Redakteurin Janine Drusche auf Testfahrt

Busstreik: Wenn der Arbeitsweg für Pendler zur Tortur wird 

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Das geht an die Nerven: Die Bushaltestellen sind heute fast alle unangefahren geblieben.

Bad Vilbel/Frankfurt/Offenbach – Seit knapp einer Woche steht es fest: Mehr als 99 Prozent der Busfahrer streiken am heutigen Dienstag im gesamten Rhein-Main-Gebiet. Dazu hatte die Verkehrsgesellschaft Frankfurt parallel eine Betriebsversammlung angesetzt, weshalb es zu weiteren Ausfällen bei Straßen- und U-Bahnen kommen sollte. Von Janine Drusche

Unsere Redakteurin Janine Drusche hat das Chaos hautnah miterlebt und berichtet nun, wie es heute morgen im öffentlichen Nahverkehr drunter und drüber ging: Ich wohne in Bad Vilbel und arbeite in Offenbach. Der Weg führt mich normalerweise von der Bad Vilbeler Innenstadt mit der Express-Buslinie X97 über Frankfurt zum Hauptbahnhof Offenbach – meist innerhalb einer halben Stunde. Nach fünf Minuten Fußweg, steige ich in Offenbach in den nächsten Bus und fahre noch mal rund zehn Minuten. Ein Weg von ca 50 Minuten von Tür zu Tür. 

Gestern Abend habe ich mich wegen der Streikankündigung informiert, wie ich heute fahren soll. Das Beste: In der RMV-App auf dem Handy stand gestern Abend noch nichts von Ausfällen im Busverkehr. Da es aber angekündigt war, habe ich mir eine Route ohne Bus herausgesucht. Mit der S-Bahn zum Frankfurter Hauptbahnhof, dort in den Regio zum Bahnhof Offenbach und von da etwa 25 Minuten laufen. Dafür den Wecker eine halbe Stunde früher gestellt, um trotzdem pünktlich bei der Arbeit anzukommen – so der Plan. Und das war die Realität heute morgen: Anstelle von 8.18. Uhr, verlasse ich um 7.55 Uhr das Haus und laufe zum Südbahnhof. Der Bahnsteig ist natürlich gerappelt voll, eine Fahrradmitnahme ist bei diesem Ansturm an Fahrgästen für den späteren Fußweg in Offenbach also schon mal nicht möglich. Dann die Durchsage. Die Bahn hat fünf Minuten Verspätung. Daraus werden acht Minuten. 

Technische Störungen 

Die herausgesuchte Verbindung ist damit hinfällig. Als ich nach der nächsten Verbindung in der RMV-App (Rhein-Main-Verkehrsverbund) schaue, fällt mir auf, dass einige Busverbindungen angeblich fahren sollen, auf der Straße sind sie allerdings nicht zu sehen. Meine nächste Verbindung soll ab Hauptbahnhof zehn Minuten später fahren. Na, das geht ja noch. Alle S-Bahnen und Züge sind in der App übrigens zu diesem Zeitpunkt als mindestens acht bis zwölf Minuten verspätet angezeigt. 

In der S-Bahn stehen die Menschen dicht gedrängt, die Weiterfahrt verzögert sich immer wieder, technische Störungen und Zugüberholungen sind die Gründe. Die Zeit läuft. Am Hauptbahnhof angekommen, staut es sich an den Rolltreppen, die Zeit läuft unerbittlich weiter. Etage zwei: Die Rolltreppe ist ausgefallen. Menschen mit Koffern und gesundheitlichen Problemen schleppen sich die stehende Rolltreppe hoch. 

Falsche Anzeige am Zug

Dann ab zum Gleis: Der RB kommt 13 Minuten zu spät – und steht dann mit falscher Anzeige als vermeintlicher ,RE’ mit anderer Nummer noch knappe zehn Minuten im Gleis. „Technische Störungen“ mal wieder. Neben mir sagt ein Mann zu seiner Frau: „Das ist doch absoluter Irrsinn hier!“ Als sich der Zug dann endlich in Bewegung setzt, dauert es noch zehn Minuten, bis ich am Hauptbahnhof Offenbach ankomme. Doch hier endet meine Reise ja noch nicht. 

Anstelle wie laut App geplant – um 8.44 hier zu sein, ist es mittlerweile 9.12 Uhr. Weiter zu Fuß zum Verlagshaus. Da komme ich schwitzend und genervt um 9.39 Uhr an – wohl wissend, dass ich die halbe Stunde Fußmarsch heute Abend wieder einplanen muss. Fazit: Trotz der frühzeitigen Beschäftigung mit dem Alternativweg und dem früheren Losgehen, komme ich zu spät zur Arbeit und habe die doppelte Zeit gebraucht im Gegensatz zu sonst: Geschlagene 100 Minuten, um zur Arbeit zu kommen.

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