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Doch keine Silvester-Randale! Zeugin war nicht in Frankfurt

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Während sich die Frankfurter aufs Feuerwerk freuten, soll es in der Fressgass' zu Randale gekommen sein. Oder etwa doch nicht?

Frankfurt – Ein Mysterium beschäftigt seit zwei Wochen die Stadt. Hat wirklich ein Mob von arabisch aussehenden Männern in der Silvesternacht Randale auf der Freßgass´ gemacht und Frauen sexuell belästigt? Jetzt kam heraus: Eine angebliche Zeugin war über Silvester gar nicht in der Stadt. 

Die Polizei hat nach Berichten über Randale und Übergriffe an Silvester Ermittlungen wegen Vortäuschung einer Straftat aufgenommen. Wie die Polizei am Dienstag mitteilte, werden ein Wirt und eine Frau verdächtigt, falsche Behauptungen aufgestellt zu haben. Des Weiteren wird überprüft, ob Polizeikosten geltend gemacht werden können sowie konzessionsrechtliche Überprüfungen in die Wege geleitet. 

Allgemein stellte die Polizei jetzt klar: „In der Silvesternacht gab es in der Freßgass (Kalbächer Gasse) keine massiven mobartigen Übergriffe durch Massen an Flüchtlingen. Die in den Raum gestellten Vorwürfe sind haltlos und entbehren jeder Grundlage. Dies ergaben die intensiven und umfangreichen Ermittlungen der Polizei.“

Was sollte in der Freßgass‘ passiert sein?

Der Frankfurter Szene-Gastronomen hatte von tumultartigen Szenen an Silvester berichtet. Demnach hätten gegen ein Uhr zahlreiche Männer mit arabischem Aussehen in seiner Bar an der Freßgass´ Ärger gemacht. Genauer gesagt: Frauen belästigt, Jacken gestohlen und Getränke von Gästen ausgetrunken. Den Schilderungen zufolge sprachen die Täter wenig bis kein Deutsch und nur gebrochen Englisch. Nachdem er die Störenfriede rausgeschmissen habe, hätten vor dem Lokal bis zu 70 Männer gestanden, die erst verschwunden seien, als die Polizei eintraf. 

Eine 27 Jahre alte Frau hatte zudem in der Bild-Zeitung erklärt, sie sei selbst Opfer sexueller Übergriffe in der Silvesternacht auf der Freßgass' geworden. Die Schilderungen warfen allerdings einige Fragen auf. 

Angebliche Zeugin war über Silvester gar nicht in Frankfurt

Vor allem, warum offenbar keines der Opfer an diesem Abend die Polizei gerufen hatte, war verdächtig. Denn die Polizei wusste bis zu den neuen Medienberichtenvon keinerlei solchen Vorfällen. Ein Sprecher sagte, dass es auch keine entsprechenden Anzeigen von Opfern gebe. Dennoch nahm die Polizei die Sache ernst und ermittelte routinemäßig in alle Richtungen. Auch nach Zeugenaufrufen, unter anderem in sozialen Netzwerken, gingen keine Anzeigen ein. Zudem konnten andere Gastronomen die Randale-Schilderungen, laut Polizei, nicht bestätigen. 

Auch ergaben sich bei den Vernehmungen der genannten Zeugen, Gäste und Mitarbeiter, weitere erhebliche Zweifel an den dargestellten Schilderungen. Laut Polizei war die 27-Jährige zum Tatzeitpunkt nach dem derzeitigen Ermittlungsstand gar nicht in der Stadt. Das habe die Frau bei einer Durchsuchung ihrer Wohnung am Dienstag eingeräumt, teilte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Frankfurt, Nadja Niesen, am Mittwoch mit. Bei der Durchsuchung sei es darum gegangen, Unterlagen wie beispielsweise Flugtickets oder Reisepapiere zu finden, die belegten, dass sie Silvester im Ausland war.

Wirt bezieht bei Facebook Stellung

Währenddessen gibt es offenbar auch ansonsten immer mehr Zweifler an der Schilderung des Gastronomen, der auf seinem Facebook-Profil unter anderem die AfD anfeuert. Offenbar so viele, dass er nun selbst wie folgt auf Facebook Stellung nahm: „Ich bin politisch nicht aktiv, weder rechts noch links, war immer braver CDU- und auch FDP-Wähler und habe gar nichts gegen Ausländer, wie auch, bin ich doch mit vielen befreundet (...) Meine Mitarbeiter, übrigens alles Ausländer, haben miterlebt, wie schlimm es uns an Silvester ergangen ist und sind sicherlich nicht, genauso wie ich, in der rechten Szene unterwegs. Traurig, wohin das alles führt!“ 

Zumindest soviel steht fest: Nach Angaben der Polizei waren Beamte in der Silvesternacht zweimal auf der Freßgass’ im Einsatz: Es habe zwei Anzeigen wegen Körperverletzung gegeben – ermittelt werde aber gegen einen Deutschen und einen Osteuropäer. 

Dass sich immer mehr Hessen nicht mehr sicher fühlen, zeigt auch ein Blick auf die Waffenverkäufe. Im vergangenen Jahr haben sie deutlich aufgerüstet. dpa/lhe/rz

In Gewaltkonflikten richtig verhalten

Unerwünschter Körperkontakt: Die Entscheidung, wie man sich in einer bedrohlichen Situation verhält, muss häufig innerhalb von Sekunden fallen. Foto: Florian Schuh
Unerwünschter Körperkontakt: Die Entscheidung, wie man sich in einer bedrohlichen Situation verhält, muss häufig innerhalb von Sekunden fallen. Foto: Florian Schuh © Florian Schuh
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Christian Zorn leitet das Anti-Gewalt-Training in Berlin. Bei ihm lernen Interessierte, wie sich brenzlige Situationen entschärfen lassen. Foto: Florian Schuh
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Provokatives Rempeln: In seinem Anti-Gewalt-Kurs spielt Christian Zorn ein praktisches Beispiel durch. Foto: Florian Schuh
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Was tun in brenzligen Situationen? Ganz wichtig: Den Täter nicht provozieren und Abstand halten. Foto: Florian Schuh
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Christian Zorn ist Leiter des Anti-Gewalt-Projekts des Landeskriminalamts Berlin. Foto: Florian Schuh
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