Kein Entkommen: Immer mehr Unternehmen installieren elektronische Parkwächter

Mit Sensoren gegen Parksünder: Jetzt rüsten Supermärkte auf!

Parkscheibe war gestern: Immer häufiger lassen Supermärkte in Rhein-Main ihre Parkplätze von Sensoren sekundengenau elektronisch überwachen. Wird die Parkzeit überschritten, kann es richtig teuer für die Autofahrer werden. Von Julia Oppenländer

Region Rhein-Main – Sie sind klein, aber können für mächtig Frust sorgen: Die schwarzen oder schwarz-gelben Sensoren, die immer öfter auf Parkplätzen von Supermärkten, Restaurants, Arztpraxen oder Krankenhäusern in Rhein-Main zu finden sind. Sekundengenau überwachen sie die Parkdauer. Steht ein Auto über ihnen, registrieren sie dies. Wird die ausgeschilderte Parkzeit überschritten, bekommen die Mitarbeiter des beauftragten Kontroll-Unternehmens eine entsprechende Meldung.

In Rhein-Main etwa kümmert sich die Firma „Park & Control“ aktuell um 26 Standorte mit dieser Technologie. „Unsere Mitarbeiter betreuen mehrere Parkflächen und fahren diese im Wechsel an“, teilt das Unternehmen mit. Für Parksünder kann es dann schnell teuer werden: Mindestens 30 Euro Bußgeld werden laut Hinweisschildern fällig. Supermärkte wollen mit dem elektronischen Überwachungssystem vor allem Langzeitparkern den Kampf ansagen und ihren Kunden gleichzeitig Parkscheibe oder Parkschein ersparen. Die werden gerne mal vergessen.

Doch bei den Betroffenen herrscht eher Frust über die neue Technologie. „Ich denke jetzt vor allem an Mütter, Schwangere oder andere, die für ihren Einkauf einfach mal länger brauchen“, sagt etwa Wal Amin aus Frankfurt. „Steht ein Großeinkauf an und sind die Schlangen an den Kassen lang, schafft man das in der Zeit ja eher nicht.“ Waldemar Baron aus Offenbach sieht das ähnlich: „Klar, Anwohner und Dauerparker hat man so auf den Parkplätzen nicht mehr, aber 60 Minuten maximal sind schon ziemlich kurz. Gerade jetzt in der Weihnachtszeit, wenn man mal mehr einkauft und die Schlangen lang sind. 90 oder 120 Minuten wären sinnvoller. Und 30 Euro Strafe find ich zuviel – 20 wären auch okay.“ Petra Pirsig aus Hanau hat die Sensoren inzwischen ebenfalls entdeckt. „Eine Parkscheibe habe ich auch schon vergessen und musste 35 Euro zahlen, da sind so Sensoren natürlich praktisch“, sagt sie. „Wenn das jetzt aber auf allen Parkplätzen kommt, finde ich das nicht so gut. Ab und zu gehe ich in einem Café, das an einen Supermarkt angeschlossen ist, nach dem Einkauf gerne nochmal einen Kaffee trinken – das schafft man dann nicht alles in der kurzen Zeit.“

In den Sozialen Netzwerken sind die Sensoren auch längst Thema. Meist werden sie eher kritisch beäugt, vor allem die Höchstparkdauer von einer Stunde. Viel zu knapp, so der Tenor. Oft folgt der Hinweis auf das Einkaufen mit Kindern, den Großeinkauf oder Wartezeiten an der Kasse. Einige User wollen betroffene Supermärkte oder Einrichtungen deshalb künftig sogar komplett meiden, schreiben sie.

Bei „Park & Control“ versucht man die aufgebrachten Gemüter zu beschwichtigen. Sollte ein Einkauf mal länger dauern und ein Strafzettel an der Windschutzscheibe klemmen, kann das Verwarngeld nachträglich storniert werden. Dazu müssen allerdings bestimmte Bedingungen erfüllt werden, wie das Unternehmen mitteilt: Dazu zählen „die fristgerechte Antragstellung – also innerhalb von zehn Tagen nach Erhalt der Vertragsstrafe –, die Beilage eines Kassenbelegs, der in Relation zu der Parkzeit steht, oder ob es sich bei dem Vorgang um die erste Vertragsstrafe des Kunden handelt.“

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