„Smart Care“: So funktioniert der Hausnotruf der Zukunft

Frank Winter (links) und Oliver Treutel vom ASB zeigen das Assistenzsystem „Smart Care“, das getestet werden soll. Foto: ASB/nh

Gefährlich gestürzt oder zu wenig getrunken: Das Assistenzsystem „Smart Care“ soll zukünftig selbstständig Alarm auslösen und ans Trinken erinnern. Der Arbeiter-Samariter-Bund sucht Senioren, die den elektrischen Helfer testen wollen. Von Anna Scholze

Region Rhein-Main – Es ist acht Uhr morgens an einem Freitag. Zeit für Irmela Meyer, sich auf den Weg zum Wochenmarkt zu machen. Mit ihrem roten Trolley in der Hand geht sie durchs Treppenhaus. Plötzlich wird ihr flau und das Bild vor ihren Augen verschwimmt. Sie fällt. Sechs graue Steinstufen stürzt sie herunter, schlägt mit dem Kopf gegen das schwarze Eisengeländer und wird ohnmächtig. Ihre Nachbarn in dem Dreifamilienhaus sind arbeiten. So dauert es drei Stunden bis ihre Schwiegertochter zu Besuch kommt und Irmela Meyer findet.

Um solche Szenarien zukünftig zu vermeiden, startet der Arbeiter-Samariter-Bund Mittelhessen (ASB) in Offenbach ein Pilotprojekt. „Wir suchen insgesamt 30 Senioren, die das Assistenzsystem ,Smart Care’ testen“, sagt Peter Steinfadt vom ASB. Es kann mittels verschiedener Sensoren, die an Türen befestigt werden, überprüfen, ob diese regelmäßig geöffnet und geschlossen werden. Ist dies für längere Zeit nicht der Fall, erhält der ASB durch das internetbasierte System eine Nachricht. „So werden wir auch in Situationen alarmiert, in denen die Senioren den Knopf des klassischen Hausnotrufs nicht mehr drücken können“, sagt Steinfadt. Außerdem ließe sich durch das System feststellen, ob jemand morgens nicht zur gewohnten Zeit aufstehe. Der Alarm muss, laut Steinfadt, nicht unbedingt beim ASB eingehen. Denn der elektrische Helfer kann auch Angehörige über Unregelmäßigkeiten informieren.

Er ist jedoch nicht allein für Notfälle gedacht. Geplant ist auch, ihn als Unterstützung in alltäglichen Situationen einzusetzen. „Wir wollen in der Testphase allerdings erst mal gemeinsam mit den Probanden herausfinden, in welchen Alltagssituationen sich das System gut einsetzen lässt“, sagt Steinfadt. Später soll in einem Gespräch über die Gewohnheit der Senioren gesprochen werden. In solch einem Informationsgespräch können etwa die Schlafenszeiten und die Anzahl der Mahlzeiten besprochen werden.

Denn mit diesen Informationen lässt sich das System entsprechend der Bedürfnisse der Senioren programmieren.

„Uns geht es dabei nicht darum, die Senioren zu kontrollieren“, sagt Steinfadt. „Smart Care“ biete ihnen die Möglichkeit, länger selbstständig in ihrer Wohnung zu leben.

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