Schon heute ist das Verkehrsnetz am Anschlag

Chaos in Rhein-Main: Verband warnt vor Verkehrskollaps

Frankfurt zieht als Magnet immer mehr Arbeitskräfte an: Die Zahl der Pendler in den Ballungsräumen steigt, auch im Rhein-Main-Gebiet.
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Frankfurt zieht als Magnet immer mehr Arbeitskräfte an: Die Zahl der Pendler in den Ballungsräumen steigt, auch im Rhein-Main-Gebiet.
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Region Rhein-Main – Hohe Mieten, knapper Wohnraum, immer mehr Zuwanderer und Pendler: Die Attraktivität des Rhein-Main-Gebietes hat ihren Preis. Und der zeigt sich jeden Tag in überfüllten Bahnen und verstopften Straßen. Experten warnen vor dem Kollaps. Von Dirk Beutel

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Volle Straßen, Staus auf den Autobahnen, überfüllte Züge und S-Bahnen: So sieht der tägliche Wahnsinn vieler Pendler im Rhein-Main-Gebiet aus. Nicht nur Frankfurt, die ganze Region ist für Arbeitnehmer hochattraktiv.
Doch nicht jeder, der hier arbeitet, lebt auch hier. Laut einer Auswertung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) wohnen inzwischen zwei Drittel der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, die in Metropolen wie Frankfurt arbeiten, außerhalb der Stadtgrenzen. Bundesweit liegt Frankfurt mit 348.000 Pendlern (plus 14 Prozent) auf Platz zwei, direkt hinter München.

Und es werden immer mehr. Das belastet die Infrastruktur. Der Verkehrsinfarkt droht! Thomas Horn, ehemaliger Bürgermeister in Kelkheim und zurzeit hauptamtlicher Beigeordneter im Regionalverband Frankfurt-Rhein-Main, warnt: „Wir sind ein hoch attraktiver Wirtschafts-, Wohn- und Lebensraum. Aber wir sind mit der Verkehrsinfrastruktur am Anschlag. Wir stehen vor dem Kollaps.“ 

Schienennetz schon heute überlastet

Davor befürchtet auch der Rhein-Main Verkehrsverbund (RMV): Seit dessen Gründung steigt die Fahrgastnachfrage kontinuierlich. Nachdem im ersten Verbundjahr 1996 noch 530 Millionen Fahrgäste den RMV nutzten, waren es zuletzt 735 Millionen. „Leider ist die Schieneninfrastruktur bereits heute an mehreren Stellen überlastet. Um der bestehenden Nachfrage zu entsprechen, sind Infrastrukturmaßnahmen ebenso nötig wie der Ausbau vorhandener Strecken und die Realisierung der nordmainischen S-Bahn und Regionaltangente Nord“, sagt RMV-Sprecher Sven Hirschler.

Auch auf der Autobahn wird es immer enger: „Der Verkehr rund um das Frankfurter Kreuz ist in den vergangenen fünf Jahren um bis zu neun Prozent angestiegen“ sagt Sandra Blass von Hessen Mobil. Doch die Entwicklung der Infrastruktur stößt auf viele Hindernisse. Horn nennt die größten: „Wir brauchen ein schnelles Planungsrecht. Wir sind nicht mehr in der Lage, größere Infrastrukturvorhaben in einer Zeit , die man aktiv noch erlebt, zu realisieren. Der Instrumentenkasten des Rechts ist so umfangreich und kompliziert geworden, dass es im Grunde genommen nur noch ein Verhinderungsrecht ist.“ 

Dazu komme, dass es in den Städten und Gemeinden vermehrt zu unsoliden Mehrheiten in den Parlamenten komme. Horn: „Gestalten wird immer schwieriger.“ Und das, obwohl die Region weiter wächst. Das wirkt sich auf den Immobilienmarkt und den Wohnungsbau aus.

