365 Tage Müllkippe vor der Haustür: Anwohnern stinkt’s

Alte Kühlschränke, Autoreifen und Farbeimer: Vor einer Wohnsiedlung im Gallus hat sich eine Straßen-Müllkippe etabliert. Kaum entsorgt, wächst der Berg aus Unrat wieder an – und das seit Jahren. Eine Sauerei, finden die Anwohner. Der Ortsbeirat will gegensteuern. Von Rebekka Farnbacher

Frankfurt – Rote Backsteinhäuschen, viel Grün, wenig Verkehr: Es ist ein idyllisches Wohngebiet, durch das man in der Schloßborner Straße im westlichen Gallus läuft. Doch am Ende der Straße gibt es einen Anblick, der die Anwohner immer wieder zur Weißglut treibt. Eine oftmals gigantische Müllhalde ist hier nämlich zur Dauereinrichtung auf dem Bordstein geworden. Kaputte Fernseher, alte Autoreifen, ausrangierte Kühlschränke, dazwischen Schrankwände, Farbeimer und undefinierbarer Unrat.

„Das ist eine riesige Schweinerei!“, ärgert sich Anwohnerin Hannelore Eich. „Dabei ist das heute nicht mal das ganze Ausmaß. Es gibt Tage, da steht die ganze Fläche voll. Man muss sich wirklich schämen!“ Alle Bemühungen, den illegalen Schrott-Abladeplatz loszuwerden, waren bislang erfolglos. Sobald die FES den Müll entsorgt hat, wächst der Berg am nächsten Tag von Neuem an. „Das geht bestimmt schon zehn Jahre so“, sagt die Rentnerin. Wenn sie könnte, würde sie wegziehen. Aber dafür sei sie schon zu alt.

Auch der Ortsbeirat ärgert sich über die Zustände. „Man kann der Müllhalde beim täglichen Wachstum zusehen. Sie breitet sich über den Gehweg aus, macht diesen unpassierbar und wird über die Straße verteilt. Je nach Temperatur stinkt die Müllhalde“, heißt es in einer Aufforderung an den Magistrat, endlich etwas gegen den Schandfleck zu unternehmen. Selbst über die Satelliten-Ansicht auf Google-Maps kann man den Sperrmüll deutlich erkennen. Für Ortsvorsteher Oliver Strank daher kein Wunder, dass auch ihn immer wieder Beschwerden genervter Anwohner erreichen. „Die Menschen haben den Eindruck, dass dieser Ort verkommt und die Stadt sich nicht kümmert.“ Hinzu kommt die Sorge vor Ungeziefer und Ratten, die der Müllberg anlockt. Doch im Ortsbeirat ist klar, dass es nicht genügt, den Unrat einfach abholen zu lassen. Der Platz wird inzwischen als offizieller Müllplatz wahrgenommen, daher reagieren die Personen, die ihr ausrangiertes Mobilar zu dem Platz schleppen, mit Unverständnis, wenn man sie darauf anspricht. „Für mich ist ganz klar: Das Ordnungsamt muss hier stärker kontrollieren und Bußgelder verhängen“, sagt Strank. „Durch solche Ecken entsteht ein Bild von staatlichem Kontrollverlust vor der eigenen Haustür. Da muss man Druck ausüben, um dagegen anzugehen.“

Tatsächlich scheint der Appell des Ortsbeirates erste Früchte zu tragen. „Die hier zuständige Wohnungsbaugesellschaft GWH hat ein Schreiben an alle Anwohner verschickt, in dem es heißt, dass der illegale Müll kostenpflichtig entsorgt wird – und zwar auf Kosten aller Bewohner“, sagt Hannelore Eich. „Immerhin“, so die Anwohnerin. Dennoch bleibt sie skeptisch. Und das aktuelle Bild – samt Autoreifen, Fernseher und Kühlschränke – scheint ihr Recht zu geben.

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