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Stress in Rhein-Mains Freibädern: Ohne Security geht nichts mehr

Im Waldschwimmbad Rosenhöhe in Offenbach sorgen Sicherheitskräfte der Firma BWS für Sicherheit. Wer pöbelt oder Hausverbot hat, muss draußen bleiben. Foto: kb

Drohungen, Schlägereien, Angriffe: Die Meldungen über Gewalt in deutschen Freibädern häufen sich. Auch Rhein-Mains Bademeister beklagen immer öfter aggressives Verhalten am Beckenrand. Sicherheitspersonal und Hausverbote sind vielerorts längst Standard.

Region Rhein-Main – Die Schlagzeilen haben für Aufsehen gesorgt: In einem Freibad in München gehen 50 bis 100 junge Männer aufeinander los, in Essen werden zwei Bademeister angegriffen und verletzt. Ende Juli eskaliert die Gewalt in Düsseldorf: Randalierende Jugendliche bedrohen die Bademeisterin und versuchen die Kontrolle zu übernehmen, die Polizei muss das Freibad räumen.

Doch wie steht es um die Stimmung in Rhein-Mains Freibädern? „Die Leute benehmen sich immer egoistischer. Sie zahlen Eintritt und denken, ihnen gehört das ganze Freibad“, sagt Wolfgang Kressel, Geschäftsführer der Stadtwerke Mühlheim, die das Freibad im Stadtteil Lämmerspiel betreiben. Oft helfen nur Hausverbote gegen die Pöbler: Ein bis zwei werden im Durchschnitt pro Woche ausgesprochen, sagt Kressel. Vor allem Jugendliche, die von außerhalb kommen und in Gruppen auftreten, machen immer wieder Ärger. „Das sind dann die, die auch außerhalb des Freibads für Ärger sorgen und keinen Respekt kennen“, sagt Kressel. Der Bäderchef hat deshalb reagiert: Seit vergangenem Jahr gibt es zwei Sicherheitsleute, die die Angestellten unterstützen. „Auch wir leiden unter Personalmangel. Da können wir von den Mitarbeitern, die sich um die Sicherheit der Badegäste kümmern sollen, nicht noch erwarten, dass sie als Hilfspolizisten über die Wiese laufen“, so der Stadtwerke-Chef.

Das Waldschwimmbad Rosenhöhe, einzig verbliebenes Freibad in Offenbach, setzt ebenfalls seit mehreren Jahren auf Sicherheitspersonal. Nachdem die Kassenfrau mit Pfefferspray attackiert worden war, sind bis zu fünf Security-Mitarbeiter ständig vor Ort, sortieren am Eingang Gäste mit Hausverbot aus und schlichten Streitigkeiten. Mit Erfolg: „In diesem Jahr gibt es trotz der Hitze keine Vorkommnisse“, sagt Matthias Wörner, Vorsitzender des Betreibervereins. Weil es häufig Jugendliche mit Migrationshintergrund sind, die durch respektloses und aggressives Verhalten auffallen, hat der Verein vor drei Jahren Beckenaufsichten eingestellt, die unter anderem aus Tunesien, Marokko und Kroatien stammen. „Wenn die den Jugendlichen einen Ansage machen, ist Ruhe“, sagt Wörner.

In Waldschwimmbad Dietzenbach kommt neben Security-Kräften sogar Videoüberwachung zu Einsatz. Es sei eine geringere Toleranzgrenze festzustellen, sagt Michael Würz, Technischer Leiter der Städtischen Betriebe Dietzenbach. Angriffe auf das Badepersonal habe es bislang allerdings nicht gegeben. Im Heinrich-Fischer-Bad im Hanau, einem von zwei Freibädern in der Stadt, gab es laut Sprecher Joachim Haas-Feldmann bislang ebenfalls keine Fälle körperlicher Gewalt, Beleidigungen und Pöbeleien kommen jedoch häufiger vor. Bei großem Andrang sind deshalb mittlerweile ebenfalls Sicherheitskräfte in den Bädern vor Ort, den Bad-Mitarbeitern wird außerdem ein Deeskalationstraining angeboten.

In Frankfurt gibt es laut Frank Müller, Geschäftsführer der Bäderbetriebe Frankfurt, „kein gestiegenes Aggressionspotenzial.“ Allerdings setzt der Betreiber bereits seit mehr als zehn Jahren Security-Kräfte ein. Allein im Brentanobad, dem größten der sieben Frankfurter Freibäder, das an Spitzentagen bis zu 15.000 Besucher zählt, sorgen bis zu acht Sicherheitskräfte für Ordnung. Dennoch haben sich die Bäderbetriebe nach den Schlagzeilen mit Polizei und Präventionsrat zusammengesetzt, um ein Frühwarnsystem zu entwickeln. Außerdem sei eine App in Planung, die unter anderem anzeigt, welches Bad überfüllt ist. „So können wir bereits im Vorfeld deeskalierend auf die Besucher einwirken, die sonst vor dem Eingang umsonst warten“, sagt Müller.

Von Kristina Bräutigam

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