Ernährungsberater klären auf

Wasser marsch! Das sind die fünf größten Mythen zum Thema Trinken

Nach spätestens einer Woche ist ein Mensch ohne Flüssigkeitszufuhr tot. Trinken ist lebensnotwendig. Allerdings halten sich viele falsche Mythen, die immer wieder weitererzählt werden.

Klar ist: An heißen Tagen ist Trinken wichtig. Aber welche Mythen halten sich hartnäckig, obwohl sie schlichtweg falsch sind? Der EXTRA TIPP hat mit Ernährungsberatern über das Thema gesprochen. 

Region Rhein-Main – Nach spätestens einer Woche ist ein Mensch ohne Flüssigkeitszufuhr tot. Trinken ist lebensnotwendig. Allerdings halten sich viele falsche Mythen, die immer wieder weitererzählt werden. Die Ernährungsexperten Sylvia Becker-Pröbstel aus Frankfurt und Uwe Knop aus Eschborn klären auf.

Mythos eins: Bei großer Hitze mindestens drei Liter pro Tag trinken!

„Nein, der Wasserverlust, ausgelöst durch Urin, Schweiß, Atemluft, beträgt am Tag etwa 2,5 Liter“, sagt Becker-Pröbstel. „Ein Liter davon bekommen wird im Stoffwechsel durch die feste Nahrung, die wir zu uns nehmen.“ Das heißt, ein erwachsener Mensch mit einer durchschnittlichen Mischkost solle mindestens 1,5 Liter pro Tag trinken. „Je nach Temperaturen und körperlicher Aktivität oder anderen individuellen Begebenheiten muss die Menge verändert werden.“ Knop ergänzend dazu: „Es ist doch klar, dass jemand, der im Büro sitzt, weniger braucht, als jemand, der auf der Baustelle körperlich schwer arbeitet.“

Mythos zwei: Ein „zu viel Trinken“ gibt es nicht!

Doch! Es ist möglich, dass jemand aufgrund einer Wasservergiftung stirbt. „Das tritt allerdings nur relativ selten auf. Man spricht dann von einer sogenannten Hyponatriämie. „Dann hat der Körper einen zu niedrigen Natriumgehalt im Körper“, erläutert Knop. Wenn etwa Läufer viel schwitzen, dann verlieren sie Salz im Körper. Wenn nun zu viel natriumarmes Wasser, wie das aus der Leitung, getrunken wird, sinkt dieser Salzspiegel im Körper immer weiter ab. „Wer dann zu viel Wasser und zu wenig Salz im Körper hat, kann unter Übelkeit und Kopfschmerz leiden.“ Und im Extremfall kann das zum Tod führen. Passiert ist das beispielsweise bei einem Ironman-Teilnehmer in Frankfurt vor einigen Jahren.

Mythos drei: Immer schon trinken, bevor man Durst hat.

Ein Ratschlag, der Knop richtig sauer macht: „Das ist vollkommener Unsinn. Man sollte auf sein Körpergefühl hören und nichts anderes! Und wenn man Durst verspürt, dann signalisiert der Körper eben: Ich brauche Flüssigkeit!“ Er und Becker-Pröbstel weisen jedoch darauf hin, dass vor allem bei älteren Menschen Vorsicht geboten sei, da bei diesen das natürliche Durstempfinden nachlasse. Der beste Indikator sei die Urinfarbe. „Dunkler Urin zeigt Flüssigkeitsmangel an“, so Becker-Pröbstel.

Mythos vier: Bei Hitze kein kaltes Wasser trinken.

„Auch hier sollte man auf sein Körpergefühl hören. Wer an einem heißen Sommertag ein eiskaltes Getränk trinken möchte, soll es tun und sich nicht zu warmen Tee zwingen“, sagt Knop. Oft sei es laut Becker-Pröbstel aber so, dass viele Menschen lauwarme Getränke besser vertragen. Aber pauschal zu sagen, dass kalte Getränke bei Hitze nicht gut sind, sei falsch.

Mythos fünf: Kaffee entzieht dem Körper Flüssigkeit.

Nach wie vor hält sich der Gedanke in vielen Köpfen und deshalb wird zum Kaffee oft Wasser serviert. Aber: „Wissenschaftliche Studien haben klar ergeben, dass der Kaffee normal zum Flüssigkeitshaushalt hinzugerechnet werden kann“, sagt Knop.

Oliver Haas

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