Verein „Ärzte gegen Tierversuche“ engagiert sich seit 40 Jahren

„Sieben Millionen Tiere sterben sinnlos im Labor!“

Dr. Maleen Schaumburg und Johannes Volker Schmidt bei einer Aktion auf der Zeil. Foto: nma

Tierversuche sind unnötig. Seit 1979 behauptet das der Verein „Ärzte gegen Tierversuche“. In der Region engagiert sich deren Arbeitsgruppe Frankfurt/Rhein-Main. Der EXTRA TIPP sprach mit zwei Mitgliedern. Von Oliver Haas

Region Rhein-Main – „Der Gesellschaft ist leider noch nicht bewusst, dass Tierversuche unnötig sind. Es wird suggeriert, dass wir ohne Tierversuche alle unsere wissenschaftlichen Errungenschaften nicht hätten“, sagt Dr. Maleen Schaumburg von der Arbeitsgruppe (AG) Frankfurt/Rhein-Main des Vereins „Ärzte gegen Tierversuche“. Die Tierärztin engagiert sich seit dreißig Jahren für dieses Thema. Fünf davon arbeitet sie ehrenamtlich für die AG. Befürwortern der Tierversuche entgegnet sie wissenschaftlich: „95 Prozent aller im Tierversuch für den Menschen als wirksam und ungefährlich geltende Medikamente fallen in der letzten klinischen Studie durch.“ Heißt: In der Phase, wo der Mensch dann auch die Medikamente nimmt, bekommen 95 Prozent keine Zulassung. „Und selbst bei dem Rest, der auf den Markt kommt, werden viele nach kurzer Zeit aufgrund von Unwirksamkeit oder Nebenwirkungen wieder zurückgenommen. Das ist verrückt“, sagt Dr. Schaumburg. Und dies kostet Millionen Tieren sinnlos das Leben. „Offiziell ist von drei Millionen Tieren die Rede. Die Dunkelziffer ist wesentlich höher. Rund sieben Millionen Tiere sterben im Labor“, sagt sie. Was sie ärgert: „Es gibt bereits gute Alternativen. Wie etwa Multiorganchips, die kleiner als ein Smartphone sind, mit deren Hilfe man kleine Organe aus Stammzellen wieder anzüchten kann.“ Hier wird ein Blutkreislauf künstlich angelegt und man kann Medikamente zugeben und sehen, was in welchem Organ passieren würde. Weiterer Vorteil dieser Methode gegenüber Tierversuchen sei, dass so personalisiert geforscht werden könne. „Krebspatienten können sich heute schon Blut abnehmen und eben mit dieser Methode ihre Krankheit bekämpfen. Und dann kann man genau einzeln schauen, auf welche Chemo der Tumor am besten reagiert“, erklärt Dr. Schaumburg.

Ein weiteres Thema, was der Verein anprangert, ist die massive Tierversuchs-Förderung durch Steuergelder. Auf deren Homepage heißt es: „Allein das Jahresbudget der beiden größten, durch öffentliche Gelder finanzierten deutschen Forschungsgesellschaften, die Deutsche Forschungsgemeinschaft und die Max-Planck-Gesellschaft, beträgt 4,79 Milliarden Euro. Diese werden zu einem großen Teil in Tierversuche investiert.“ Zum Vergleich: Tierversuchsfreie Forschung wird laut Verein jährlich mit weniger als zehn Millionen Euro staatlich gefördert.

Und wer sich mit solchen von der Politik unterstützen Lobby anlegt, bekommt Gegenwind zu spüren. Bei einer Aktion in Heidelberg vor dem Krebsforschungszentrum haben Forscher sich davor gestellt und gegen die Aktion der AG demonstriert. Und auf der Internet-Seite „Tierversuche verstehen“ versucht ein Zusammenschluss aus Forschern die Argumente der Tierschützer zu widerlegen. Dr. Schaumburg hat hierzu eine klare Meinung: „Mich stört schon der erste Satz. ,Eine Initiative der deutschen Wissenschaft´. Das impliziert, dass ausnahmslos jeder deutsche Wissenschaftler diese Meinung teilt. Es werden mit keinem Wort die Kollegen erwähnt, die bereits mit tierversuchsfreien Ersatzmethoden arbeiten.“

Beim Verein „Ärzte gegen Tierversuche“ können nicht nur Mediziner mitmachen. So ist der Frankfurter Gymnasiallehrer Johannes Volker Schmidt Mitglied der AG. „Ich war zu Beginn im Dilemma. Und ich fragte mich, ob Tierversuche für viele Menschen vielleicht nützlich sein könnten. Bin dann schnell zur Meinung gekommen, dass es uns Menschen nicht zusteht, andere Tiere in Haftung zu nehmen für unsere Krankheiten. Denn Krankheit ist stets was Individuelles und immer mit der Person verbunden. Das war sozusagen der ethische Schritt.“ Und dann habe er gesehen, dass es auch reichlich wissenschaftliche Argumente dagegen gibt. Ihn habe sehr schnell die Erfolglosigkeit der Tierversuche überzeugt und nennt als Beispiel: „Wenn man einen Giftigkeitstest mit einer Ratte macht, ist die Wahrscheinlichkeit unter 50 Prozent, dass das auf den Menschen übertragbar ist. Dann kann ich auch eine Münze werfen, ob ein Produkt giftig für den Menschen ist oder nicht“, sagt Schmidt.

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