Streitereien: Darauf sollten Paare jetzt achten

Paare sollten derzeit nicht alles ausdiskutieren. F: Antonio Guillen Fernández/ Panthermedia.net

Streitereien unter Paaren werden derzeit zu einer echten Herausforderung. Denn durch die Regeln zur Eindämmung des Coronavirus’ gibt es kaum Möglichkeiten, aus der Situation zu fliehen. Eine Frankfurter Paartherapeutin erklärt, wie Konflikte dennoch gemeistert werden können. Von Anna Scholze

Region Rhein-Main – Paare haben derzeit kaum Möglichkeiten, sich bei Konflikten aus dem Weg zu gehen. Da Läden, Bars und Fitnessstudios geschlossen sind, ist eine Flucht beinahe unmöglich. Zudem arbeiten viele im Homeoffice. Wie man Streitereien dennoch löst, erklärt die Frankfurter Paartherapeutin Bettina Steingass.

Einen gemeinsamen Alltag schaffen

Der wohl häufigste Anlass für Auseinandersetzungen, sind enttäuschte Erwartungen. „Deshalb ist es wichtig, dass Paare darüber sprechen, wie sie sich die kommenden Tage vorstellen“, sagt Steingass. Auf dieser Basis können sie dann einen Alltag erschaffen, der beiden gerecht wird.

Mit Alltagsstreitereien humorvoll umgehen

„In Alltagsstreitereien öfter mal zum Humor zu greifen, ist ebenso ein gutes Mittel“, sagt Steingass. Das Interessante sei, dass es Pärchen am Anfang der Beziehung leicht falle, über die Eigenarten des Partners hinweg zu sehen. Doch mit der Zeit sei man davon überzeugt, dass der andere gelernt haben müsste, worauf es einem ankommt. „Das führt dann oft zu Streit“, sagt die Therapeutin. Humor helfe, auf solche Situationen nicht zu emotional zu reagieren. „Eine humorvolle Methode ist etwa die Erfindung eines unsichtbaren Mitbewohners, auf den sich beide einigen“, sagt Steingass. Dann könne man seine Wut an ihm auslassen. Damit bekommt der Partner auf indirekte Weise mit, dass man sich über etwas ärgert.

Nicht alles ausdiskutieren

Normalerweise ist es wichtig, dass Paare miteinander über Probleme reden. Doch in Zeiten, wo man nur wenig Pause voneinander bekommt, muss nicht alles ausführlich besprochen werden. „Aktuell ist es wichtiger, vielleicht eine gewisse Reife zu entwickeln, Diskussionen auch mal ruhen zu lassen und zu verschieben“, sagt Steingass. Später, nachdem die ersten heftigen Emotionen vorbei sind, lasse sich immer noch schauen, wie sich die Dinge entwickelt haben, und ob noch Klärungsbedarf besteht.

Ungleichheit akzeptieren

Eine gerechte Aufgabenverteilung funktioniert nur in den wenigsten Beziehungen. Meist gibt es einen, der zum Beispiel im Haushalt mehr macht als der andere. Das sorgt bei vielen Paaren für Streit. Steingass rät diese Ungleichheiten gerade in der jetzigen Situation eher mal zu akzeptieren und die Harmonie über das Gerechtigkeitsempfinden zu stellen. Denn es bestehe die Chance, dass der Partner von selbst mehr mache, wenn nicht alles bis ins Letzte ausgehandelt wird.

Auch mal scheitern können

In der heutigen Zeit ist der Druck, perfekt zu sein, hoch. Der Überzeugung ist auch Steingass: „Sämtliche Glücksratgeber suggerieren uns ständig, wie toll, schön und glücklich alles sein sollte.“ Doch eine absolut harmonische Beziehung zu führen, gelinge keinem, und viele würden bei dem Versuch eher unglücklich. Denn sie haben den Eindruck, dass mit ihnen oder ihrer Beziehung etwas nicht stimmt. Dabei ist das Gegenteil der Fall. Steingass sagt: „Ein bisschen Scheitern gehört zum Leben dazu und sorgt letztendlich für mehr Gelassenheit.“

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