Spenden und Co.: So werden wir an Weihnachten abgezockt

Die Polizei rät, die Spendensammler zu fragen, für welche Institution das Geld gesammelt wird. Foto: rf

Falsche Spendensammler und Abzocke im Internet: Gerade in der Adventszeit versuchen Betrüger, Kasse zu machen. Die Polizei warnt davor, sich auf der Straße nicht von mitleiderregenden Fotos und Geschichten unter Druck setzen zu lassen. Von Rebekka Farnbacher

Region Rhein-Main – „Eine Spende für die Obdachlosenhilfe?“, fragen zwei Frauen auf dem Frankfurter Weihnachtsmarkt. Vor sich halten sie eine Ausgabe der Zeitung „Streetworker“ in einer Klarsichtfolie dem Passanten entgegen. Das Geld solle man direkt in die Folie werfen. Was nach Betrug aussieht, ist auch einer. Denn im Gegensatz zu ehrlichen Spendensammlern, die Obdachlosen--Zeitungen verkaufen, verbirgt sich hinter der im Impressum von „Streetworker“ angegebenen Adresse eine Dönerbude in Darmstadt. Es bleibt unklar, wofür die Spendengelder genutzt werden.

Nicht nur das Geschäft mit den Straßenzeitungen entdecken Betrüger und nutzen das soziale Gewissen der Käufer aus – gerade zur Weihnachtszeit wird die Spendenbereitschaft schamlos ausgenutzt. So warnte die Frankfurter Tafel Ende November vor Betrügern auf der Zeil, die vorgaben, für die Hilfsorganisation Spenden zu sammeln. „Es handelt sich hier um Bandenkriminalität“, schreibt der Verein auf seiner Facebookseite. „Die Frankfurter Tafel schickt keine einzelnen Personen mit Sammelbüchsen auf die Straße!“

Der Polizei ist das Problem bekannt. „Es kommt gerade in der Weihnachtszeit immer wieder vor, dass solche Betrüger in der Innenstadt unterwegs sind“, sagt Manfred Füllhardt, Sprecher der Polizei Frankfurt. Um darauf aufmerksam zu werden, sei die Polizei auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen. „Die Sammler nutzen die direkte Ansprache, um beim Spender Druck aufzubauen, alles soll schnell gehen. Darauf sollte man sich nicht einlassen“, warnt Füllhardt. „Oftmals wird mit Fotos von Folteropfern, hungernden Kindern oder Tierquälerei versucht, Mitleid zu erregen.“

Auch in Offenbach und im Taunus sind die Betrugsmaschen bekannt. Das Problem: Ein Sammlungsgesetz gibt es in Hessen seit 2010 nicht mehr. Das bedeutet, dass Sammlungen nicht mehr angemeldet und genehmigt werden müssen. „Man sollte sich den Namen des Spendensammlers nennen und genau erklären lassen, für welche Institution er sammelt. Es empfiehlt sich, die Angaben zu überprüfen und bei der jeweiligen Institution nachzufragen“, sagt Julia Höfer, Oberkommissarin des Polizeipräsidiums Südosthessen. Grundsätzlich rät die Polizei: „Wer spenden möchte, sollte dies in Ruhe von zu Hause über die Bankverbindung einer seriösen Institution tun.“

Auch im Internet lauern rund um die Weihnachtszeit Gefahren – seien es Online-Fake-Shops, die besonders günstige Weihnachtsgeschenke anbieten, digitale Grußkarten, die den Computer mit einem Virus infizieren können oder Gewinnbenachrichtigungen, bei denen aufgefordert wird, einen Geldbetrag zu überweisen. „Grundsätzlich empfiehlt es sich, den Namen des Unternehmens oder der Institution zu googeln. Wenn es sich um Betrug handelt, findet man in der Regel entsprechende Warnhinweise“, sagt Markus Hoffmann, Pressesprecher der Polizei Westhessen. Und bei Gewinnspielen gilt: „Wer nirgends mitgespielt hat, kann auch nichts gewonnen haben!“

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