Panik im Netz

Die Tigermücke ist mega-gefährlich: So viele gibt es in der Region

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Der warme Frühsommer sorgt für eine Mückenplage. Aber die gefährliche Tigermücke ist nicht dabei.

Die Mückenplage hat Rhein-Main fest im Griff. In den sozialen Netzwerken hält sich deshalb hartnäckig das Gerücht von der gefährlichen Tigermücke. Beweisfotos werden gepostet und selbst ernannte Experten machen Panik. Zu Recht?. 

Rhein-Main – Es surrt gewaltig in Rhein-Main! Die Mückenmassen drangsalieren die Region mit riesigen Pusteln und juckenden Placken. Schuld ist der warme Frühsommer. Ein Paradies für fiese Mückenschwärme. Seit in Südeuropa die asiatische Tigermücke aufgetaucht ist, sehen ängstliche Zeitgenossen im Rhein-Main-Gebiet zweimal hin, nachdem sie eine Mücke erschlagen haben. Denn die geringelte Erscheinung ist ein Hauptmerkmal der Tigermücke. Die gilt vor allem deshalb als gefährlich, weil sie ein Super-Überträger ist und krank machen kann. 

"Die Tigermücke gibt es im Rhein-Main-Gebiet gar nicht"

Befeuert wird die Sorge von Beweisfotos erschlagener Mücken, etwa bei Facebook. Schnell finden sich in den lokalen Gruppen ein paar Experten, die das Exemplar vermeintlich zweifelsfrei als Tigermücke identifizieren. Aber all das sind Falschmeldungen! „Die Tigermücke gibt es im Rhein-Main-Gebiet gar nicht“, sagt Senckenberg-Mückenforscherin Sina Zotzmann. Bisher habe man nicht ein Exemplar der Tigermücke in diesen Breiten gefunden. 

Senckenberg-Mückenforscherin Sina Zotzmann ist gegen Panikmache.

Tigermücken sehen vielen anderen Arten sehr ähnlich

Berthold Langenhorst, Sprecher des Naturschutzbundes (NABU) Hessen, bestätigt das. Den Hype um die angebliche Tigermücke erklärt er so: „Viele Leute glauben jetzt natürlich, dass jeder Streifen an einer Mücke der Beweis für eine Tigermücke ist.“ Dabei ist der Nachweis selbst für eine Mücken-Expertin wie Sina Zotzmann oft ein Geduldsspiel. „Auch ich kann meistens erst unter der Lupe feststellen, um welches Exemplar es sich handelt. Oft muss die Mücke dazu aber dann noch ins Labor, denn einige Arten sind vom Erscheinungsbild zum Verwechseln ähnlich.“ Fest steht allerdings: Es gibt nur eine Mücke, die hier in großen Massen anzutreffen ist: Die Gemeine Stechmücke (Culex pipiens). „Wir sprechen da von Größenordnungen von etwa 90 Prozent. Der Rest sind andere Arten. Aber Tigermücken sind nicht dabei.“

Für alle Hobbyexperten hat sie einen Tipp parat: „Die Streifen auf Körper und Beinen reichen für Laien zur Bestimmung nicht aus.“

Christian Reinartz

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