Claudia Neun leidet seit 15 Jahren an Multipler Sklerose

Mit Sport dem Schicksal trotzen

Claudia Neuns Energie sorgt bei Fitnesstrainer Altberto St. Louis für große Bewunderung. Foto: ans

Mit 27 Jahren erhält Claudia Neun die Diagnose Multiple Sklerose. Doch die Dietzenbacherin lässt sich von der Krankheit nicht entmutigen. Sie geht fünfmal die Woche ins Fitnessstudio und modelt. Von Anna Scholze

Dietzenbach – Die Knie zur Hocke gebeugt, in den Händen jeweils ein Ende der sogenannten „Battle Rope“ und der Rollstuhl ist nur zur Absicherung da. Claudia Neun bewegt das 15 Meter lange und zirka zwölf Kilogramm schwere Tau wie ein Schlagzeuger seine Stöcke, auf und ab. Welle um Welle gleitet das schwarze Seil über den Boden. Wie anstrengend die Übung für die zierliche Rothaarige ist, lässt sie sich nicht anmerken.

2003, im Alter von 27, erhält die Dietzenbacherin die Diagnose Multiple Sklerose (MS). „Ich habe gemerkt, wie meine Beine immer schwerer wurden und ich nicht mehr so gut sehen konnte“, sagt Claudia Neun. Die Zeit zwischen der ersten Untersuchung und der Feststellung der Krankheit sei die schlimmste gewesen. „Ich war eigentlich erleichtert, als die Ärzte mir gesagt haben, dass ich MS habe“, sagt sie. Endlich habe die Ungewissheit ein Ende gehabt.

Doch die gebürtige Frankfurterin lässt sich von der Krankheit, die das zentrale Nervensystem angreift, nicht entmutigen. Fünfmal die Woche verlässt sie um sieben Uhr das Haus und fährt ins Dietzenbacher Studio „Purfitness“. „Für mich gehört der Sport zu meiner Morgenroutine“, sagt Neun. Eine Stunde gibt sie am „Battle Rope“ Vollgas, stemmt Gewichte und trainiert auf dem Crosstrainer ihre Ausdauer. Im vergangenen Sommer fährt die ehemalige Fensterbauerin im Anschluss an ihr Training fünf bis zehn Kilometer mit ihrem Hand-Fahrrad. Und die Disziplin zahlt sich aus: Schon im September 2018 fährt Claudia Neun an einem Tag 22,53 Kilometer und nimmt am Dietzenbacher Stadtlauf teil. Doch zufrieden gibt sich die 42-Jährige damit nicht. Sie will die Zehn-Kilometer-Marke knacken. „Außerdem habe ich mir mit einer Freundin vorgenommen, an einem Halbmarathon teilzunehmen“, sagt Claudia Neun.

Ihre Entschlossenheit, der unheilbaren Krankheit entgegenzutreten, sorgt auch im Fitnessstudio für große Bewunderung. Inspiriert von Claudia Neuns Lebenslust entwickeln die Betreiber den „Heldenpur-Preis“. Am Montag bekommt ihn die Dietzenbacherin überreicht. Sprecher Wolfgang Klauke: „Claudia erhält die Ehrung nicht wegen ihrer Krankheit, sondern insbesondere aufgrund ihrer positiven Einstellung.“ Claudia Neun scheint die Aufmerksamkeit fast ein wenig zu viel zu sein. „Ich weiß gar nicht, womit ich das verdient habe“, sagt sie. Für sie sei es normal, regelmäßig Sport zu treiben. Dennoch ist die Freude über den Preis groß.

Ebenso selbstverständlicht ist es für Claudia Neun, sich als Vorsitzende des Eintracht-Frankfurt-Fanclubs „Ohne Grenzen“ für Fußballbegeisterte mit Handicap einzusetzen. Doch auch das Ehrenamt genügt Claudia Neun nicht. 2017, nach ihrer Begegnung mit Rollstuhl-Model Nina Wortmann, entscheidet sie sich, selbst zu modeln. Für ein Video der Deutschen-Multiple-Sklerose-Gesellschaft steht sie vor der Kamera, auch für ein Start-up-Unternehmen ließ sie sich ablichten.

Claudia Neun will nicht mit dem Schicksal hadern. Das zeigt sich auch auf ihrer Haut. Zahlreiche Tattoos zieren ihren Körper. „Ich habe mir die Muppets stechen lassen, weil sie mich immer zum Lachen bringen.“ Mit dem Elefanten und der Ente von der „Sendung mit der Maus“ trage sie hingegen immer ihren Mann und ihre Tochter bei sich. Denn die Figuren stehen symbolisch für ihre Familie.

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