unfallstelle. © einsatzfotos.tv
Eine 54-jährige Autofahrerin aus Bad Homburg ist in der Nacht auf Dienstag von einer Bahn erfasst worden. Die Frau starb noch an der Unfallstelle.
Eine 54-jährige Autofahrerin aus Bad Homburg ist in der Nacht auf Dienstag von einer Bahn erfasst worden. Die Frau starb noch an der Unfallstelle. © einsatzfotos.tv
Eine 54-jährige Autofahrerin aus Bad Homburg ist in der Nacht auf Dienstag von einer Bahn erfasst worden. Die Frau starb noch an der Unfallstelle.
Eine 54-jährige Autofahrerin aus Bad Homburg ist in der Nacht auf Dienstag von einer Bahn erfasst worden. Die Frau starb noch an der Unfallstelle. © einsatzfotos.tv
Eine 54-jährige Autofahrerin aus Bad Homburg ist in der Nacht auf Dienstag von einer Bahn erfasst worden. Die Frau starb noch an der Unfallstelle.
Eine 54-jährige Autofahrerin aus Bad Homburg ist in der Nacht auf Dienstag von einer Bahn erfasst worden. Die Frau starb noch an der Unfallstelle. © einsatzfotos.tv
Eine 54-jährige Autofahrerin aus Bad Homburg ist in der Nacht auf Dienstag von einer Bahn erfasst worden. Die Frau starb noch an der Unfallstelle.
Eine 54-jährige Autofahrerin aus Bad Homburg ist in der Nacht auf Dienstag von einer Bahn erfasst worden. Die Frau starb noch an der Unfallstelle. © einsatzfotos.tv
Eine 54-jährige Autofahrerin aus Bad Homburg ist in der Nacht auf Dienstag von einer Bahn erfasst worden. Die Frau starb noch an der Unfallstelle.
Eine 54-jährige Autofahrerin aus Bad Homburg ist in der Nacht auf Dienstag von einer Bahn erfasst worden. Die Frau starb noch an der Unfallstelle. © einsatzfotos.tv
Eine 54-jährige Autofahrerin aus Bad Homburg ist in der Nacht auf Dienstag von einer Bahn erfasst worden. Die Frau starb noch an der Unfallstelle.
Eine 54-jährige Autofahrerin aus Bad Homburg ist in der Nacht auf Dienstag von einer Bahn erfasst worden. Die Frau starb noch an der Unfallstelle. © einsatzfotos.tv
Eine 54-jährige Autofahrerin aus Bad Homburg ist in der Nacht auf Dienstag von einer Bahn erfasst worden. Die Frau starb noch an der Unfallstelle.
Eine 54-jährige Autofahrerin aus Bad Homburg ist in der Nacht auf Dienstag von einer Bahn erfasst worden. Die Frau starb noch an der Unfallstelle. © einsatzfotos.tv
Eine 54-jährige Autofahrerin aus Bad Homburg ist in der Nacht auf Dienstag von einer Bahn erfasst worden. Die Frau starb noch an der Unfallstelle.
Eine 54-jährige Autofahrerin aus Bad Homburg ist in der Nacht auf Dienstag von einer Bahn erfasst worden. Die Frau starb noch an der Unfallstelle. © einsatzfotos.tv
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Eine 54-jährige Autofahrerin aus Bad Homburg ist in der Nacht auf Dienstag von einer Bahn erfasst worden. Die Frau starb noch an der Unfallstelle. © einsatzfotos.tv
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Eine 54-jährige Autofahrerin aus Bad Homburg ist in der Nacht auf Dienstag von einer Bahn erfasst worden. Die Frau starb noch an der Unfallstelle. © einsatzfotos.tv
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Eine 54-jährige Autofahrerin aus Bad Homburg ist in der Nacht auf Dienstag von einer Bahn erfasst worden. Die Frau starb noch an der Unfallstelle. © einsatzfotos.tv
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Eine 54-jährige Autofahrerin aus Bad Homburg ist in der Nacht auf Dienstag von einer Bahn erfasst worden. Die Frau starb noch an der Unfallstelle. © einsatzfotos.tv

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