Das sind Frankfurts größte Stadtteilmythen

Im Frankfurter Bahnhofsviertel findet man schon immer die Rotlicht-Szene? Stimmt nicht, ein anderer Stadtteil war Vorreiter. Foto: rf

Im Gallus wohnen nur Schwerverbrecher und im Westend nur Reiche. Aber was ist dran an den Vorurteilen über Frankfurt? Der EXTRA TIPP hat mit einem Stadtführer gesprochen und einige Mythen aufgeklärt. Von Rebekka Farnbacher

Frankfurt – Jeder Stadt haften bestimmte Klischees an, ähnlich ist es bei den Stadtteilen. Stadtführer Sascha Stefan Ruehlow klärt über folgende Mythen auf.

1. In der Altstadt stehen die ältesten Gebäude

„Das ist ein klassischer Stadtteilmythos“, sagt Ruehlow. „Denn nach dem Bombenkrieg 1944 wurde der Großteil der Altstadt vernichtet. Die meisten Gebäude, die heute vor Ort zu sehen sind, sind wieder aufgebaut worden.“ Eine Ausnahme bilde zwar das um 1600 errichtete Haus Wertheim, das einzige Haus in der Altstadt, das die Luftangriffe nahezu unversehrt überstanden hat. Ruehlow vermutet aber, dass im Bahnhofsviertel sehr viel mehr ältere Gebäude stehen. Diese sind allerdings nicht vor 1880 entstanden.

2. Im Bahnhofsviertel war seit jeher die Prostitution angesiedelt

„Nein, die Prostitution fand früher rund um den Dom, also auf dem Areal, das wir heute die neue Altstadt bezeichnen, statt“, erklärt Ruehlow. Dieser Bereich nannte sich Fleischhügel und beheimatete neben Metzgern und Fleischern auch Freudenmädchen. „Erst nach der Bombardierung ist das Rotlichtmilieu ins Bahnhofsviertel umgesiedelt.“ Mit den amerikanischen GIs kamen zunächst Nachtclubs und Bars, bevor der Magistrat 1969 eine Sperrgebietsordnung beschloss, die die professionell betriebenen Laufhäuser zuließ.

3. Das Gallus ist gefährlich

„Oft werden die Klischees eines Stadtteils von unseren Eltern und Großeltern geprägt“, sagt Ruehlow. „Und wenn man ihnen dann von Stadtteilen wie dem Gallus erzählt, hört man: ,Oh Gott, da gehst du hin, da wirst du doch abgestochen’.“ Tatsächlich habe sich das Gallus in den vergangenen Jahren jedoch extrem gewandelt. „War es früher als multikulturelles Arbeiterviertel bekannt, sind durch das angegeliederte Europaviertel sehr viele Leute zugezogen, die sich etwas leisten können.“ Die aufgewerteten Bereiche mit teuren Eigentumswohnungen stehen im Kontrast zu den schmuddeligen Ecken, wie etwa der Galluswarte.

4. Im Westend wohnen nur Reiche

„Es stimmt schon, dass das Westend ein Besserverdiener-Viertel ist“, sagt Ruehlow. „Es gibt aber dort eine wunderbare Kulturszene mit Menschen, die teilweise ums finanzielle Überleben kämpfen.“ In den 1970er Jahren kam es im Frankfurter Westend zudem zur vermutlich ersten Hausbesetzung in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Linksgerichtete politische Aktivisten wollten damals ein Zeichen gegen spekulationswütige Hauseigentümer setzen.

5. Höchst ist höchst dreckig

Dem westlichen Stadtteil haftet das Image an, dass es dort dreckig zugeht. Laut Ruehlow hat sich Höchst aber in den vergangenen Jahren sehr gewandelt, wurde touristisch mehr vermarktet und aufgewertet. Ein Beispiel dafür ist am Umbau des Bahnhofs erkennbar. Aber vor allem die Altstadt gilt als besonderes Schmuckstück des Stadtteils. „Für mich ist Höchst einfach klein und schnuckelig“, sagt Ruehlow.

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