Schon jetzt fehlen laut Regionalverband allein in Frankfurt bis 2020 noch 38.000 Wohnungen. Insgesamt wurde ein Bedarf von gut 184.000 Wohnungen bis zum Jahr 2030 ermittelt. „Es wird aber der Anschein erweckt, die letzten Quadratmeter würden zugebaut. Aber das stimmt nicht. Der Handlungsbedarf ist da und auch die Flächen.“ 

Im regionalen Flächennutzungsplan sind laut Horn über 2300 Hektar ausgewiesen, davon sind elf Prozent tatsächlich bebaut. Erst 30 Prozent davon sind mit einem Bebauungsplan belegt. „Da reden wir nicht über Innenverdichtung oder Nachverdichtung oder Aufstockung, sondern um Außenbereichsflächen. Aber es gibt alles, nur kein schnelles Baurecht.“

Pendlerströme nehmen weiter zu

Dazu komme der Sonderfall Brexit. Horn: „In London gibt es etwa 750.000 Beschäftigte in der Finanzwirtschaft, wenn nur fünf Prozent davon hierher kommen, heizt das den Immobilienmarkt zusätzlich an.“ Daraus folgt, dass die Pendlerströme weiter zunehmen: „Immer mehr Beschäftigte wohnen außerhalb. Der Flächenverbrauch und die Verkehrsbelastung steigen. Deshalb ist es wichtig, dass die Infrastruktur mit dem Wachstum Schritt hält und das Umland gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden bleibt“, sagt BBSR-Direktor Harald Herrmann. 

Horn: „Schauen sie sich die A3 und die A5 an. Wenn sie freitags noch Termine haben, kommen sie schon gar nicht mehr auf die Autobahn drauf. Der ganze Durchgangs- und Transitverkehr geht hier durch. In Zukunft fahren wir autonom und CO2-frei, stehen aber im Stau.“

Richtig gute Nerven brauchen die Verkehrsteilnehmer, die derzeit am Kaiserlei-Kreisel vorbei müssen. Dieser wird umgebaut und sorgt für mächtig Stau.

Fotos: So soll der Kaiserlei-Kreisel nach dem Umbau aussehen

So soll die geplante Kreuzung am Kaiserlei aussehen, die den Kreisel ersetzt.
So soll die geplante Kreuzung am Kaiserlei aussehen, die den Kreisel ersetzt. © Stadt Offenbach
So soll die geplante Kreuzung am Kaiserlei aussehen, die den Kreisel ersetzt.
So soll die geplante Kreuzung am Kaiserlei aussehen, die den Kreisel ersetzt. © Stadt Offenbach
So soll die geplante Kreuzung am Kaiserlei aussehen, die den Kreisel ersetzt.
So soll die geplante Kreuzung am Kaiserlei aussehen, die den Kreisel ersetzt. © St adt Offenbach
So soll die geplante Kreuzung am Kaiserlei aussehen, die den Kreisel ersetzt.
So soll die geplante Kreuzung am Kaiserlei aussehen, die den Kreisel ersetzt. © Stadt Offenbach
So soll die geplante Kreuzung am Kaiserlei aussehen, die den Kreisel ersetzt.
So soll die geplante Kreuzung am Kaiserlei aussehen, die den Kreisel ersetzt. © Stadt Offenbach
So soll die geplante Kreuzung am Kaiserlei aussehen, die den Kreisel ersetzt.
So soll die geplante Kreuzung am Kaiserlei aussehen, die den Kreisel ersetzt. © Stadt Offenbach
So soll die geplante Kreuzung am Kaiserlei aussehen, die den Kreisel ersetzt.
So soll die geplante Kreuzung am Kaiserlei aussehen, die den Kreisel ersetzt. © Stadt Offenbach
So soll die geplante Kreuzung am Kaiserlei aussehen, die den Kreisel ersetzt.
So soll die geplante Kreuzung am Kaiserlei aussehen, die den Kreisel ersetzt. © Stadt Offenbach

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